Die Insel hat sich schnell erholt. Erst drei Jahre ist es her, da stand Zypern vor der Pleite. Der "Haircut" bei griechischen Anleihen hatte den EU-Staat und seine Banken schwer getroffen. Es würde dauern, bis die Regierung die Krise in den Griff bekäme, prognostizierten seinerzeit die Experten. Doch schon im März dieses Jahres verließ Zypern den 2013 von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds aufgespannten Rettungsschirm. Die Regierung in Nikosia hatte Reformauflagen der Troika zielstrebig umgesetzt und Sparziele frühzeitig erfüllt. Moody’s belohnte den konsequenten Kurs: Im März erhöhte die Ratingagentur die Bonität gleich um zwei Stufen auf "B1".

Schuldenberg wird kleiner



Vieles spricht dafür, dass Zypern auch künftig die Ziele solide Staatsfinanzen und Stabilisierung des Bankensektors diszipliniert angeht. Moody’s geht davon aus, dass die Gesamtverschuldung bis zum Jahr 2020 auf rund 80 Prozent zurückfällt. 2014 waren es noch 108 Prozent gewesen. Nicht nur Kürzungen bei den Staatsausgaben, sondern auch die Belebung der Konjunktur machten den Turnaround möglich, folgert die Ratingagentur. 2016 erwartet Moody’s eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 1,6 Prozent.

Möglicherweise fällt das Plus noch höher aus. Zypern profitiert in diesem Sommer von Touristen, die ihre Ferien in der Türkei und Nordafrika wegen verschärfter Sicherheitsprobleme absagen und Zypern als Alternative buchen. Erwartet wird die Rekordzahl von rund drei Millionen Gästen.

Angesichts des positiven Momentums stieß die jüngst emittierte Staatsanleihe auf breites Investoreninteresse. Neben attraktiven Zinsen bietet der Bond auch die Chance auf Kurssteigerungen. Vor allem dann, wenn die Wiedervereinigungsgespräche zwischen Nordzypern und der griechisch-zypriotischen Verwaltung wie geplant noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Ob es dazu kommt, ist nach den jüngsten Ereignissen in der Türkei allerdings ungewiss. Ankara müsste nicht nur seine auf Nordzypern stationierten Truppen abziehen, sondern auch auf Zahlungen in Höhe von 18 Milliarden Dollar seitens der türkischen Zyprioten verzichten. Fraglich, ob Staatspräsident Erdogan angesichts des verlangsamten Wachstums auf die Überweisung verzichten kann.