Globale Megatrends möglichst früh erkennen und in die am besten positionierten Unternehmen investieren - theoretisch sollte jeder Anleger mit diesem Ansatz fette Gewinne erzielen. Doch eine Erfolgsgarantie gibt es natürlich nicht. Diese bittere Erfahrung mussten in den vergangenen Monaten auch die Aktionäre von Elmos Semiconductor machen.

Eigentlich ist die Hightech-Schmiede aus Dortmund bestens aufgestellt, der Kurs sollte kontinuierlich steigen. Bis Frühjahr 2015 lief auch alles rund, die Aktie war mit 20 Euro so teuer wie seit Ende 2001 nicht mehr. Doch dann kippte die Stimmung, der Wert sackte um 50 Prozent ab. Elmos wurde ein Opfer seines Erfolgs und verfehlte die hohen Erwartungen des Marktes. Eine bittere Bilanz für Anleger, die kurz zuvor eingestiegen sind. Für Neueinsteiger bietet die Aktie auf dem ermäßigten Niveau aber eine verlockende Gelegenheit.

Keine Frage, die kürzlich kommunizierten Prognosen sind zunächst ein herber Dämpfer. Für 2016 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von zwei bis sechs Prozent. Die Ebit-Marge soll zwar zweistellig ausfallen, allerdings liegt das Zielniveau von "rund 10 Prozent" unter dem 2015er-Wert von 11,2 Prozent. Analysten haben ihre Erwartungen in den vergangenen Monaten nach unten genommen, die Messlatte liegt nun tiefer. Allerdings ist auch der Börsenwert kräftig gesunken und lässt Schnäppchenjäger aktiv werden. Börse Online rechnet ähnlich wie der Konsens im laufenden Jahr mit einem Ergebnis je Aktie von 0,81 Euro, im kommenden Jahr sollten 0,96 Euro hängen bleiben. Dies führt zu einem 2017er-KGV von zwölf und liegt somit deutlich unter dem Durchschnitt des TecDAX. Zudem gibt es die Papiere derzeit nur knapp über dem Buchwert.

Viel Cash bietet Fantasie



Erwähnenswert ist besonders die solide Ausstattung mit Kapitalreserven. Ende 2015 lagen die Nettobarmittel bei knapp 54 Mio. Euro oder 2,70 Euro je Aktie, was ungefähr 23 Prozent der Marktkapitalisierung entspricht. Abgerundet wird das fundamentale Paket durch die Dividende von 0,33 Euro je Aktie. Klingt wenig, ist aber viel, denn die Verzinsung von 2,8 Prozent liegt ebenfalls deutlich über dem TecDAX-Niveau von 1,7 Prozent. Hier ist durchaus Spielraum nach oben, wie auch auf der letzten Roadshow deutlich wurde. Angesichts des Kapitalpolsters und der hohen künftigen Cashflow-Generierung scheint das Management durchaus offen für eine Ausschüttung der überschüssigen Liquidität, bemerkt Warburg-Analyst Malte Schaumann. Übernahmen bleiben zwar auf der Agenda, werden aber wohl kaum über einen niedrigen zweistelligen Millionen-Betrag hinausgehen. Aktienrückkäufe oder eine Sonderdividende sind daher nicht ausgeschlossen.

Kurzfristig sind natürlich keine Wunder zu erwarten, mittelfristig hat die Aktie aber durchaus Luft von rund 30 Prozent. Warburg sieht den Spezialwert sogar im Bereich des Vorjahreshochs bei 21,30 Euro fair bewertet.

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Ohne Chips geht nichts mehr



Fahrerassistenzsysteme, autonomes Fahren, Lösungen zur aktiven und passiven Sicherheit, weniger Emissionen, Elektromobilität, Effizienzverbesserungen und die Verbindung der Systeme untereinander - ein Ende der Elektrifizierung von Fahrzeugen zeichnet sich noch lange nicht ab. Nahezu jeder dürfte bereits auf das Know how von Elmos vertraut haben: Die "Beep, beep, beep"-Geräusche der Ultraschall-Einparkhilfe sind ebenso aus Fahrzeugen nicht mehr wegzudenken wie die automatische Abstandsmessung. Gestenerkennung ist schon Bestandteil in Millionen von Autos, Tendenz steigend. Elmos liefert zudem die Halbleiter für die exakte Zündung der Airbags und die Bausteine zur Ansteuerung der LED-Scheinwerfer. Um den Anforderungen gerecht zu werden, ist nicht nur ein enormes Fachwissen notwendig, sondern auch eine Null-Fehler-Toleranz. Dies führt zu hohen Markteintrittsbarrieren.

Mixed-Signal-Halbleiter sind eine der Kernkompetenzen von Elmos und stellen die Intelligenz in einem elektronischen System dar. Die Bausteine werten Sensordaten aus und wandeln analoge Daten in digitale Werte um, nur so ist eine exakte Analyse und Auswertung möglich. Entsprechend groß ist das Anwendungsspektrum: Mit Hilfe der Mixed-Signal-Chips kann die Drehrate, die Beschleunigung, der Neigungswinkel, der Druck oder auch das Licht ausgewertet werden. Dabei erstreckt sich das Einsatzspektrum nicht nur auf die Automobilbranche. Neue Impulse bieten die Industrie 4.0 und die Hausautomatisierung sowie vielfältige Konsumgüteranwendungen.

Als einer der Gewinner der zunehmenden Elektromobilität stellt die Bewertung der Aktie derzeit eine verlockende Einstiegsgelegenheit dar. Aktuell reflektiert der Kurs ein Nullwachstum und weiter sinkende Margen. Die Skepsis ist aber nicht angebracht, die Wachstumsstory trotz des langsamen Starts in das Jahr weiterhin intakt. "2015 haben wir wesentliche strukturelle Verbesserungen erreicht. Der Produktmix ist breiter aufgestellt und die Definition von Neuprojekten gezielter", sagte vor wenigen Tagen Vorstandschef Anton Mindl.

Vor diesem Hintergrund ist die Aktie daher gerade für mittelfristig ausgerichtete Anleger eine interessante Beimischung. In der Analysten-Telefonkonferenz betonte das Management das Ebit-Margenziel von 15 Prozent bei einer höheren Umsatzbasis und einem höheren Outsourcing-Anteil. Ab 2017 dürfte sich dies auch spürbar in der Bilanz auswirken. Der Kurs dürfte schon früher deutlich anspringen.

Franz-Georg Wenner ist Chefredakteur des börsentäglichen Anlegermagazins "Index-Radar". Der Spezialist für Technische Analyse ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen (DAF), Gastautor bei n-tv und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare, referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD) und betreute mehrere Jahre für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. www.index-radar.de