Dax und EuroStoxx50 notierten am frühen Nachmittag jeweils kaum verändert bei 14.647 beziehungsweise 3835 Punkten. An der Wall Street bröckelte der US-Standardwerteindex Dow Jones zur Eröffnung um 0,3 Prozent ab.

Die Absetzung von Notenbankchef Naci Agbal durch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan brockte der türkischen Lira den größten Kurssturz seit fast 20 Jahren ein. Im Gegenzug werteten Dollar und Euro zeitweise jeweils mehr als zehn Prozent auf 8,1745 beziehungsweise 9,5407 Lira auf. Erdogan habe die ohnehin schon angeschlagene Glaubwürdigkeit der türkischen Notenbank weiter beschädigt, kritisierten die Analysten der Bank SEB. Nach dem aktuellen Kurssturz der Lira würden Kapitalkontrollen immer wahrscheinlicher.

Auch bei türkischen Staatsanleihen waren Panikverkäufe zu beobachten. Sie trieben die Rendite der zehnjährigen türkischen Bonds um fast sieben Prozentpunkte auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 20 Prozent. Das ist der stärkste Anstieg ihrer Geschichte. Der Istanbuler Aktienindex stand mit einem Minus von fast zehn Prozent vor seinem größten Tagesverlust seit knapp acht Jahren. An der Wall Street drohte dem börsennotierten iShares-Fonds (ETF) auf türkische Aktien ein Rekord-Tagesverlust.

Banken mit großem Türkei-Engagement gingen ebenfalls auf Talfahrt. Am härtesten traf es die spanische BBVA mit einem Kursrutsch von fast sieben Prozent. Sie ist nach Refinitiv-Daten mit knapp 50 Prozent an der türkischen Garanti Bankasi beteiligt. Deren Papiere brachen in Istanbul um zehn Prozent ein.

CORONA-GIPFEL IM BLICK - ÖLPREIS UNTER DRUCK


In Deutschland werde bei den Beratungen von Bund und Ländern über die Pandemie-Beschränkungen wohl eine Verlängerung des Lockdowns beschlossen, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. Allerdings konzentrierten sich Investoren weiter eher auf die Zeit nach der Pandemie und die Hoffnung auf eine kraftvolle wirtschaftliche Erholung.

Am Rohstoffmarkt spielten dagegen die kurzfristigen Nachfrage-Aussichten die Hauptrolle, sagte Analyst Stephen Brennock vom Brokerhaus PVM Oil Associates. Diese verschlechterten sich durch die steigenden Corona-Infektionszahlen, was den Preis für die Ölsorte Brent aus der Nordsee bis zu 1,7 Prozent ins Minus drückte, auf 63,45 Dollar je Barrel (159 Liter).

TOURISMUSWERTE IM SINKFLUG - VW UND PORSCHE AUF ÜBERHOLSPUR


Der wegen der aktuellen Pandemiewelle wieder aufgeflammte Streit um Test- und Quarantäne-Pflicht für Reise-Rückkehrer setzte den Tourismuswerten zu. Der europäische Branchenindex fiel um 0,5 Prozent. "Anleger befürchten, dass die Sommer-Reisesaison vorbei ist, bevor sie überhaupt angefangen hat", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Unterdessen setzten die Titel von Volkswagen ihren Höhenflug fort und stiegen um 6,5 Prozent. Börsianern zufolge profitiert der Wolfsburger Konzern von seinen ehrgeizigen Elektroauto-Absatzplänen, die Investoren als Kampfansage an den US-Platzhirsch Tesla werten. Die Papiere des MDax-Rückkehrers Porsche SE stiegen um bis zu 8,2 Prozent auf ein Sechs-Jahres-Hoch von 93,38 Euro.

In London gewannen die Titel von Kingfisher zeitweise 6,6 Prozent und waren mit 333,2 Pence so teuer wie zuletzt vor drei Jahren. Die Baumarktkette habe ihren Vorsteuergewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr um überraschend starke 44 Prozent gesteigert, lobte Analystin Kate Calvert vom Vermögensverwalter Investec. Das Unternehmen habe vom Renovierungsboom während der Pandemie profitiert. Dieser Effekt lasse aber nach.

rtr