Mit einer Verkaufsempfehlung schicken die Experten des Bankhaus Lampe die Aktie des deutsch-britischen Chipherstellers Dialog Semiconductor auf Talfahrt. Die Analysten schrieben in einer Kurzstudie, es gebe deutliche Hinweise, dass Dialogs Hauptkunde Apple einen eigenen Smartphone-Chip entwickle und zumindest teilweise auf Dialog-Produkte verzichten könne. Lampe zufolge macht Dialog mehr als 70 Prozent seiner Umsätze mit Apple. Sie stuften die Aktien auf "sell" von "hold" zurück. Das Kursziel beließen sie bei 42 Euro.

Begründet wird die Zurückstufung damit, dass Apple seit geraumer Zeit vermehrt mehr Entwickler für Smartphone-Chips einstelle und es Anzeichen dafür gebe, dass der Konzern eigene Chip-Zentren in München und Kalifornien aufbaue. In der Branche sei zu hören, dass es Pläne gebe, die eigenen Produkte frühestens ab 2019 in die iPhones einzubauen. "Wir glauben, Dialog blickt einer sehr unsicheren Zukunft entgegen", erklärte Lampe-Analyst Karsten Iltgen. Dialog wollte sich zu dem Research-Bericht zunächst nicht äußern. Dialog ist Spezialist für Halbleiter mit hoher Energieeffizienz, die vor allem in mobilen Geräten Verwendung finden. "Der Anteil unserer Chips an der Wertschöpfung in den Geräten der Kunden legt weiter zu", sagte Chef Jalal Bagherli bei der Präsentation der jüngsten Zahlen. Bei Apple sind sie in allen iPhones, iPads sowie Apple-Uhren verbaut. Bei Halbleitern für Schnellladegeräte beansprucht das Unternehmen nach eigenen Angaben als Primus 70 Prozent des Markts.

Auch die Titel von Dialog-Konkurrenten gerieten in den Abwärtsstrudel: AMS brachen um 6,2 Prozent ein, Besi verloren 1,7 Prozent. Anfang April schockte der Dialog-Rivale Imagination Technologies die Anleger mit der Nachricht, dass Apple auf den Einsatz von Produkten der Firma verzichten wolle. Stattdessen sollten eigene Grafikchips entwickelt werden. Die Imagination-Aktien waren daraufhin um mehr als 70 Prozent eingebrochen.

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Einschätzung der Redaktion



Die Geschäfte des Spezialisten für Halbleiter mit hoher Energieeffizienz, die vor allem in mobilen Geräten Verwendung finden, haben sich zuletzt mit denen des Stammkunden Apple erholt. Die Aktie stieg seit Mitte 2016 stark an und erreichte erst diesen März wieder seine alten Topnotierungen von über 50 Euro. Der veröffentlichte Ausblick für die Umsatzspanne im laufenden Quartal, 255 bis 285 Millionen Dollar, entspricht im Mittel einem Wachstum von zwölf Prozent zum Vorjahr. Noch scheinen die Unternehmensaussichten also zu stimmen.

Angesichts der hohen Abhängigkeit von nur einem Kunden, reagiert die Börse geschockt auf die Aussicht, dass Dialog Apple-Aufträge verlieren könnte. Wie aus der Studie hervorgeht, dürfte dies aber nicht vor 2019 der Fall sein. Hinzu kommt, dass Dialog Semiconductor bei der Vorlage der jüngsten Zahlen bestätigte, weitere Design-Wins bei Apple verzeichnet zu haben. Zusätzlich kosten die Bauteile die Dialog zuliefert lediglich 3,50 Dollar, damit gibt es in den Appleprodukten weit teurere Teile deren Austausch lohnen würde.

Mit dem Kurssturz wurde unsere Stoppmarke von 39 Euro unterschritten. Die Aktie müssen wir daher zunächst auf Halten herabstufen. Mittlerweile erholt sich der Kurs wieder. Je nachdem, wie Dialog auf die Studie reagiert - bisher gibt es zu der Lampe-Analyse keine Stellungnahme - könnte sich für kurzfristige Trader eine gute Einstiegschance bieten. Ohne Einschätzung des Unternehmens, wie groß die Gefahr ist von Apple ersetzt zu werden, ist eine erneute Kaufempfehlung aber zu früh.