KURSSPRUNG

Epigenomics-Aktie nach Übernahme-Angebot plus 40 Prozent: Und jetzt?

Epigenomics-Aktie nach Übernahme-Angebot plus 40 Prozent: Und jetzt?

WKN: A1K051 ISIN: DE000A1K0516 Epigenomics AG

27.04.2017 07:45:00

Ein Kaufangebot von 7,52 Euro je Aktie hat den Kurs von Epigenomics in die Höhe getrieben. Das Beteiligungsunternehmen Cathay Fortune International Company ist damit bereit fast 50 Prozent mehr für den Diagnostik-Spezialisten zu zahlen, als dieser zuletzt an der Börse Wert war. Was Anleger jetzt tun sollten. Von Peer Leugermann

Unter Branchenkennern galt Epigenomics schon länger als Übernahmekandidat. In einem Interview mit unserem Print-Magazin BÖRSE ONLINE hatte Firmenchef Gergory Hamilton bereits vergangenen September gesagt: "Wenn Sie auf unsere Aktionärsstruktur mit über 90 Prozent Streubesitz schauen, ist eine Übernahme jederzeit möglich." Nun hat sich die Prophezeiung des Amerikaners erfüllt. CFIC bietet 7,52 Euro je Aktie für den Anbieter des blutbasierten Darmkrebstest Epi proColon. Das Beteiligungsunternehmen war bereits im November vergangenen Jahres mit 2,1 Prozent bei den Berlinern eingestiegen.



Das Angebot taxiert den Unternehmenswert des Diagnostik-Spezialisten auf 171 Millionen Euro. Gemessen am Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate bieten die Chinesen damit einen Aufpreis von rund 50 Prozent. Nach Bekanntgabe der Nachricht zog die Aktie unmittelbar auf sieben Euro an - ein Kurssprung von gut 40 Prozent. Hamiltion empfiehlt das Angebot anzunehmen.


Auf den ersten Blick aber scheint CFIC ein ungeheures Schnäppchen machen zu wollen. Allein in den USA nehmen 20 Millionen Menschen nicht an Vorsorgeuntersuchungen zu Darmkrebs teil. Ein wesentlicher Grund: bisherige Tests sind Stuhlbasiert. Bei Epigenomics reicht eine Blutprobe. Anders als bei den bisherigen Verfahren liegt die Annahmequote hier bei 99 Prozent und Epi proColon wurde 2016 nach langer Vorarbeit endlich in den USA zugelassen.

Angenommen die 20 Millionen Amerikaner nutzen den Berliner Test, ergibt das bei dem bisher von den Behörden angedachten Erstattungspreis ein Marktvolumen von 1,6 Milliarden Dollar. Epigenomics betrachtet die Vergütung jedoch als deutlich zu gering und hat beantragt den Preis auf 160 Dollar zu erhöhen. Dann würde sich die Marktgröße sogar auf 3,2 Milliarden Dollar verdoppeln.

Allerdings ist es bis zu solchen Absätzen noch ein langer Weg und Umsatz ist nicht gleich Gewinn. Noch wird der Test nicht von den Gesundheitssystemen wie Medicare übernommen, das Präparat muss weiter an Bekanntheit gewinnen, zusätzliche Studien sind nötig und der Vertrieb muss ausgebaut werden. Was für einen Bremsklotz diese Hürden für die Einnahmeentwicklung darstellen, zeigt die Umsatzprognose für 2017. Diese beruht maßgeblich auf dem Verkaufserfolg des Darmkrebstest.

"Unser Umsatz wird daher vom zeitlichen Eintreten der Aufnahme in die Richtlinien medizinischer Fachgesellschaften sowie der Gewährung der Kostenerstattung durch Medicare beeinflusst sein.", so die Berliner. Aufgrund dieser Unsicherheit geht Epigenomics bisher nur von Umsätzen auf Vorjahresniveau in Höhe von 4,2 Millionen Euro aus. Allerdings halten sich der Berliner eine Prognoseerhöhung im weiteren Jahresverlauf offen, sollte es Fortschritte in Sachen Kostenerstattung geben.

Auch in diesem Jahr geht das Unternehmen daher von einem Verlust aus. Das operative Minus soll dabei mit minus 12 bis 13,5 Millionen Euro sogar leicht höher ausfallen als im Vorjahr. Zwar haben die Testentwickler genug Geld in der Kasse um die weiteren Geschäfte zu finanzieren, doch Firmenchef Gregory Hamilton hält sich die Möglichkeit weitere Finanzmittel einzuwerben in seinem Ausblick offen.

Auf Seite zwei: Einschätzung der Redaktion

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Bildquelle: Epigenomics AG

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