von Hans Cornehl, Vorstandschef der Zeal Network SE

Jeder vierte Deutsche hat 2014 seine Weihnachtsgeschenke online gekauft. Onlineshopping boomt. Unternehmen, die nur auf den stationären Handel setzen und kein E-Commerce- Angebot haben, verzeichnen teilweise dramatische Umsatzeinbußen. Onlineshopping ist einfach und bequem: Kunden können Preise vergleichen, Produktempfehlungen folgen - und das bei inzwischen sehr hohen Sicherheitsstandards. Zunehmend entdeckt auch die Lotteriebranche die Chancen der Digitalisierung. Der Sprung ins digitale Zeitalter ist für die Lotterien aber schwierig. Lange blockierten staatliche Regelwerke den Einstieg ins Onlinegeschäft.

Im Lotteriegeschäft ist das Wachstumspotenzial insgesamt hoch. Die Marktforscher von GBGC gehen davon aus, dass die weltweiten Spieleinsätze bis 2017 von derzeit 276 auf 334 Milliarden USDollar steigen werden. Laut World Lottery Association liegt die jährliche Wachstumsrate bei acht Prozent. Dabei wurde der Bereich Online bisher eher stiefmütterlich behandelt. Die Folge: Derzeit werden nur etwa vier bis fünf Prozent des weltweiten Lotterieumsatzes online generiert. Das ist weit weg von anderen Endverbrauchermärkten, in denen bereits 30 Prozent oder mehr der Waren und Dienstleistungen digital vertrieben werden - wie im Buchmarkt.

Die Niederlande sind gerade dabei, den Markt für Lotterien zu liberalisieren, und setzen dabei insbesondere auf das Internet. Die größte Lotterie im Lande ist die Postleitzahlenlotterie, betrieben von einem privaten Medienkonzern. In Großbritannien sind drei große nationale Lotterien online, allesamt private Unternehmen. Allein die National Lottery, eine der modernsten Lotterien weltweit, erwirtschaftet inzwischen 17 Prozent ihres Umsatzes von rund sieben Milliarden Pfund online. Im Internet geben die Spieler im Schnitt rund 20 Prozent mehr aus.

Auf Seite 2: Nachfrage in den USA wächst



In den USA gibt es in den meisten Bundesstaaten keine Onlinelotterie. Dabei ist das Nachfragepotenzial gigantisch: Eine Studie von Lottovate, einem digitalen Dienstleister für lizenzierte Lotterieveranstalter, an dem Zeal beteiligt ist, hat ergeben: Rund 27 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in den USA würden online Lotto spielen, wenn sie die Möglichkeit hätten. Das sind rund 60 Millionen Menschen, von denen rund 19 Millionen sogar Erstkunden wären. Dadurch wären pro Jahr 17,5 Milliarden US-Dollar Mehreinnahmen für Lotteriegesellschaften möglich, wenn diese online gingen. Auch der Staat würde von diesen Einnahmen profitieren. Entsprechend stellen in den USA immer mehr Bundesstaaten mithilfe privater Firmen ihre Lotterien online.

Deutschland tut sich bisher eher schwer mit Internetlotterien. Im Jahr 2008 wurde der Onlinelotterievertrieb zwischenzeitlich sogar verboten. Erst nach Urteilen des Europäischen Gerichtshofs wurde der Vertrieb Mitte 2012 wieder zugelassen. Private Anbieter und Innovationen haben es jedoch weiterhin nicht leicht. Die Folgen der Regulierungspolitik sind jedoch bedenklich: Die Kundenstruktur bei Lotto veraltet zunehmend. Um jüngere Kunden anzusprechen, müssen Lotterien mit attraktiven Angeboten im Internet und auf Smartphones verfügbar sein. Der Markt stagniert, und die Einnahmen wären sogar rückläufig, hätte man 2013 nicht die Preise erhöht. Insgesamt liegen die Einnahmen in Deutschland weit unter dem europäischen Durchschnitt.

Dabei bietet das Internet auch aus Sicht des Regulierers viele Vorteile: So ist der Spielerschutz viel stärker. Es lässt sich viel leichter feststellen, wie alt ein Kunde ist und wie oft er spielt. Auf diese Weise kann verhindert werden, dass Minderjährige spielen oder Kunden zu viel spielen. Und auch die Politik kann sich freuen: Von den Mehreinnahmen durch attraktive Onlineangebote würden Steuerkassen und gemeinnützige Organisationen direkt profitieren.

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Hans Cornehl

Der promovierte Chemiker ist seit 2002 Mitglied des Vorstands von Zeal und seit Juli 2011 Vorsitzender des Vorstands. Zuvor war Cornehl unter anderem Senior-Investment-Manager bei der Venture-Capital-Firma Earlybird. Vorher sammelte er Erfahrungen als Turnaround-Manager. Zeal hat bisher Spieleinsätze von rund 2,5 Milliarden Euro umgesetzt und Steuern und Abgaben in Höhe von 650 Millionen Euro gezahlt.