KOLUMNE

Prof. Dr. Max Otte: Der Krieg gegen das Gold

Prof. Dr. Max Otte: Der Krieg gegen das Gold
07.01.2017 06:30:00

Ich sprach an dieser Stelle und in meiner Streitschrift Rettet unser Bargeld vom "Krieg gegen das Bargeld" (www.rettet-unser-bargeld.de). Dieser Ausdruck kommt nicht von mir, sondern vom amerikanischen ultraliberalen Ökonomen Joseph Salerno, der die Verdrängung des Bargelds als Angriff auf unsere bürgerliche Freiheit als erster thematisiert hat.



Sehr geehrte Privatanleger,



auch Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele benutzt den Begriff, um die starke Koalition der Interessengruppen zu beschreiben, die das Bargeld abschaffen oder in Randbereiche verdrängen wollen. Die Bundesbank steht hinter dem Bargeld. Aber sie ist ja letztlich entmachtet und hat nichts mehr zu sagen.


In Indien wurden nach dem 8. November auf einmal alle 500- und 1000-Rupien-Noten, mehr als 80 Prozent des Geldumlaufs, für ungültig erklärt. Das Geld musste "registriert" werden. Dies führte zu Chaos. Und es traft die Ärmsten - die die kein Konto oder keine Personalpapiere haben. Der Fernverkehr ist stark beeinträchtigt. Märkte funktionieren nicht mehr.


In Australien hat die Citibank angekündigt, in Zukunft keine Bartransaktionen mehr durchzuführen. Ich will ehrlich sein: Das Tempo des Kriegs gegen das Bargeld erschreckt mich.

Und ich muss es wiederholen: Bargeld ist eine der Säulen bürgerlicher Freiheit. Es ist die einzige Möglichkeit, wie freie Bürger untereinander ein Geschäft abschließen können, ohne dass ein Dritter sofort zuschaut. Ja, damit kann man auch Missbrauch betreiben. Aber die Unschuldsvermutung ist die Basis einer freien Gesellschaft. Wir haben schließlich auch Strafverfolgungs- und Ermittlungsbehörden.

Nun geht Indien einen Schritt weiter: Die Steuerfahnder sollen Privathaushalte nach Goldbesitz durchsuchen. "Unversteuertes" Gold soll konfisziert werden. Jeder verheirateten Frau stehen 500 Gramm, jeder unverheirateten Frau 250 Gramm und jedem Mann 100 Gramm zu. Der Rest gilt als unversteuert. Ein radikaler Eingriff in die Eigentumsrechte, wie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten1 am 09. Dezember meldeten.

Indien ist der größte Markt für Goldschmuck der Welt. Allerdings müssen die Goldhändler seit einiger Zeit Käufe über 200.000 Rupien - etwas mehr als 2.500 EUR - melden. Dies hat die Goldnachfrage bereits um 80 Prozent sinken lassen. Die Goldverkäufe gegen Bargeld sind insgesamt um 50 Prozent zurückgegangen.

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Bildquelle: Finanzen Verlag

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