INTERVIEW

Bert Flossbach: "Vorsicht vor zyklischen Aktien"

Bert Flossbach:

WKN: 519000 ISIN: DE0005190003 BMW AG

79,62 EUR
0,31 EUR 0,39 %
02.12.2016 - 18:53
01.09.2015 07:08:00

Bert Flossbach, einer der Gründer von Deutschlands größtem unabhängigem Vermögensverwalter, erklärt, wie er aktuell anlegt, warum die Zinsen nicht stark steigen können und Gold ins Depot gehört.

Bert Flossbach und Kurt von Storch arbeiteten beide bei Goldman Sachs, bevor sie 1999 eine eigene Vermögensverwaltung gründeten. Heute hat die Flossbach von Storch AG über 120 Mitarbeiter und verwaltet mehr als 20 Milliarden Euro in Mandaten von Privatkunden und institutionellen Anlegern sowie Investmentfonds. Damit ist sie der größte unabhängige Vermögensverwalter Deutschlands. Der Finanzen Verlag zeichnete Bert Flossbach 2010 mit dem Titel "Fonds-manager des Jahres" aus.

Trotz aller Krisen läuft der Aktienmarkt seit 2009. Doch er zeigt Ermüdungserscheinungen: Die Bewertungen steigen, die Gewinne wachsen nicht mehr, Aktienrückkäufe und Übernahmen, nicht Umsatzsteigerungen treiben die Kurse. Ist das Ende der Hausse nicht mehr fern?
Nur weil die Rally schon lange dauert, heißt es nicht, dass wir nicht in einem strukturellen Bullenmarkt sind, der noch lange weitergehen kann. Der Bullenmarkt, der 1982 startete, dauerte mit Unterbrechungen eigentlich bis zum Jahr 2000.

Warum bleiben Sie optimistisch?
Ganz einfach: Es gibt keine Alternative. Die Zinsen sind weltweit nahe null, sinken weiter. Wo soll man da investieren?

Ist Alternativlosigkeit wirklich ein guter Ratgeber bei der Geldanlage?
So würde ich das nicht sagen. Aber die Aktienbewertungen in den USA sind zwar historisch nicht mehr günstig, aber auch nicht wirklich teuer. Deutsche Aktien sind aktuell sogar etwas günstiger als im langfristigen Durchschnitt - vor allem im Kontext der Nullzinsen. In ganz Europa liegen die Dividendenrenditen über den Renditen für zehnjährige Staatsanleihen. Das gab es zuletzt in den 1950er-Jahren.

Sind Dividenden die neuen Zinsen?
Das wäre zu einfach. Aber wenn ich mir zum Beispiel die Aktie von Nestlé mit einer Dividendenrendite von über drei Prozent anschaue und mit einer Schweizer Staatsanleihe und der Rendite von null vergleiche, da muss ich nicht lange überlegen, was über zehn Jahre wohl das bessere Investment ist.

Also Aktien hui, Renten pfui?
Aktien werden auf Sicht von fünf und zehn Jahren viel mehr Rendite abwerfen als Staatsanleihen - ganz sicher.

Was macht Sie so sicher?
Neben den moderaten Bewertungen und den mangelnden Alternativen spricht vor allem die fehlende Euphorie für Aktien. Die Skepsis überwiegt, sei es wegen Griechenland, China oder der angeblichen Zinswende in den USA. Und aus dieser Skepsis heraus ist ein Crash schwer vorstellbar.

Sie haben also keine Angst davor, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen im Herbst anhebt und die Party am Aktienmarkt beendet?
Diese Diskussion, diese Panik rund um eine Zinswende in den USA ist eine reine Obsession. Seit Jahren liegen alle Volkswirte mit ihren Prognosen falsch, und die Zinsen sind immer noch bei null. Und jedes Mal, wenn das Thema hochkommt, malen alle Zinssätze von zwei, drei Prozent innerhalb von 18 Monaten an die Wand.

Sie erwarten also keine Zinswende in den USA?
Es wird vielleicht eine Erhöhung geben. Aber später und geringer als die meisten heute glauben. Das dürfte nicht mehr als geldpolitische Hygiene werden, die Normalität vortäuschen soll. Richtig steigen können die Zinsen nicht. Das kann sich Amerika gar nicht erlauben.

Warum nicht?
Ein Zinsniveau von über drei Prozent würde weder der immer noch wackelige US-Häusermarkt verkraften noch die vielen überschuldeten Kommunen. Ganz zu schweigen von einem immer weiter steigenden Dollar, der die Exporte abwürgen würde - dazu das Chaos, das ein hoher Dollarzins bei gleichzeitigem Nullzins im Rest der Welt auslösen würde.

Inwiefern?
Bei hohen US-Zinsen würde die Anlage in den USA so attraktiv, das viel Geld aus den Schwellenländern abgezogen und dort angelegt würde. Eine -Finanzkrise in vielen Ländern wäre die Folge. Früher wäre das den Amerikanern egal gewesen. Aber heute in der globalisierten Welt ist das anders. Massive Kapitalflucht und ein Finanzchaos in Mexiko - das können die USA nicht wollen.

Weiter niedrige Zinsen und weiter geringes Wachstum, dazu einige große Unbekannte - was bedeutet dieses Umfeld für Ihre Aktienauswahl?
In einem Markt, der wenig von starkem Wirtschaftswachstum, aber sehr stark von den niedrigen Zinsen lebt, muss man bei zyklischen Aktien sehr vorsichtig sein und nur kaufen, wenn sie sehr günstig sind. BMW ist ein sehr gutes Unternehmen. Aber die Aktie war lange zu teuer, um ein Investment in dieses zyklische Geschäft zu wagen. -Momentan überwiegen daher defensive Titel aus Branchen wie Nahrungsmittel und Pharma bei uns.

Aber gerade diese Branchen sind doch viel teurer geworden.
Ja. Aber dafür bekomme ich sehr viel stabilere Cashflows und Dividenden. Das Geschäft ist viel berechenbarer. Das macht diese Investments vergleichbarer mit langfristigen Anleihen. Und beim -aktuellen Zinsniveau sind diese Aktien eben immer noch günstiger -bewertet als Anleihen.

Was raten Sie denn Menschen, die nicht oder kaum investiert sind?
Es ist nicht die Zeit für große Wetten für oder gegen Aktien. Ich würde eine Scheibchen-Taktik wählen. Bei kleinen Rückschlägen kann man immer kaufen und so über die Zeit einen guten Durchschnittskurs erzielen. Ich glaube aber nicht, dass wir in naher Zukunft große Einstiegsgelegenheiten - so wie Ende 2008, Anfang 2009 - bekommen. Dafür steuern Notenbanken zu sehr dagegen.

Wenn Aktien, dann aber eher in den USA, oder? Sie gehen ja weiter von einem schwachen Euro aus.
Stimmt. Grundsätzlich glauben wir: Der Euro wird eher schwach bleiben. Aber das bedeutet nicht, dass der Dollar durch die Decke geht.

Wenn alle Währungen abwerten, welche Währung bleibt noch stabil?
Gold. Gold ist seit jeher die ultimative Währung. Gold ist eine Versicherung gegen ernsthafte Verwerfungen in unserem Geldsystem. Wer kann, sollte aber physisches Gold kaufen. Lucas Vogel

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Bildquelle: Thomas Rabsch

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