Die Südzucker-Zahlen zum zweiten Quartal sehen eigentlich nicht schlecht aus: Der Umsatz des Zuckerkonzerns wuchs im zweiten Quartal um rund sieben Prozent auf 1,71 Milliarden Euro, das operative Ergebnis stieg um fast 30 Prozent auf 128 Millionen Euro. Mehr Umsatz machte vor allem das Kerngeschäft Zucker, das operative Ergebnis legte hier mehr als 160 Prozent zu. Das Segment Crop Energies verzeichnete mit 214 Millionen Euro 30 Prozent mehr Erlös. Die Südzucker-Tochter Crop Energies produziert Bioethanol, das als Kraftstoff genutzt wird.

Anleger zeigten sich aber enttäuscht und schickten den Kurs der Südzucker-Aktie am Donnerstag steil nach unten. Zum Handelsbeginn verloren die Papiere des MDax-Konzerns rund fünf Prozent.

Zum Einen hatten Experten hatten mit besseren Zahlen gerechnet. Der eigentliche Grund ist laut Marc Gabriel, Analyst beim Bankhaus Lampe aber der Ausblick auf die künftige Preisentwicklung am Zuckermarkt: "Das zweite Halbjahr und auch die Zeit darüber hinaus wird von einem niedrigen Zuckerpreis geprägt sein."

Einerseits sei der Preis für den Rohstoff auf dem Weltmarkt in den letzten zwölf Monaten um knapp 40 Prozent gefallen. Zudem endete zum 1. Oktober die EU-Zuckerquotenregelung. Damit fielen unter anderem festgelegte Produktionsquoten bei Zucker und Einschränkungen beim Export weg. Jetzt erwarten Beobachter, dass in dem nun liberalisierten Markt die Produktionsmenge von Zucker steigt. Der höhere Wettbewerb würde wiederum auf den Preis drücken. "Deshalb rechnet man auch in Europa jetzt mit rückläufigen Preisen", sagt der Lampe-Analyst. Es werde ein bis zwei Jahre dauern, bis der Markt sich wieder eingependelt habe.

Dass nach dem Wegfall der Quotenregelung jetzt mehr Zucker in der EU produziert werden wird, hat aber auch Vorteile: Die höheren Produktionsmenge ermöglicht Exporte ins Ausland. Auch Südzucker will die Liberalisierung nutzen: Der Konzern erhöhte die Anbaufläche dieses Jahr um 15 Prozent. Außerdem wollen die Mannheimer die neuen Exportmöglichkeiten nutzen und mehr Zucker auf den Weltmarkt verkaufen. Dazu kommt: Durch viel Regen und einen warmen Sommer soll die Ernte der Rüben besser ausfallen als im Vorjahr - das senkt auch die Kosten bei der Zuckerproduktion.

Zudem hat der Konzern neben Zucker auch andere Geschäftsbereiche und stellt etwa Fruchtzubereitungen und Inhaltsstoffe für Lebensmittel her. Die Zuckerproduktion machte im Geschäftsjahr 2016/2017 zwar knapp 43 Prozent vom Umsatz aus. "Zucker bleibt auch der größte Ergebnistreiber. Die Stabilität des Geschäfts kommt aber aus den anderen Bereichen", sagt Gabriel.

Das operative Ergebnis soll im dritten Quartal deutlich niedriger als im Vorjahr liegen. Den Ausblick für das Geschäftsjahr 2017/2018 ließ der Zuckerkonzern aber unverändert: Der Umsatz soll im einstelligen Prozentbereich auf 6,7 bis sieben Milliarden Euro wachsen. Das Ergebnis soll weiter zwischen 425 und 500 Millionen Euro liegen, nach im Vorjahr 426 Millionen Euro.

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Einschätzung der Redaktion



Südzucker weitet die Produktion aus und will auch die neuen Exportmöglichkeiten durch den Wegfall der EU-Quotenregelung nutzen. Zudem bleiben Importbeschränkungen für Zucker in die Europäische Union bestehen. Für die kommenden Jahre rechnen Experten mit steigenden Gewinnen bei dem Mannheimer Zuckerkonzern.

Charttechnisch ist die Aktie durch den jüngsten Kursrutsch allerdings stark angeschlagen. Nachdem die Aktie im Oktober 2016 und zu Jahresbeginn zwei Mal am massiven Widerstand um 25 Euro scheiterte, setzte eine Konsolidierung ein. Diese Korrekturbewegung entwickelte sich zu einem Abwärtstrend, der kontinuierlich in diesem Jahr mit neuen Verlaufstiefs bestätigt wurde. Mit den frischen Kursrücksetzern misslang nun auch der Versuch, im Bereich um 18 Euro einen Boden auszubilden. Mittelfristig könnte ein weiterer Rückgang bis zu den nächsten Unterstützungen um 16 und 15 Euro noch folgen. Der aus Januar 2015 stammende und mittlerweile gebrochene Aufwärtstrend wäre zurückerobert, sofern der Kurs sich wieder nachhaltig über die Region um 19,50 Euro zurückkämpft. ks

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