Es kommt nicht darauf an, so billig wie möglich zu kaufen, sondern der Zeitpunkt ist entscheidend." Diesen Leitsatz für erfolgreiches Trading formulierte der "König der Spekulanten", Jesse Livermore, bereits 1923. Angesichts des aktuellen Geschehens an den Märkten, das durch Notenbanken, Konjunkturdaten und geopolitische Brandherde geprägt ist, kein einfaches Unterfangen. Denn Euphorie und Skepsis wechseln sich rasch ab. Die Börsenpsychologie aber lehrt, dass Emotionen ein schlechter Ratgeber beim Trading sind. Trotz aller Kursschwankungen gilt es, stets einen kühlen Kopf zu bewahren.

Mit der richtigen Strategie sind in jeder Phase Gewinne möglich. Auch wenn verschiedene Markteffizienz-Hypothesen besagen, dass keine Überrendite aus der Betrachtung historischer Kursdaten erzielt werden kann, lohnt ein Blick auf die Technische Analyse. Zahlreiche empirische Untersuchungen zeigen, dass auf systematische Weise durchaus eine Outperformance erzielt werden kann.

Bestes Beispiel dafür sind die Hedgefonds, die Königsklasse in Sachen Timing. Allerdings lässt sich deren Erfolg nicht einfach kopieren, dahinter stecken meist höchst aufwendige und komplexe Analysen und Strategien. Mit der richtigen Taktik können aber auch Privatanleger die Rendite ihres Depots optimieren. Grundsätzlich sollte die Strategie aber nicht zu kurzfristig angelegt sein, da es sonst umso schwieriger wird, nach Abzug von Transaktionskosten einen tatsächlichen Mehrwert zu erzielen. Außerdem bedingt kurzfristiges Trading einen entsprechend hohen Zeitaufwand für Beobachtung und Analyse. Deutlich besser geeignet sind Strategien auf mittlere Sicht.

Essenziell dabei ist die Vermeidung von Fehlern. "Weiß man, was man nicht tun darf, um Verluste zu vermeiden, fängt man an zu lernen, was man tun muss, um Gewinne zu erzielen", formulierte es Jesse Livermore in seinem Bestseller "Das Spiel der Spiele" treffend. Wird beispielsweise der Stoppkurs erreicht, muss auch verkauft werden. Zudem sollte vor einem Kauf abgewartet werden, ob sich der Trend auch bestätigt. Dies kann die Erfolgschancen deutlich erhöhen und größere Enttäuschungen verhindern.

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Momentumstrategie

Das gilt auch für den in der Tradingszene gern verwendeten "Momentum-Effekt". Das Momentum ist einfach ausgedrückt das Zusammenspiel von Tempo und Kraft einer Bewegung. Mit diesem Konzept wird also nur in Titel investiert, die sich gerade in einer Beschleunigungsphase befinden. Dazu können sich Anleger technischer Hilfsmittel bedienen, allen voran dem Momentum-Indikator. Dieser zeigt an, wann der Kursanstieg einer Aktie Fahrt aufnimmt. Um den Indikator nutzen zu können, müssen Anleger ihn natürlich interpretieren können: Als Signalgeber dient die Nulllinie, um die das Momentum herum oszilliert. Sollte diese nach oben durchschnitten werden, wird ein Kaufsignal generiert. Im umgekehrten Fall, also bei einem Durchbruch von oben nach unten, ergibt sich ein Verkaufssignal. Notiert das Momentum oberhalb der Nulllinie, befindet sich eine Aktie im Aufwärtstrend, darunter stehen die Zeichen auf sinkende Notierungen.

Gerade eben überwunden hat diese Momentum- Schwelle OHB. Im Zuge des Vorstoßes in den 20-Euro-Bereich gab auch der Indikator grünes Licht. Das ist aber längst nicht alles. Die Aktie des Luft- und Raumfahrtkonzerns schaffte zudem den Ausbruch über die 100- und 200-Tage-Durchschnittslinie. Fundamental stehen die Zeichen bei den Bremern ebenfalls auf Wachstum. In den ersten neun Monaten 2014 legte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 27,5 Prozent zu, der Umsatz kletterte um 18 Prozent empor.



Auch Adva Optical Networking präsentiert sich gerade operativ wie auch technisch von seiner besten Seite. Der Small Cap hat wie OHB die wichtige Nulllinie soeben überwunden. Bei 2,90 Euro, dem aktuellen Kursniveau des Titels, verläuft aber der 200-Tage-Durchschnitt, der ein schnelles Weiterkommen vorerst bremst. Das ist allerdings nicht ungewöhnlich, und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis der Gleitende Durchschnitt nicht mehr als Hürde wirkt, sondern eine unterstützende Position einnimmt.



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Trendfolgestrategie

Nahtlos an den Momentum-Effekt knüpft die Trendfolgestrategie an. Zieht ein Aktienkurs nach oben, werden schnell andere Finanzmarktakteure darauf aufmerksam. Folge: Es entsteht ein gewisser Herdentrieb, der sich in der altbekannten Börsenweisheit "The trend is your friend" wiederfindet. Verschiedene historische Untersuchungen haben gezeigt, dass Aktien, die in der Vergangenheit gestiegen sind, dies wahrscheinlich auch in Zukunft weiterhin tun werden.

Eine wichtige Bedeutung in dieser Strategie hat die Relative Stärke. Ende der 60er- Jahre hat der US-Wissenschaftler Robert Levy eine Kennzahl dazu entwickelt, den RSL. Levy zählte von einer bestimmten Anzahl an Aktien jeweils die Schlusskurse eines vorab definierten Zeitraums zusammen und teilte diese anschließend durch die Anzahl der Tage. So hat er als Ergebnis einen Durchschnittskurs erhalten. Dieser wurde dann durch den aktuellen Kurs dividiert. Eine Zahl größer als eins bedeutete ein Kaufsignal: "Diese Aktie hat sich zuletzt überdurchschnittlich entwickelt, wegen des Herdentriebs an den Märkten wird sie das auch weiter tun", lautete Levys Erkenntnis.

Eine weitere bekannte Variante zur Ermittlung der Relativen Stärke entwickelte Welles Wilder Ende der 70er-Jahre. Zwar ist die Berechnung des Relative-Stärke-Index, kurz RSI, aufwendiger, doch verfügen nahezu alle modernen Chartprogramme über dieses Tool. Wichtig ist es, den Indikator richtig zu deuten. Eine Faustformel lautet: Aktien mit einem RSI von über 70 Prozent gelten als überkauft, Werte unter 30 Prozent signalisieren dagegen eine überverkaufte Lage.

Einen guten Dienst leistet bei der Trendfolge auch die 200-Tage-Durchschnittslinie, die zu den am häufigsten in der Chartanalyse genutzten Hilfsmitteln zählt. Einfach ausgedrückt kommt es zu einem Kaufsignal, wenn die Linie von unten nach oben durchbrochen wird. Positiv ist zudem, wenn der Kurs oberhalb des 200-Tage-Durchschnitts notiert und die Richtung der Linie nach oben zeigt.

Der RSI wie auch die 200-Tage-Linie senden bei Fresenius klare Kaufsignale. Hinzu kommen eindeutige Kaufwerte durch den kurzfristigen (30 Tage) und langfristigen (250 Tage) RSL von Levy mit 1,05 und 1,11. Der Bad Homburger Gesundheitskonzern gilt an der Börse zudem als "Fels in der Brandung". In Krisenzeiten suchen Investoren Fresenius gern als vermeintlich sicheren Zufluchtsort auf. Die Produkte und Dienstleistungen des DAX-Konzerns sind nämlich von konjunkturellen Schwankungen vergleichsweise wenig betroffen.



Etwas risikoreicher ist dagegen das Geschäftsmodell von BB Biotech. Denn die Beteiligungsgesellschaft investiert vorwiegend in US-Biotechfirmen - Forschungsrückschl.ge auf der Suche nach gewinnbringenden Medikamenten hinterlassen meist auch große Bremsspuren im Kursbild. Doch derzeit läuft alles rund. Zahlreiche Übernahmen, Forschungserfolge sowie die Ebola-Krise lassen Anleger verstärkt auf US-Biotechs setzen. Von den gestiegenen Kursen der Beteiligungen profitiert auch der Net Asset Value von BB Biotech: Der innere Wert der Beteiligungen liegt aktuell bei rund 236 Euro und damit um mehr als 30 Prozent oberhalb der Notierung des TecDAX-Titels.



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Turnaroundstrategie

Jenseits der technischen Analyse sind ebenfalls interessante Tradingstrategien zu finden. Eine davon ist die Turnaroundspekulation. "Bei keiner Aktie kann man solche Gewinne machen wie bei den Aktien von Unternehmen, die vor einer Umkehrsituation stehen", lautete eine Weisheit von Börsenlegende André Kostolany. Der Grund dafür ist relativ einfach: Firmen, die in einer Krise stecken, sind in der Regel äußerst günstig bewertet. Allerdings dürfen sich Anleger von der bloßen Bewertung nicht blenden lassen. Chance und Risiko liegen bei einer Turnaroundstrategie immer sehr dicht beieinander. Scheitert die Neubelebung, droht dem Unternehmen schlimmstenfalls die Pleite sowie der Kursabsturz. Daher sollten sich Anleger mit Vorsicht und viel Fingerspitzengefühl diesen Titeln nähern. Nur wenn die Situation richtig eingeschätzt wird, lassen sich überdurchschnittliche Gewinne erzielen.



Turnaroundkandidaten finden sich an den Börsen einige. Gute Chancen auf ein Comeback räumen wir beispielsweise Heidelberger Druck ein. Mit Sparprogrammen und der Veräußerung von verlustbringenden Geschäftseinheiten möchte sich der Konzern wieder auf profitablen Kurs bringen. Der Computerzubehör-Hersteller Logitech ist bereits einen Schritt weiter. Ebenfalls mit einem Konzernumbau stellten die Schweizer die Weichen wieder Richtung Gewinne. Seitdem der Fokus des Unternehmens auf dem mobilen Bereich liegt, geht es mit den Erträgen spürbar aufwärts. Im abgelaufenen dritten Quartal erzielte die Firma mit einer Bruttomarge von 38,8 Prozent den bisher höchsten Wert. Dies lässt auch auf ein gutes Abschneiden beim anstehenden Weihnachtsgeschäft hoffen.



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Tradingstrategien der besonderen Art

Mit ausgeklügelten Strategien versuchen Börsianer seit jeher den Markt zu schlagen. Das wissen auch die Banken und versuchen diesem Wunsch mit Strategiezertifikaten gerecht zu werden. Dazu greifen die Emittenten gern auf quantitative Methoden zurück, wie es die UBS vormacht. Die Schweizer haben mit dem UBS RADA Strategie-Index ein eigenes Momentumkonzept entwickelt, welches zwischen Long, Short und neutralen Positionen unterscheidet. Die regelbasierte Marktpositionierung erfolgt auf Basis des UBS DERI-Indikators, der eine Fülle von Daten wie Volatilität, Swap Spreads oder auch Währungsschwankungen in die Berechnung mit einbezieht. Dass das Konzept der Eidgenossen funktioniert, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Das Strategiebarometer weist seit Emission im Jahr 2007 kein einziges negatives Jahr auf, der DAX schloss dagegen in zwei Jahren im Minus ab.

Auch die Saisonalität kommt als Anlagestrategie infrage. Das Best-Seasons-Zertifikat der RBS nimmt nur an der DAX-Entwicklung in den Monaten November bis Juli teil, in den traditionell schwachen Börsenmonaten bleiben Inhaber des Zertifikats außen vor. Laut Statistik ist der September mit einem durchschnittlichen Minus von 1,9 Prozent seit 1959 der schlechteste Monat. Dagegen sind November, Dezember und März mit einem Plus von jeweils mehr als einem Prozent die besten Zeitperioden. Anders als bei der UBS fallen bei dem Saison-Strategiepapier keine Managementgebühren an.