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Mr. Dax Dirk Müller: Das Börsenjahr 2016 wird ein Ritt auf der Rasierklinge

Mr. Dax Dirk Müller: Das Börsenjahr 2016 wird ein Ritt auf der Rasierklinge

WKN: 872629 ISIN: US5356781063 Linear Technology Corp.

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09.12.2016 - 19:00
22.01.2016 07:33:00

Banken liegen mit ihren Jahresprognosen meistens völlig daneben. Sinnvoller ist es, mögliche Szenarien durchzuspielen. Von Dirk Müller

von Dirk Müller, www.cashkurs.com

Kurz vor Weihnachten häufen sich die Jahresprognosen der Banken und der Börsenanalysten. Ich selbst beantworte die immer gleiche Frage, wo wohl der DAX am Ende des neuen Jahres stehen wird, stets mit dem Satz : "Keine Ahnung! Ich weiß ja noch nicht einmal sicher, wo das Miststück am Ende der kommenden Woche stehen wird!" Und jeder, der etwas anderes behauptet, ist ein Scharlatan.

Die Weltfinanzmärkte sind ein derart komplexes Gebilde, dass eine zuverlässige Prognose völlig unmöglich ist. Man kann ja gern spaßeshalber eine launige Prognose wagen und eine Flasche Sekt "rausmachen", aber bei der Altersvorsorge sollte man nicht auf diese Prognosen der Banken setzen. In aller Regel liegen sie im Rückblick meilenweit daneben. Der Chefvolkswirt eines großen Bankhauses sagte einmal: "Wir wollten das genau deshalb schon lange einstellen, aber die anderen nennen immer eine Prognose, und wenn wir es nicht machen, heißt es, wir hätten keine Ahnung!" Seriöserweise sollten Banken diese Jahresprognosen bleiben lassen, sie schaden mehr, als sie nutzen. Viel sinnvoller ist es, in möglichen Szenarien zu denken und diese gegeneinander abzuwägen.

Welche Szenarien können wir 2016 realistischerweise erwarten? Einer der großen Fehler bei der Zukunftsplanung ist die lineare Fortschreibung der aktuellen Entwicklung. Sollten die Dinge sich linear zur aktuellen Situation weiterentwickeln, steuerten wir auf ein ausgesprochen sorgenvolles Börsenjahr 2016 zu, welches wir - um ein etwas schöneres Ende des Artikels zu erhalten - an den Anfang unserer Überlegungen stellen. Die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft geht weiter, und es wird in weiterhin steigendem Tempo Kapital aus China abgezogen. Allein im November 2015 sanken die Währungsreserven um 87 Milliarden US-Dollar auf jetzt 3,44 Billionen Dollar. Steigende US-Zinsen beschleunigen den Trend. Es mehren sich wirtschaftliche Schwierigkeiten, platzende Fehlinvestitionen in China sorgen dort für Pleiten in Industrie, Immobilienwirtschaft und Schattenbankensystem.

Eine Kreditklemme - beginnend bei den Firmen, die keinen direkten Zugang zu Zentralbankgeld haben - sorgt für massive Abverkäufe sämtlicher Assetklassen, wie wir es bereits 2008 erlebt haben, als eine Vertrauenskrise zur Kreditklemme und folglich zur wirtschaftlichen Schnappatmung nach Cash geführt hat. Wer Cash braucht, verkauft sein Tafelsilber. Die aufgrund des extrem niedrigen Ölpreises bereits jetzt nach Cash gierenden Ölstaaten - Saudi-Arabien etwa benötigt einen Ölpreis von rund 100 Dollar je Barrel für einen ausgeglichenen Haushalt - verschärfen mit ihren Verkäufen die Entwicklung. Ein weltweiter Crash der meisten Anlageklassen wäre die Folge.

Ein chinesischer Analyst sagte: "China ist die größte Blase der Weltwirtschaftsgeschichte. Steigende US-Zinsen werden sie zum Platzen bringen." Ich habe dieses Szenario bereits im Oktober an dieser Stelle im "Geysir-Szenario" beschrieben. Wer von diesem Szenario - dessen einzelne Facetten sich jeder selbst ausmalen darf - ausgeht, ist mit hohen Tagesgeldquoten in den nächsten Monaten gut beraten.

Auf Seite 2: Was, wenn sich China erholt?



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