Deutschlands größter Wohnungskonzern Deutsche Annington erntet die Früchte seiner Einkaufstour. Das operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (FFO) wurde im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt auf 264 (Vorjahr: 130) Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Nicht nur die Neuzugänge Gagfah, Dewag, Vitus und Franconia ließen die Mieteinnahmen nach oben schnellen. Annington konnte auch aus eigener Kraft zulegen und die Mieten leicht erhöhen, weil inzwischen wieder mehr in die Sanierung der Bestände investiert wird. Der Leerstand im gesamten Portfolio lag per Ende Juni bei 3,5 Prozent, Tendenz sinkend.

"Auch die im Juli erworbene Südewo-Gruppe in Baden-Württemberg wird unsere Ertragskraft weiter nachhaltig stärken", erklärte Vorstandschef Rolf Buch. Nach diesem jüngsten Zukauf schraubte er das Gewinnziel für das Gesamtjahr weiter hoch: Angepeilt wird nun ein FFO von 560 bis 580 Millionen Euro - ein neuer Rekordwert. Bislang hatte Annington 530 bis 550 Millionen Euro vorhergesagt. Die Aktionäre, die für die Übernahmen immer wieder über Kapitalerhöhungen zur Kasse gebeten wurden, sollen voraussichtlich eine Dividende von 94 Cent je Aktie bekommen - 27 Prozent mehr als 2014.

Das kam am Markt gut an: Mit einem Plus von 0,7 Prozent setzte sich die Annington-Aktie an die Spitze im Nebenwerteindex MDax, der schwächer notierte.

Buch schließt weitere Zukäufe nicht aus, Annington schaue sich den Markt nach wie vor an. Übernahmen seien aber kein Selbstzweck, betonte er. "Akquisitionen sind die Kirsche auf dem Kuchen." Analysten wollen ohnehin erst einmal sehen, dass der Konzern die versprochenen Synergien liefert.

Anningtons Börsenwert ist seit der Erstnotiz im Sommer 2013 rasant gestiegen - von knapp vier Milliarden Euro auf nunmehr fast 14 Milliarden. Die Aktien befinden sich im Streubesitz. Das Bochumer Unternehmen ist einer der heißesten Anwärter auf einen Aufstieg in den Leitindex Dax, wenn die Deutsche Börse darüber Anfang September entscheidet.

Voraussichtlich ab September tritt Annington dann unter dem neuen Namen "Vonovia" auf. Buch will damit auch symbolisch einen Schlussstrich ziehen unter die Vergangenheit. Lange Zeit hatte der Finanzinvestor Terra Firma bei dem Unternehmen das Sagen, der Kritikern zufolge viel zu wenig in die Wohnungen investierte. Gegen das "Heuschrecken"-Image kämpft der Wohnungskonzern bis heute an, obwohl Terra Firma längst ausgestiegen ist. Buch hat die Ausgaben für die Modernisierung hochgeschraubt und betont, sein Haus sei jetzt "zurück im Club der anständigen Unternehmen".

Reuters