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09.01.2016 09:00:00

Regionenreport

Die besten Aktien aus dem Baltikum


Investments in Estland, Lettland und Litauen haben sich langfristig respektabel entwickelt. Trotzdem finden sich auf den Kurszetteln immer noch günstige Aktien. Von Jürgen Büttner

Die baltischen Staaten wirken sympathisch: Keines der drei Länder ist flächenmäßig größer als Bayern, die Bevölkerungszahl ist mit gut sechs Millionen überschaubar. Für ein positives Image sorgen auch die Natur, die Kultur und vor allem die Menschen, die sich trotz zahlreicher feindlicher Besatzungen einen jeweils ganz eigenen Charakter bewahrt haben.

Das gilt auch für den Umgang mit Krisen. Als die drei baltischen Staaten nach einem zuvor beachtlichen Wirtschaftsboom ab 2007 in eine tiefe Rezession schlitterten, trug die Bevölkerung harte Einschnitte ohne großes Jammern mit. Der Lohn für diese Entbehrungen sind wieder wachsende Volkswirtschaften und die Aussicht auf weitere Zuwächse in den beiden kommenden Jahren. Die positive Entwicklung zeigt sich an den Innenstädten von Tallinn, Riga und Vilnius. Sie sind wahre Schmuckkästchen und haben sich weitaus besser entwickelt als viele südosteuropäische Hauptstädte. Möglicherweise lassen sich diese Unterschiede auch mit einem hanseatisch geprägten Kaufmannsdenken in den Ostsee-Anrainerstaaten erklären.

Für Börsianer waren die baltischen Börsen langfristig gesehen ein gutes Pflaster. So kommt der OMX Baltic Benchmark seit Ende 1999 auf ein Plus von rund 540 Prozent. Der DAX schaffte in diesem Zeitraum nur einen Wertzuwachs von rund 53 Prozent. Auch 2015 ist es für die Börsen der Region nicht schlecht gelaufen. Der OMX Vilnius hat sieben Prozent zugelegt, mit dem OMX Tallinn ging es um 19 Prozent nach oben und mit dem OMX Riga sogar um 45 Prozent - dieser Sprung ist mit einem Abfindungsangebot für Ventspils Nafta zu erklären, der die Aktie des Transport- und Lagerungsunternehmen für Ölprodukte mächtig nach oben katapultierte.

Die Wertzuwächse sind auch deshalb respektabel, weil die baltischen Volkswirtschaften stark unter den von der EU gegen Russland verhängten Sanktionen leiden. Dank der EU-Mitgliedschaft hat man es aber geschafft, alternative Absatzmärkte zu erschließen. Den negativen Russland-Einfluss auf die börsennotierten Unternehmen spielt Swedbank-Aktienresearch-Chef Marek Randma ohnehin etwas herunter: "Der Russland-Konflikt hat nur ausgewählte Gesellschaften mit einem direkten Exposure in Russland oder den GUS-Staaten getroffen." Dazu zählen beispielsweise die lettischen Pharmafirmen Olainfarm und Grindeks oder der estnische Unterwäschehersteller Silvano Fashion Group.

Auch wenn das heterogene Baltikum wieder schneller wächst als der EU-Durchschnitt und man gelernt hat, mit dem schwierigen Nachbarn Russland zu leben, hat die Region durchaus Probleme. So lobt Randma zwar die sinkenden Arbeitslosenzahlen, die anziehenden Löhne und die ausbalancierten Staatshaushalte. Doch viel von der jüngsten Konjunkturerholung sei vom Konsum getrieben, während die Investitionen stark zurückgefahren wurden. Ändert sich daran nichts, könnte das eine Bedrohung für die Zukunft bedeuten. Eine der schwersten Bürden stellen außerdem die sinkenden Einwohnerzahlen dar. "Innerhalb der EU ist der Bevölkerungsschwund im Baltikum durch die Arbeitsaufnahmen im Ausland und die niedrigen Geburtenraten mit am größten", klagt Randma. Weil das kein guter Nährboden ist für dauerhaftes Wachstum, gilt es für Politiker, hier den Hebel anzusetzen.

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