Feste TV-Sendezeiten - das war gestern. Heute gibt es Netflix. Über 66 Millionen Menschen weltweit haben sich schon für ein Abonnement entschieden, das im Schnitt monatlich zehn Euro kostet. Mit der Ende August gestarteten Netflix-Reihe "Narcos", die Leben, Karriere und Ende des Drogenhändlers Pablo Escobar nachzeichnet, dürften weitere Serienjunkies dem Video-on-Demand-Anbieter verfallen. Bis zum Jahr 2020 will Netflix-Chef Reed Hastings die Kundenzahl jedenfalls auf 100 Millionen steigern und in 200 Ländern präsent sein.

Doch die Expansion - im vierten Quartal dieses Jahres werden die Streamingdienste in Spanien, Italien und Portugal, und im kommenden Jahr in Taiwan, Singapur, Hongkong und in Taiwan angeboten  - kostet Geld. Vor allem aber ist die Produktion von Dokumentationen und Serien alles anders als günstig. Allein der Schauspieler Kevin Spacey erhielt pro Folge der Erfolgsserie "House of Cards" schon rund 500 000 Dollar. Nicht viel weniger dürfte Wagner Moura einstreichen, der Hauptdarsteller von "Narcos".

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S & P senkt den Daumen



Hastings scheut die Ausgaben nicht, er will Marktanteile erobern, bevor es Konkurrenten wie Amazon, Apple oder Hulu tun. In den kommenden vier Jahren dürfte Netflix rund acht bis neun Milliarden Dollar in die Herstellung eigener Contents investieren. Um das ambitionierte Wachstum zu finanzieren, nutzt das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Los Gatos das günstige Zinsumfeld und verschuldet sich kräftig am Kapitalmarkt: Mittlerweile sind die Verbindlichkeiten auf 1,4 Milliarden Dollar gestiegen, denen lediglich 2,8 Milliarden Dollar an Barreserven gegenüberstehen.

Laut S & P könnte Netflix in den nächsten beiden Jahren mindestens eine weitere Milliarde Dollar an Schulden aufnehmen. Der Cashflow dürfte jedoch noch eine ganze Weile negativ bleiben. Die Ratingagentur stufte die Bonität des Unternehmens daher im Februar von "BB-" auf "B+" herab. Auch Moody’s beurteilt Netflix als hochspekulativ. Bei seinem Unternehmen Welteroberung kann sich CEO Hastings also keine großen Rückschläge erlauben.