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CFD-Hedging: Risikoabsicherung für das Depot

CFD-Hedging: Risikoabsicherung für das Depot
25.10.2015 09:00:00

Differenzkontrakte sind zwar hochspekulative Papiere, können aber auch zur Absicherung eines konservativen Depots dienen. Gastautor Jens Klatt zeigt das am Beispiel Gold.





Von Jens Klatt, Chefanalyst von FXCM Deutschland

Landläufig verbindet man mit CFDs (Differenzkontrakten) hochspekulative Finanzinstrumente, mit denen vor allem Heavy- und Daytrader gehebelt auf Kursentwicklungen bestimmter Anlageklassen setzen. Schon mit geringem Kapitaleinsatz und bei kleinen Kursbewegungen kann aufgrund des Hebels der Gewinn oder Verlust ein Vielfaches des Basiswerts betragen. Was viele Privatanleger nicht wissen: Der Ursprung von CFDs liegt in der Steueroptimierung: Eingeführt wurden diese bereits in den 80er-Jahren in London, um die britische Stempelsteuer zu umgehen. Die vielseitigen Eigenschaften von CFDs können sich Privatanleger aber auch zur Depotabsicherung gegenüber Marktschwankungen heute zunutze machen.

Ein Beispiel: Gold befindet sich derzeit in einer Abwärtsspirale. Seit August 2011 (Allzeithoch von 1920 US-Dollar pro Feinunze) hat Gold mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt. Dies ist vor allem ein Problem für diejenigen, die Gold physisch halten. Welche Lösungen gibt es für Anleger, um auf den Preisverfall zu reagieren? Eine Möglichkeit besteht darin, Leerverkäufe in Höhe der Menge Gold zu tätigen, die man physisch hält. Ein Beispiel: Sie besitzen 100 Feinunzen Gold. Bei einem Goldpreis von angenommenen 1100 US-Dollar pro Feinunze entspricht dies einem Gesamtwert Ihrer physischen Gold-Position von 110 000 US-Dollar. Um dies abzusichern beziehungsweise zu "hedgen", könnten Sie nun dieselbe Menge Gold mittels CFD-Kontrakten leerverkaufen. Dies geht mit CFDs gut, weil diese 1 : 1 zum Goldpreis korreliert sind und im Vergleich zu anderen Produkten - etwa Optionen oder Optionsscheinen - keinen Zeitwertverlust aufweisen. Gemeinhin bezieht sich ein CFD-Kontrakt auf eine Feinunze Gold.

Neben dem Kursrisiko gilt es, sich auch gegen eventuelle Währungsrisiken abzusichern. Denn eine Fehleinschätzung könnte kostspielig werden. Fällt der Goldpreis beispielsweise von 1100 auf 1050 Dollar pro Feinunze, während sich der Wechselkurs Euro/Dollar von 1,10 auf 1,12 verändert, geschieht Folgendes: Während Ihre physische Gold-Position 50 Dollar pro Feinunze an Wert verliert, verdienen Sie mit einer CFD-Gold-Short-Position eben diese 50 Dollar - Ihnen entsteht also kein Gewinn oder Verlust. Durch Wechselkursveränderung verlieren Sie aber über 1750 Euro! Wieso dies? Vor dem Kursverfall betrug der Euro-Gegenwert Ihrer physischen Gold-Position 100 000 Euro ((100 x 1100)/1,10). Nach obiger Kursentwicklung schaut das Bild wie folgt aus: 93‚750 Euro (100 x 1050)/1,12). Mit dem Gold-CFD-Hedge, mit dem Sie 4464 Euro (100 * 50)/1,12) gewonnen haben, federn Sie Ihren Verlust von 6250 Euro etwas ab, der Verlust beträgt dennoch 1786 Euro.

Wie können Sie dies verhindern? Verfahren Sie einfach nach dem gleichen Prinzip wie oben: Sie verkaufen den Gegenwert von 110 000 USD-Dollar und erwerben dafür Euro. Damit entsteht Ihnen ein Gewinn von 1786 Euro. Wichtig: Für diese Investments auf Hebel können zusätzliche Finanzierungskosten entstehen, die es für die absichernde Partei miteinzukalkulieren gilt. Das genannte Beispiel betrifft vor allem diejenigen Anleger, die Gold "physisch" halten. Ihr investiertes Kapital ist in Gold geparkt und damit weniger liquide als zum Beispiel ein ETF oder ein Zertifikat. Anleger, die Gold dagegen in Papierform halten, können mittels Short-Positionen kurzfristiger auch auf Abwärtsbewegungen mit soliden Trendfolgeansätzen reagieren.

Hedgingpositionen sind also immer dann interessant, wenn ich meine Anlagen gegen spezifische Risikofaktoren schützen will. Haben Sie beispielsweise ein Aktienportfolio, das den DAX (long) abbildet, können Sie sich im gleichen Umfang mit einem GER30-CFD-Hedge (short) gegen turbulente Phasen am Aktienmarkt absichern. Zu beachten ist: Dieser CFD-Hedge ist immer eine "Gegenposition" zur eigentlichen Anlageposition, das heißt, die Gegenposition steigt in demselben Umfang, in dem die Anlageposition fällt und umgekehrt.

Im Profil



Klatt ist Chefanalyst bei DailyFX Deutschland (FXCM). Der gelernte Bankkaufmann hat Mathematik und Volkswirtschaft studiert und ist verantwortlich für die Einschätzungen der globalen Finanzmärkte von DailyFX. FXCM ist mit über 220 000 Kunden und einem Handelsvolumen von über sieben Billionen Dollar im Jahr 2014 einer der weltweit führenden Onlinebroker für Devisen (Forex) und Differenzkontrakte (CFDs).

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Bildquelle: FXCM

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