Beide Seiten seien sich schon weitgehend einig, wie das fusionierte Unternehmen aussehen solle, hätten sich aber noch nicht auf finanzielle Details verständigt, hieß es unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen. Sollte sich dies bestätigen, würde die Telekom vermutlich einen ordentlichen Preis für ihre Tochter erzielen. Denn diese hat sich in den vergangenen Quartalen von einem Sanierungsfall zur Wachstumslokomotive der Telekom gewandelt.

Die Anteilsscheine von T-Mobile sprangen am Donnerstag im vorbörslichen US-Handel um 13 Prozent in die Höhe. In Frankfurt zogen Telekom-Aktien um 1,5 Prozent an. Das Bonner Unternehmen wollte sich nicht zu dem Zeitungsbericht äußern. Eine Person aus dem Umfeld des Vorstandes sagte lediglich, die Telekom suche in den USA nach einer neuen Perspektive.

Experten favorisieren schon länger einen Schulterschluss zwischen T-Mobile US und Dish. Der Satelliten-TV-Anbieter hat nie einen Hehl aus Plänen für einen Einstieg in den Mobilfunk-Bereich gemacht. Eine Verbindung mit Sprint scheiterte allerdings. Dish hat zahlreiche Funkfrequenzen, die für Handynetze unverzichtbar sind. Diese benötigt T-Mobile - mit 55 Millionen Kunden die Nummer vier in den USA - wegen seines zuletzt rasanten Kundenwachstums dringend. Zwar könnte sich der von John Legere geführte Konzern nächstes Jahr auf einer Auktion mit neuem Spektrum eindecken, doch dürfte das Wettbieten extrem teuer werden. Mit Dish stünde die Telekom-Tochter deutlich weniger unter Druck.

Es ist bislang unklar, was Dish mit seinen ungenutzten Frequenzen vorhat. Weil im Bezahl-Fernsehen die Kundenzahl zurückgeht, forciert der Konzern das TV-Streaming. Ein Partner würde vermutlich auch Dish helfen. Legere hatte im Februar ein etwaiges Zusammengehen als vorteilhaft bezeichnet: "Dish und wir - das macht Sinn." Die Programme von Dish könnten so bald auch auf Handys zu sehen sein.

Dish steht auch unter Druck, weil sich der größere Rivale DirecTV in einem knapp 50 Milliarden Dollar schweren Deal mit dem amerikanischen Mobilfunk-Primus AT&T verbündet. Beide Firmen setzen auf ein Zusammenwachsen von Fernsehen und Mobilfunk. Denn immer mehr Menschen schauen von unterwegs ihre Lieblingssendungen.

AUF AUGENHÖHE



T-Mobile US, an der die Telekom mit rund 66 Prozent beteiligt ist, kommt auf einen Börsenwert von 31 Milliarden Dollar, Dish auf 33 Milliarden. Laut "Wall Street Journal" würde Legere den Chefposten nach einem Zusammenschluss übernehmen, der jetzige Dish-Chef Charlie Ergen Verwaltungsratsvorsitzender werden. Ergen hatte sich zuletzt "beeindruckt" vom T-Mobile-Erfolg geäußert.

T-Mobile US kämpfte lange mit einem löchrigen Funknetz. Mit dem unkonventionellen Legere an der Spitze - bekannt für seine langen schwarzen Haare und lockere Sprüche - ist der Erfolg jedoch zurück. Er führte neue Tarife ein und baute das Netz aus. Die Telekom-Tochter lockte im ersten Quartal 1,1 Millionen neue Vertragskunden an, während die größeren Wettbewerber AT&T, Verizon und Sprint zusammen 600.000 Abonnenten verloren. Der Umsatz steigt deutlich, allerdings gehen die hohen Investitionen und Werbekosten zulasten der Gewinnmarge.

Telekom-Chef Tim Höttges hatte auch deswegen zuletzt bekräftigt, offen für eine Fusion in den USA zu sein. Es sei die Pflicht des Vorstands, die Rendite von T-Mobile US weiter zu steigern. "Wenn wir einen Partner finden, der uns dabei hilft, werden wir dies selbstverständlich prüfen." Allerdings kam bislang kein Deal zustande. Sprint zog nach Widerstand der Kartellbehörden eine Offerte für T-Mobile US zurück. Und auch der französische Billig-Anbieter Iliad ruderte zurück.