DIRK ELSNER

MiFID II: Regulatorischer Quälgeist für das Anlagegeschäft

MiFID II: Regulatorischer Quälgeist für das Anlagegeschäft

WKN: A0F6MD ISIN: DE000A0F6MD5 Praktiker AG

0,00 EUR
0,00 EUR 0,00 %
16.02.2017 - 07:48
14.08.2015 07:31:00

Wenn man die Veränderungen im Finanzwesen ernsthaft verfolgen will, dann kann man sich nicht nur auf hippe neue Produkte und erfrischende Startups konzentrieren. Manchmal sollte man sich auch mit trockener Regulierung befassen, weil man dadurch den Wandel in der Finanzwelt besser versteht.

von Dirk Elsner

In meinen Kolumnen bin ich bereits mehrmals am Rande auf die bis 2017 umzusetzende europäische Finanzmarktrichtlinie MiFID II eingegangen. In meiner ersten Kolumne hier für Börse Online schrieb ich, dass sich interessierte Leser diese Bezeichnung merken sollen. Dazu muss man nicht zwingend die bisher über 2.000 Seiten der eigentlichen Richtlinie sowie ergänzender Vorschriften gelesen haben. Ich werde die Leser hier in den nächsten Monaten in lockere Reihenfolge mit den Konsequenzen und Folgen dieser Finanzmarktrichtlinie quälen, denn sie nimmt großen Einfluss darauf, wie Finanzdienstleistungen künftig angeboten und abgewickelt werden. Wichtig ist daher, mit ein paar Grundlagen einzusteigen.

Seit 2007 gilt in der Europäischen Union die "Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente" (= MiFID I). In Deutschland wurde sie durch das "Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz" (FRUG) umgesetzt worden. Damit wurden zahlreicher Gesetze, insbesondere das Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) geändert.

MiFID II soll nun die europäischen Finanzmärkte nicht nur weiter "harmonisieren", sondern wird großen Einfluss darauf haben, ob überhaupt und wie künftig Anlagegeschäfte betrieben werden können. Der europäische Gesetzgeber dokumentiert damit sein großes Misstrauen in Banken und Anlageberater, denn diese erhalten detaillierte Vorgaben, wie Kundengeschäfte künftig anzubahnen, zu vergüten und zu dokumentieren sind. Die Novellierung betrifft den Wertpapiervertrieb und den Handel von Banken, Asset Managern und anderen Finanzdienstleistern, wie z.B. Handelsplätzen.

Ziel der MiFID (= Markets in Financial Instruments Directive) ist es lt. Behörden-PR, die Marktstrukturen widerstandsfähiger und effizienter zu gestalten, die Transparenz zu erhöhen, Befugnisse der Aufsichtsbehörden auszuweiten, Warenderivatemärkte stärker zu regulieren und den Anlegerschutz weiter zu verbessern. Nach Verabschiedung ist die MiFID-"Richtlinie selbst bis zum 3. Juli 2016 in nationales Recht umzusetzen. Eine ebenfalls zum Gesetzespaket gehörende Verordnung (Markets in Financial Instruments Regulation= MiFIR) ist bereits am 3.7.2014 in Kraft getreten. Ab Januar 2017 haben die Marktteilnehmer die neuen Regeln gemäß MiFID und MiFIR anzuwenden.

Weil Banken offenbar unterstellt wird, dass sie jeden Interpretationsspielraum, den Rechtsvorschriften meist bieten, für sich nutzen, wird dieser zusätzlich sehr stark eingeengt durch einen weiteren Vorschriftwall. Die erst 2011 gegründete europäische Wertpapieraufsicht "European Securities and Markets Authority" (ESMA) hat durch die Richtlinie den Auftrag erhalten, zahlreichen Vorschriften zu konkretisieren. Zum Leidwesen vieler Banker, Politiker und Praktiker, macht sie das nur in englischer Sprache. Die ESMA veröffentlicht Technische Standards (= RTS) und Implementierungsstandards (=IST) (in Fachkreisen wird das auch Level 2-Maßnahmen genannt). So hat sie im Dezember 2014 ihren Technical Advice (446 Seiten) sowie ein Konsultationspapier (645 Seiten) veröffentlicht. Na, sind Sie schon eingenickert? Nein, dann vielleicht jetzt, denn im Juni dieses Jahres kam ein weiterer Standard dazu, in dem es um Zulassungsverfahren für Wertpapierfirmen in der EU geht.

Auf Seite 2: Wie sich Banken und Finanzdienstleister den Kopf zerbrechen



Seite: 1 | 2

Weitere Links:


Bildquelle: Innovecs GmbH

Aktien in diesem Artikel

PLATZ Co.,Ltd. 0,00 0,00%

Indizes in diesem Artikel

RTS 1.108,71
-0,93%
pagehit