BO-UMFRAGE

Goldpreis-Entwicklung: Was führende Experten für 2017 erwarten, Teil I

Goldpreis-Entwicklung: Was führende Experten für 2017 erwarten, Teil I

WKN: A2AJ0M ISIN: US34634E1029 FORM Holdings Corp

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20.10.2017 - 17:53
20.01.2017 04:10:00

Wie geht es mit dem Goldpreis weiter? Im ersten Teil der großen BO-Experten-Umfrage sagen Ronald Stöferle (Incrementum AG), Dora Borbély (DZ Bank), Alexander Zumpfe (Heraeus) und Philipp Vorndran (Flossbach von Storch), warum der Goldpreis zuletzt so stark gesunken ist, wie weit er noch fallen kann - und wo der Preis für die Feinunze Gold Ende 2017 stehen könnte. Von Thomas Schmidtutz



Ronald Stöferle, Rohstoffanalyst bei Incrementum: "Wir stehen am Beginn eines neuen Bullenmarktes"





Der Goldpreis ist zuletzt arg unter Druck gekommen. Wie erklären Sie sich die jüngste Talfahrt?


In erster Linie hat dies mit dem extrem festen US-Dollar (der Dollar-Index markierte ein 14-Jahres-Hoch) und natürlich den stark gestiegenen Anleiherenditen und Aktienkursen zu tun. Dies bedeutet höhere Opportunitätskosten für das Halten von Gold und somit Gegenwind.


Die Angst vor einem Goldverbot in Indien sowie vor Einfuhrbeschränkungen in China kamen noch obendrauf. Auch der aufflammende konjunkturelle Optimismus im Zuge der Wahl Donald Trumps wirkten sicherlich belastend, da viele Anleger nun mit höherem Wachstum, steigenden Zinsen und einem noch stärkeren Dollar rechnen.

Das Abwärtsmomentum hat nachgelassen."
Ronald Stöferle, der für seine jährliche Goldstudie "In Gold We Trust" bekannte Rohstoff-Experte der Liechtensteiner Investment-Gesellschaft Incrementum, sieht Anzeichen für ein Ende des Abwärtstrends beim Goldpreis.


Jedoch sollte man die Kirche im Dorf lassen: Der Goldpreis ist seit Jahresbeginn um 10,3% gestiegen, auf Euro-Basis waren es sogar 12,9%. Dass nach dem rasanten Anstieg in der ersten Hälfte des Jahres eine Korrektur stattfinden würde, war auch ohne die jüngsten Ereignisse zu erwarten gewesen.

Wie tief kann der Preis für die Feinunze noch fallen?



Aus technischer Sicht liegen die nächsten wichtigen Marken bei USD 1.150 sowie anschließend bei USD 1.043. Man erkennt aktuell aber eindeutig, dass das Abwärtsmomentum nachgelassen hat. Das Sentiment ist mittlerweile extrem negativ und die Positionierung an den Terminmärkten hat sich dramatisch verändert. Alles in allem gehe ich also davon aus, dass wir nahe der Tiefststände sind.

Weltweit gibt es aber mehrere Krisenherde. Viele Beobachter rechnen etwa mit einer Wiederkehr der Euro-Krise, nach dem Referendum in Italien wächst erneut die Skepsis über den Fortbestand der EU. Gold ist ein klassischer Zufluchtshafen in Krisenzeiten. Sollte der Goldpreis in einem solchen Umfeld nicht zulegen?



Das ist richtig: Gold ist der klassische Krisen-Hedge, da es keinem Zahlungsversprechen seitens eines Dritten unterliegt. Und jeder, der sich mit dem Euro genauer beschäftigt, weiß, dass er in der Bredouille ist, da die südeuropäischen Länder im Rahmen der Gemeinschaftswährung wohl kaum ihre Wettbewerbsfähigkeit wiedererlangen können. Im Falle Griechenlands sehen wir schon eine seit Jahren andauernde Insolvenzverschleppung.

Das ebenfalls hoch verschuldete Italien, dessen Banken vor einem riesigen Berg notleidender Kredite stehen, könnte sich dem Beispiel bald anschließen. Die EZB unterstützt mit ihrer Politik des billigen Geldes diese Reformverweigerungen, was jedoch lediglich dazu führt, dass Kosten und Risiken umverteilt werden. Wenn man sich ausdenkt, welche politischen Kräfte nun, da Renzi sich zurückziehen will, nachrücken könnten, sieht das recht gefährlich aus.

Dann könnte sehr bald die Euro-Mitgliedschaft Italiens in einem Referendum zur Disposition stehen und sich zeigen, was Forderungen anderer europäischer Länder gegenüber Italien, etwa jene im Rahmen des Target2-Salden-Systems, wirklich wert sind. Allerdings sehe ich den weltweit wichtigsten Treiber für den Goldpreis in der US-Geldpolitik. Sollten die Realzinsen anziehen, wovon ich zwar nicht ausgehe, dann fällt dies wohl mehr ins Gewicht als Krisenüberlegungen.

In den USA verdichten sich die Hinweise auf weitere Zinserhöhungen 2017. Wie könnte sich eine solche geldpolitische Normalisierung auf den Goldpreis auswirken?



Ehrlich gesagt glaube ich nicht daran, dass die Fed die Zinsen merklich nach oben treiben kann. Dazu sind die Staaten und viele Unternehmen angesichts ihrer exorbitanten Schuldenlasten viel zu abhängig von den Niedrigzinsen. Doch selbst wenn die Fed es schaffen sollte, die Zinsen ohne größere Verwerfungen nach oben zu schrauben, dann wäre die brennende Frage, was die Inflation macht.

Denn für die Goldnachfrage sind die Opportunitätskosten in Form der Realzinsen relevant, also die Nominalzinsen abzüglich der Inflation. Sollte die Inflation also stärker anziehen als die Zinsen, was ich für recht wahrscheinlich halte, stünden die Zeichen für einen Anstieg des Goldpreises ziemlich gut.

Welche Anlageklasse sollten Goldanleger bevorzugen: Goldminenaktien, Fonds, ETFs, Derivate oder physisches Gold?



Das ist von der Motivation eines jeden Einzelnen für den Goldkauf abhängig. Möchte ich mich gegen Worst-Case-Szenarien wie z.B. eine Währungsreform, hohe Inflation oder politische Unsicherheiten versichern? Dann verlangte man nach "Sicherheitsgold" und sollte tendenziell zu physischem Gold greifen und sich Gedanken über Lagerung machen, denn Bankschließfächer sind in Zeiten einer systemischen Krise eher nicht so sicher. Möchte man hingegen auf steigende oder fallende Preise spekulieren, also quasi "Performancegold" kaufen, so kann man auch in ETFs, Minenaktien oder Futures investieren.

Wie hoch sollte der Anteil von Gold im Depot sein?



Dies ist sehr individuell und hängt von unterschiedlichsten Kriterien (Risikotoleranz, Alter, aktuelles Portfolio, aktueller Marktlage…) ab. Insbesondere die Inflationserwartungen spielen für die Allokation eine entscheidende Rolle: Je stärker die angenommene zukünftige Inflation ist, desto höher die Goldallokation. 10% Allokation sollten es meiner Meinung nach aber auf jeden Fall sein.

Wo steht der Goldpreis Ende 2017?



Wir erwarten einen Preis von in etwa USD 1400. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Korrektur des Goldpreises beendet ist und wir uns wieder am Beginn eines neuen Bullenmarktes befinden. Wir bezweifeln, dass sowohl Trump und die Fed 2017 so erfolgreich agieren werden (können), wie weithin vermutet wird.

Auf Seite 2: Dr. Dora Borbély, Rohstoffexpertin der DekaBank



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Bildquelle: Shannon Stapleton/Reuters, Incrementum, DekaBank, Wolfgang Hartmann/Heraeus, Flossbach von Storch AG

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