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So wappnen sich Anleger für einen Rückschlag

So wappnen sich Anleger für einen Rückschlag
03.07.2014 07:41:00

Bei aller Freude über neue Rekordstände im DAX und an anderen Märkten sollten auch Privatanleger das Thema Absicherung nicht aus den Augen verlieren, meint Anja Welz, Vorstand der Laureus AG Privat Finanz.

von Anja Welz, Vorstand der Laureus AG Privat Finanz

Der DAX bei 10 000 Punkten - ein solches Niveau macht manchem Anleger ein Investment erst richtig schmackhaft. Andere Börsianer hingegen bringt es eher ins Grübeln, ob nicht langsam die Zeit für eine Korrektur gekommen wäre. Zumal jüngst niemand Geringeres als die Europäische Zentralbank vor einer möglichen scharfen Korrektur gewarnt hat. Für beide Szenarien gibt es Argumente. Niedrigzinsniveau und hohe Liquidität sprechen für eine positive Aktienentwicklung, Unsicherheitsfaktoren wie Staatsverschuldungen, Notenbankpolitik und Ukraine- und Irak-Krise wiederum für eine Korrektur. Da zu einem guten Risikomanagement aber immer die Vorbereitung auf alle denkbaren Eventualitäten gehört, sollten Anleger mit beidem rechnen und auch auf einen Rückschlag vorbereitet sein.

Die Überprüfung des Depots steht dabei im Vordergrund: Welches Risiko kann und will ich als Investor persönlich überhaupt tragen? Anhand der Antworten auf diese Frage sollte der Anleger in Aktien oder andere risikobehaftete Anlagen nur Geld investieren, das er langfristig nicht benötigt. Geld, auf das er unter Umständen kurzfristig zurückgreifen muss, ist auf einem Tagesgeldoder einem vergleichbaren Konto besser aufgehoben - selbst wenn die Rendite dafür vor dem Hintergrund des besagten Niedrigzinsumfelds äußerst gering ausfällt.

Die individuelle Ausgangssituation spielt eine wichtige Rolle für die Strategie. Hat der Anleger bereits für mögliche Wechselfälle des Lebens anderweitig Vorsorge getroffen, so kann er das Kapital offensiver investieren, als wenn er in Notfällen darauf zurückgreifen muss. Gedanken über Renditeoptimierung kann sich machen, wer seine Risiko- und Vorsorgesituation und die von ihm in Anspruch genommenen Lösungen durchleuchtet und auf Wechselwirkungen geprüft hat. Nicht vergessen: Auch Lebensversicherungen werden durch das niedrige Zinsniveau beeinflusst.

Risiken sollte der Anleger nur in dem Maße eingehen, dass er noch "ruhig schlafen kann". Zugleich muss er sich allerdings auch bewusst sein, dass heutzutage selbst bei einem langfristigen Anlagehorizont immer eine gewisse Risikobereitschaft vonnöten ist - denn Geld in vermeintlich sicheren Anlagen dauerhaft liegen zu lassen bedeutet ebenfalls Risiko: Faktoren wie Steuern und Inflation führen schlicht und ergreifend zum Vermögensverzehr. Risiken lassen sich aber steuern, etwa über die Optimierung des Depots in Sachen Diversifikation. Der Anleger sollte seinen Einsatz über verschiedene Regionen breit streuen und ihn zugleich über die unterschiedlichen Anlageklassen, Manager und Währungen verteilen. Zudem gilt: Es kann sinnvoll sein, Anlagen beizumischen, die in Krisenszenarien eine gute Wahl sind, wie etwa Staatsanleihen, die unter Renditeaspekten aktuell weniger interessant sind, aber als "Safe Haven" profitieren. Ähnliches gilt für Gold oder für solche Sachwerte, die sich tendenziell eher unabhängig von den Kapitalmärkten entwickeln. Ergänzend kann der Anleger mit bestimmten Investmentfonds bei steigender Volatilität profitieren.

Generell sollte der Anleger nur Anlagen tätigen, die er versteht, und Liquidität zurückhalten, um antizyklisch agieren und bei Rückschlägen im Rahmen definierter Quoten nachkaufen zu können. Zudem sollte er sein Kapital breit streuen und es professionell managen lassen: Deutsche Anleger neigen gern zum "Home Bias" - sie kaufen, was sie zu kennen meinen, und unterschätzen dabei häufig das Risiko. Zudem reagieren sie oft zu emotional. Daher ist für den Privatanleger ein global investierender Aktienfonds gegenüber der eigenen Mischung aus Einzelaktien oft die bessere Alternative. Damit kann er sich auch die Suche nach dem "richtigen" Zeitpunkt ersparen: Er investiert in Form eines monatlichen Investment-Sparplans und kann damit sogar vom Cost- Average-Effekt profitieren. Man muss sich die Korrektur ja nicht wünschen - es ist aber nie falsch, darauf vorbereitet zu sein.

Anja Welz

Welz ist Finanzökonomin und zertifizierte Finanzplanerin CFP. Sie war Geschäftsstellenleiterin und Betreuerin vermögender Kunden bei der Raiffeisenbank Heinsberg. Seit 2005 ist sie bei der Laureus AG Privat Finanz. Die Laureus AG ist eine Tochter der Sparda-Bank West eG und bietet individuelle Betreuung und neutrale Lösungen in den Bereichen Risikovorsorge, Vermögensstrukturierung und Vermögensnachfolgeplanung.


Bildquelle: Laureus AG Privat Finanz
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