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Edelmetalle auf Schnäppchenkurs?

Edelmetalle auf Schnäppchenkurs?

WKN: 840400 ISIN: DE0008404005 Allianz

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02.12.2016 - 18:57
25.10.2014 08:41:00

Was die Notenbanken, allen voran nun die EZB, mittlerweile treiben, hat mit seriöser Geldpolitik nicht mehr viel zu tun. Was die Europäische Notenbank nun auspackt und wen sie sich dabei als Partner auserkoren hat, ist wirklich bemerkenswert. Am Dienstag haben die Finanzmärkte "Super-Marios" neue Initiativen regelrecht gefeiert. Heute oder in ein paar Tagen dürften einige Big Player einmal das Gehirn einschalten. Und das könnte den Edelmetallen zum Blitzstart verhelfen.

Zwölf Uhr mittags, im Originaltitel High Noon, ist ein 1952 gedrehter US-Western, zu dem Filmkritiker Ulrich Behrens u. a. ausführte: "Düsterer kann man vor allem kaum eine Atmosphäre einfangen, hinter der sich hinter der brüchigen Oberfläche von vermeintlicher Ehre und Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Gemeinschaft, Mut und Entschlossenheit etwas ganz anderes offenbart: Feigheit, Egoismus und letztlich auch Verrat."

Um zwölf Uhr mittags wird die EZB am kommenden Sonntag das Ergebnis ihres 128 Banken umfassenden Stresstests veröffentlichen. Und mit den in der Filmkritik angesprochenen Eigenschaften hat die Notenbank durchaus beachtliche Schnittmengen, wobei zunehmend zu verschwimmen scheint, welche Attribute hier vergeben werden können.

Dass der EZB die Staatsfinanzierung untersagt ist, ist bekannt. Unter Juristen umstritten bleibt, ob der Umweg des Anleihekaufs über den sgn. Sekundärmarkt ebenfalls unter dieses Verbot fällt. Für den gesunden Menschenverstand macht es keine Ausnahme. Und das gilt auch für den nun angelaufenen, großangelegten Kauf von Pfandbriefen, die die Notenbank dem Vernehmen nach auch von Zypern oder Griechenland erwerben will, die bekanntermaßen ausgesprochen niedrige Ratings aufweisen.

Damit nicht genug. Wie gestern bekannt wurde, plant "Super-Mario" auch den Ankauf von Unternehmensanleihen, wobei die EZB vermutlich auch hier nicht als direkter Käufer auftreten, sondern die Papiere sgn. Investoren abkaufen wird.

Der Clou: Die Entscheidung, was wann wo gekauft werden wird, trifft nicht die EZB selbst, sondern der US-amerikanische Vermögensverwalter Black Rock. Und um diese Aufgabe wahrnehmen zu können, erhält der weltweit größte Kapitalanleger von der EZB exklusiven Zugang zu allen sensiblen europäischen Unternehmensdaten.

BlackRock zählt zu den Finanzdienstleistern, die nur wenig kontrolliert werden, aber bankähnliche Geschäfte betreiben, ohne eine Banklizenz zu haben. Derzeit verwaltet das hierzulande kaum bekannte Unternehmen nach eigenen Angaben rund 4,5 Billionen US-Dollar. Die Anlagen unterliegen keinerlei staatlichen Garantien, auch haben solche Fonds keinen Zugriff auf Zentralbankgeld der Typen M0, M1 und M2. Aber der gute Herr Draghi, dessen Wurzeln ja tief in der Wall Street verankert sind, sorgt da nun für Abhilfe. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Federal Reserve ist alles andere als eine unabhängige Notenbank. Und der EZB-Präsident, falls er nicht gestoppt wird, wird auch die EZB an die großen Strippenzieher der amerikanischen Finanzindustrie verkaufen.

Mit Wirtschaftsankurbelung hat das so gut wie nichts zu tun. Wohl aber mit der Aufhübschung desaströser Bankenbilanzen. Und mit der Mutation der Notenbank in eine gigantische Bad Bank, die selbst zu dem wird, was sie eigentlich bekämpfen sollte: zu einem systemischen Risiko. Und dieses Risiko trägt wie gewohnt letztlich niemand anderes als der Steuerzahler. Gestern fanden die Börsen die neuen Nachrichten erst einmal phantastisch, aber das dürfte sich vermutlich bald ändern. Und ich bin gespannt, wie lange unser aufrechter Bundesbankpräsident Weidmann angesichts des von ihm nicht zu Verhindernden noch im Amt bleiben wird. Bemerkenswert originell war im Übrigen die Aussage Mario Draghis, bei seinem Vorhaben "nicht an seine Freunde in der City of London oder an der Wall Street" gedacht zu haben. Ach lieber Mario, Du wärst der Letzte, von dem ich ein gebrauchtes Auto kaufen würde.

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Bildquelle: Axel Retz

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