STANDPUNKTE

Anlagestrategie: Fintech und Instinkt im Investitionsprozess

Anlagestrategie: Fintech und Instinkt im Investitionsprozess

WKN: 900333 ISIN: IT0001279501 Mediolanum S.p.A.

23.07.2017 14:00:00

Trotz der Erfolge der neuen Fintechs - der Mensch als Entscheidungsträger hat bei der Kapitalanlage längst nicht ausgedient. Der aktuelle Ansatz: die Kombination Mensch/Maschine. Von Gastautor Furio Pietribiasi



Der Ausdruck "das Beste aus beiden Welten" kann eine übertriebene Phrase werden, aber es gibt Zeiten, wo genau das gilt. Wir glauben, dass das in der aktuellen Debatte über die Rolle von Fintech in Bezug auf den traditionellen Investmentmanager der Fall ist. Für einige sollte Fintech den menschlichen Manager ersetzen. Andere bestehen darauf, dass es die Intuition, der Intellekt und die Überzeugungsentscheidung des traditionellen Managers ist, die überdurchschnittliche Renditen liefern. Die Realität ist vielschichtiger. Die Investmentbranche hat Fintech in den letzten zehn Jahren derart vereinnahmt, dass es in nahezu jedem modernen Manageransatz eine Rolle spielt.



Die neue Branchen-Benchmark ist ein "quantamentaler" Ansatz - eine Kombination aus einem fundamentalen und quantitativen, datengesteuerten Ansatz. Menschliches Verständnis unterstützt durch maschinelles Lernen. Während es Manager gibt, die einem rein quantitativen Ansatz folgen, werden die stärker fundamental orientierten Manager selektive Daten und Technologien anwenden, um zu bestätigen, was ihre Intuition ihnen sagt und ihren Entscheidungsprozess unterstützt. Das ist aber keine exakte Wissenschaft. Nahezu alle Manager haben einen Invest-mentansatz und eine Anlagephilosophie, die sie gegenüber Investoren kommunizieren. Diese können viele Formen annehmen, aber nur sehr wenige orientieren sich einfach "an dem, was der Manager denkt". Investoren schätzen einen disziplinierten, strukturierten Investitionsprozess als Grundlage für kontinuierliche Renditen. Manager produzieren gern eine Fülle von Daten, die ihre Anlagestrategie unterstützen. Ein genauer Blick zeigt, dass diese Daten die Anwendung des vermeintlichen Investitionsprozesses nicht widerspiegeln.


Sehr erfolgreiche Investitionsentscheidungen sind nicht notwendigerweise das Ergebnis einer bestimmten Anlagestrategie, sondern haben mehr mit Glück und überzeugten Entscheidungen außerhalb des Investitionsprozesses selbst zu tun. Allerdings kann dies keine nachhaltigen und wiederholbaren Renditen liefern. Ebenso ist der rein quantitative Ansatz nur so gut wie der Algorithmus, auf dem er basiert. Während Investoren und Manager sich mehr an die Technologie gewöhnt haben, die ihre Investitionen steuert, gibt es Grenzen, was der quantitative Ansatz leisten kann. Das letzte Jahrzehnt hat derart beispiellose Marktbedingungen geschaffen, dass es keine historischen Marktdaten gibt, die der Algorithmus anwenden könnte. Ohne menschlichen Input in diesem Prozess werden Investitionsentscheidungen jedoch nicht begleitet. Investoren brauchen daher oft den Komfort eines Managers, der den Prozess steuert.

Technologien wie künstliche Intelligenz werden unweigerlich Menschen in äußerst anspruchsvollen Entscheidungsfindungsprozessen ersetzen. Viele Fondsmanager haben bereits bewiesen, wie erfolgreich das sein kann. Doch der menschliche Input hat diese Technologie geschaffen und wird daher benötigt, um sie weiterzuentwickeln. Aber wo liegt der ideale Ansatz im Bereich "quantamental"? Die Antwort liegt in einem Ansatz, der die menschliche Entscheidungsfindung mit anspruchsvoller Technologie und Daten verbindet. Die Frage ist, wie Technologie und Daten verwendet werden sollten, um den Investmentmanager am besten zu unterstützen.

Unser Investment-Management-Prozess zum Beispiel vereint umfangreiche Branchendaten mit Analysen, die Faktoren wie Verhaltensmuster messen, er verbindet intuitives Denken mit einer eingehenden Analyse. Es ist diese Mischung aus Kunst und Wissenschaft, die wir als die nahe Zukunft des Portfoliomanagements für die Branche sehen. Mit den richtigen Daten, der richtigen Technik und deren richtiger Anwendung können die Manager besser verstehen, wo sie falsch liegen und wo sie auf dem richtigen Weg sind - zum Wohle der Investoren.

Furio Pietribiasi verantwortet das Geschäft von Mediolanum in Irland und Luxemburg, ist Managing Director von Mediolanum Asset Management und Mediolanum International Funds Limited, Dublin, Mitglied des Vorstands von Mediolanum International Life und Chairman der Gamax Management AG, Luxemburg. Zudem war Pietribiasi Vorsitzender der irischen Vereinigung der Investmentmanager.


Bildquelle: Mediolanum Asset Management
pagehit