Konkrete Pläne, den bereits laufenden Personalabbau bei der Deutschen Bank zu verschärfen, gebe es im Moment noch nicht. "Schenck hat sich auch nicht dazu geäußert, welche Geschäftsbereiche er im Blick hat." Auch im Aufsichtsrat war ein beschleunigter Abbau bislang noch kein Thema, wie ein anderer Insider erklärte. Das Gremium kommt das nächste Mal Ende Oktober zusammen, wenn auch die - wahrscheinlich abermals roten - Quartalszahlen erwartet werden. Die Deutsche Bank wollte die Informationen nicht kommentieren.

Schencks Überlegungen passen ins Bild: Denn Finanzkreisen zufolge ist Vorstandschef John Cryan zunehmend unzufrieden damit, dass die Sanierung von Deutschlands größtem Geldhaus viel länger dauert als gedacht und die bisherigen Erfolge überschaubar sind - von den weiter schwelenden Rechtsstreitigkeiten ganz zu schweigen. Auch einige große Investoren der Bank werden ungeduldig. Der Aktienkurs markierte unlängst ein Rekordtief von 9,90 Euro, zum Wochenausklang notierte das Papier allerdings gut drei Prozent im Plus.

Der Aufsichtsrat stellt sich schon darauf ein, dass das Strategiethema bald neu diskutiert werde, berichtete ein anderer Insider in dieser Woche. Dabei gehe es aber nicht um einen Radikalschwenk, sondern um Nachjustierungen - etwa um einen beschleunigten Abbau von Bilanzrisiken und Geschäften, mit denen die Bank kein Geld verdient. Hier stünden vor allem einzelne Handelssparten im Investmentbanking im Fokus.

Ein anderer Insider berichtete nun, es gehe nicht nur um Einschnitte im Handel. "Die Bank schaut sich derzeit sehr genau alle Länder an, in denen sie vertreten ist - ob sich das Geschäft dort wirklich noch lohnt." Einige Investoren bringen zum Beispiel immer wieder die Frage auf, ob sich die Deutsche Bank ihr Privatkundengeschäft im europäischen Ausland, etwa Italien, noch leisten sollte.

AUCH SPAREN KOSTET GELD



Beim Thema Kostensenkungen hat die Deutsche Bank keine überzeugende Erfolgsbilanz, wie Analysten immer wieder kritisieren. Nach den bisherigen Plänen will der Konzern weltweit 9.000 seiner rund 100.000 Stellen streichen, davon 4.000 in Deutschland. Der Abbau ist angelaufen, dürfte sich aber insbesondere im Heimatmarkt noch bis 2018 hinziehen. Dabei setzt die Bank auf Abfindungen und Vorruhestandspakete, betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden. Kämen jetzt noch einmal 10.000 Stellen oben drauf, würde der Konzern von der Relation her genauso tief schneiden wie die deutlich kleinere Commerzbank, die bei einer Gesamtbelegschaft von etwa 50.000 Leuten knapp 10.000 vor die Tür setzen will. Cryan selbst war Anfang September sogar noch weiter gegangen, als er auf einer Branchenkonferenz erklärte, die Deutsche Bank habe im Vergleich zu Wettbewerbern eigentlich 25 bis 30 Prozent zu viele Mitarbeiter an Bord.

Doch jeder Abbau kostet zunächst einmal Geld. Die Commerzbank nimmt für ihr drastisches Kürzungsprogramm rund eine Milliarde Euro in die Hand. Für die chronisch klamme Deutsche Bank wäre das eine weitere große Belastung neben den Rechtsstreitigkeiten. Allein im US-Hypothekenstreit steht eine Strafe von 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) im Raum, die die Rückstellungen für Skandale deutlich übersteigt. Arbeitnehmervertreter sehen einen anderen Punkt kritisch: "Die Bank muss aufpassen, dass sie mit den vielen Leuten nicht auch die Erträge wegrationalisiert", sagte ein Betriebsrat.

rtr