Das Wachstum der größten Firmen der Startup-Schmiede Rocket Internet hat sich deutlich abgeschwächt. Im ersten Quartal sei der Umsatz um durchschnittlich 34 Prozent auf 532 Millionen Euro geklettert, teilte das Berliner Unternehmen am Dienstag mit. Darin sei das Ergebnis des asiatischen Amazon-Klons Lazada nicht mehr enthalten, dessen Anteil an Alibaba verkauft wurde. Inklusive Lazada war Rocket mit seinen größten Beteiligungen im Vorjahreszeitraum noch auf ein Umsatzplus von 217 Prozent gekommen. Bei Anlegern kam die Entwicklung nicht gut an: Die im schwach regulierten Entry Standard notierte Aktie brach um mehr als fünf Prozent auf rund 21 Euro ein. Das Papier war damit weniger als die Hälfte des Ausgabepreises beim Börsengang 2014 wert.

Firmenchef Oliver Samwer hat sich zum Ziel gesetzt, im laufenden Jahr die Fehlbeträge der Startups einzudämmen. Vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verringerten sich der Verlust bei den größten Beteiligungen im ersten Quartal um 23 Prozent auf 140 Millionen Euro. "Wir halten an unserem Ziel fest, bis Ende 2017 drei Startups profitabel zu machen", sagte Samwer. Bisher schreiben alle Startups wie der Kochbox-Anbieter HelloFresh, die Möbelhändler Westwing und Home24 sowie die in der Global Fashion Group gebündelten sechs Modehändler Verluste. Auch bei einem Börsengang einer der Beteiligungen, der für frisches Kapital sorgen würde, müssen sich Investoren und Anleger gedulden. In diesem Jahr sei ein Gang aufs Parkett unwahrscheinlich, sagte Samwer.

Im vergangenen Jahr hatte die überraschende Absage des Börsendebüts von HelloFresh für viele Schlagzeilen gesorgt. Auch diesmal stach der Berliner Kochboxanbieter - das bisher größte Investment von Rocket - bei den Quartalszahlen hervor: Während sich der Umsatz im ersten Quartal auf rund 141 Millionen Euro verdreifachte, vervierfachte sich der Verlust (Ebitda) auf etwa 27 Millionen Euro. Trotzdem rechnet Samwer nicht damit, dass HelloFresh frisches Kapital benötigt, um profitabel zu werden.

FIRMENWERT SCHRUMPFT DEUTLICH



Investoren sind seit längerem verunsichert, ob die Firma letztlich mit ihrem Geschäftsmodell - dem Gründen und Verkaufen von Startups - Geld verdienen kann. Zuletzt sorgte Rocket Internet für Aufsehen, weil das Unternehmen seine sechs Modehändler von gut drei Milliarden auf eine Milliarde Euro abwertete. Dies wie auch der Lazada-Verkauf führten nun zu einer Verringerung des von Rocket berechneten Firmenwerts auf 5,3 Milliarden Euro zu Ende April von noch knapp sechs Milliarden Euro im März.

Analyst Neil Campling vom Wertpapierhändler Northern Trust Securities bemängelte die mangelnde Transparenz der Startup-Schmiede. Die veröffentlichten Zahlen seien "sehr selektiv". So enthielten sie nur wenige Informationen zum Essenslieferdienst Delivery Hero, der mit fast drei Milliarden Euro bewertet wird und an dem Rocket mit fast 38 Prozent beteiligt ist. Ob Delivery Hero seine Verluste verringern konnte, ist unklar.

Bei Home24 und Westwing führte die strengere Kostenkontrolle mit geringeren Marketingausgaben dazu, dass die Umsätze zum Jahresstart nur noch im einstelligen Prozentbereich zulegten. "Im Vergleich zum Marktstart geht das Wachstum irgendwann immer zurück", sagte Rocket-Chef Samwer. Campling sah dies skeptischer: Sobald Rocket die Zügel bei den Kosten anziehe, schwinde das Wachstum, was darauf hindeute, dass die Geschäftsmodelle kaum einzigartig und ihre Expansionsmöglichkeiten begrenzt seien.

Kenias Onlinehändler Jumia und das lateinamerikanische Pendant Linio nahmen im ersten Quartal sogar weniger ein, was Rockets Finanzchef Peter Kimpel unter anderem mit Wechselkurseffekten begründete. "Bei Linio werden nun mehrere Optionen geprüft, darunter auch ein Ausstieg aus dem Unternehmen", sagte Samwer.

Reuters