Allianz Aktie [WKN: 840400 / ISIN: DE0008404005]

28.02.2016 13:00:00

Vorsorge

Lebensversicherungen: Neu gegen alt


Rentenversicherungen mit Garantiezins sind out. Jetzt setzt die Branche große Hoffnungen auf Indexpolicen. Die bieten zwar weniger Sicherheit, aber bessere Renditechancen. Von Martin Reim

So ändern sich die Zeiten. Jahrzehntelang trommelte die Assekuranz für Lebensversicherungen mit garantiertem Zins. Heutzutage sind sogenannte Indexpolicen der letzte Schrei. Grund für den Wandel: Viele Anbieter sind unglücklich über die Policen klassischer Art. Denn sie müssen Vorsorge treffen, dass der Garantiezins Jahr für Jahr fließt. Das geht nur über Investments in Anleihen, und die werfen so wenig ab, dass die Gesamtverzinsung immer magerer wird. Das macht wiederum die Kunden unzufrieden.

Hingegen bieten Indexpolicen weniger Sicherheit, aber bessere Renditechancen. Weniger Sicherheit, da bei den meisten dieser privaten Rentenversicherungen lediglich garantiert ist, dass zum vereinbarten Vertragsende die eingezahlten Prämien zur Verfügung stehen. Bessere Renditechancen, weil die Kunden an der Entwicklung von Aktienindizes teilhaben. Im Einzelnen funktionieren diese Policen so: Basisinvestment ist das sogenannte Sicherungsvermögen, also dasselbe Portfolio wie bei klassischen Policen. Am Index werden die Kunden auf zwei verschiedene Arten beteiligt. Die eine sei exemplarisch an der Police "Index Select" der Allianz erklärt. Hier kann der Kunde jährlich wählen, ob und in welchem Umfang er in den folgenden zwölf Monaten an der Entwicklung eines Index partizipieren will oder ob er teilweise oder komplett eine Überschussbeteiligung erhalten möchte. Diese Überschussbeteiligung ähnelt jener bei klassischen Policen, doch können die konkreten Prozentwerte leicht differieren (siehe Tabelle Seite 2; dort ist die wichtigste Komponente der Überschussbeteiligung, die laufende Verzinsung, dargestellt).

Angenommen, der Kunde wählt für die folgenden zwölf Monate eine Partizipation am Index. Dann wird jeden Monat die Entwicklung des Euro Stoxx 50 - er enthält 50 wichtige Unternehmen aus dem Euroraum - festgehalten. Bei einem Plus greift eine vorher definierte Obergrenze, der sogenannte Cap, bis zu der der Kunde partizipiert. Ein eventuelles monatliches Minus schlägt voll durch. Am Ende werden die zwölf Werte addiert. Wenn der Gesamtwert negativ ist, erhält der Kunde nichts, macht aber auch keinen Verlust. Ist der Wert positiv, wird das Guthaben mit der kalkulierten Prozentzahl verzinst.

Die Zahl bezieht sich allerdings nicht auf die kompletten Einzahlungen, sondern nur auf den Sparbeitrag, also Prämien und Überschüsse minus Kosten. Die zugewiesene Rendite erhöht das Sicherungsvermögen, sodass in der nächsten Periode ein höheres Startguthaben besteht. Der Cap wird jährlich neu festgelegt, zum nächsten Stichtag 1. März beträgt er 3,2 Prozent. Quasi identisch mit der "Index Select" ist etwa "Index Invest" der R+V, der Versicherung der Volks- und Raiffeisenbanken. Andere Konkurrenten variieren den grundsätzlichen Mechanismus. So existiert bei "Two Trust Select" des HDI und "Index-Safe" der Stuttgarter keine monatliche Obergrenze, sondern es gibt einen jährlichen prozentualen Anteil an möglichen Gewinnen. Zudem berechnen beide Anbieter einen Basiswert aus mehreren Indizes.

Bei den Varianten "Chance" und "Komfort" der "Relax-Rente" der AXA kommt zu Sicherungsvermögen und Indexbeteiligung noch ein weiterer Topf hinzu, der aktiv gemanagte Investmentfonds enthält. Und bei der "Rente Index Plus" der LV 1871 wird das Geld im Sicherungsvermögen und bei Indexbeteiligung jährlich mit mindestens 1,25 Prozent verzinst - selbst wenn der Index schlecht läuft.

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