Interview mit Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege von Flossbach von Storch

1. Syrien-Israel-Ukraine: Im Nahen Osten und Osteuropa toben derzeit mehrere Konflikte, doch der Goldpreis kommt kaum vom Fleck. Warum hat sich das Edelmetall nicht verteuert?

Der Goldpreis reagiert nur auf geopolitische Risiken, die die Zukunft unseres Währungssystems in Frage stellen oder das Bankensystem unterhöhlen könnten. Beides ist im Nahen Osten oder Osteuropa akut nicht der Fall.


2. Gibt es unabhängig von den aktuellen Konflikten weitere Faktoren, die bei der Goldpreisentwicklung eine wichtige Rolle spielen?

Natürlich! Speziell erneute Diskussionen um den Zusammenhalt der Eurozone, Probleme im Bankensystem oder die Erkenntnis, dass all die Notenbankmaßnahmen die Volkswirtschaften nicht wieder auf die Beine bringen könnten, würden erneute Nachfrage nach Gold auslösen. Aktuell sind das am Markt keine Themen, das könnte sich aber innerhalb der nächsten 24 Monate wieder nachhaltig ändern.


Nur physisches Gold erfüllt die Funktion des finalen Geldes."
Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege von Flossbach von Storch

3. Sollten Anleger in Gold investieren? Falls ja: Welche Anlageklasse eignet sich am besten: Aktien, Fonds, Derivate oder physisches Gold?

Ja, das sollten sie. Unserer Meinung nach erfüllt nur physisches Gold die Funktion des finalen Geldes und einer Versicherung gegen ein Problem im Geld- oder Finanzsystem.


4. Wie hoch sollte der Anteil von Gold im Depot sein?

Ca. 10%


5. Wo steht der Goldpreis Ende 2014 und wo Mitte 2015?

In einer Bandbreite zwischen 1.150 und 1.450 USD. Mitte 2016 (!) deutlich höher.


Interview mit Thorsten Polleit, Chefökonom der Degussa-Goldhandel

1. Syrien-Israel-Ukraine: Im Nahen Osten und Osteuropa toben derzeit mehrere Konflikte, doch der Goldpreis kommt kaum vom Fleck. Warum hat sich das Edelmetall nicht verteuert?

Gold hat sich doch verteuert! (Stand: 27.8.2014; Anm.d.Red.) In US-Dollar hat der Goldpreis seit Jahresanfang um knapp 7 Prozent zugelegt, in Euro gerechnet sogar um 11 Prozent - das war deutlich besser als beispielsweise europäische Aktien.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass der Goldpreis von vielen Faktoren bestimmt wird. Eine einfache Formel zur Ermittlung des richtigen Preises gibt es nicht. Weltpolitische Krisenherde gehören zwar üblicherweise zu den preistreibenden Faktoren. Deren Wirkung kann jedoch durch andere Faktoren überlagert werden. Das scheint aktuell der Fall zu sein.


2. Gibt es unabhängig von den aktuellen Konflikten weitere Faktoren, die bei der Goldpreisentwicklung eine wichtige Rolle spielen?

In der langen Frist bestimmt vor allem die weltweite Geldmengenentwicklung den Goldpreis. Kurzfristig nehmen Zinsbewegungen und vor allem auch Kreditausfallsorgen auf den Finanzmärkten Einfluss. Aktuell zeigt sich, dass es den Zentralbanken gelungen ist, die Kreditausfallsorgen aus den Finanzmärkten zu vertreiben: Sie stellen in Aussicht, die elektronische Notenpresse anzuwerfen, um strauchelnde Staaten und Banken vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Das läuft natürlich auf eine Inflationierung hinaus. Auf den Märkten wird das derzeit jedoch nicht so gesehen. Vielmehr wird die Drohkulisse einer Deflation aufgebaut! Geschwundene Kreditausfallsorgen und betäubte Inflationserwartungen belasten den Goldpreis aktuell. Das wird sich jedoch eher früher als später ändern: Die großen Probleme mit dem Schuldgeldsystem kommen erst noch.


Gold ist das ultimative Zahlungsmittel."
Thorsten Polleit, Chefökonom der Degussa-Goldhandel

3. Sollten Anleger in Gold investieren? Falls ja: Welche Anlageklasse eignet sich am besten: Aktien, Fonds, Derivate oder physisches Gold?

Ja. Gold ist das ultimative Zahlungsmittel. Man kann es auch als eine Versicherung für das Portfolio ansehen. Für den Anleger hat sich das bislang gerechnet: Der Goldpreis ist in den letzten Jahrzehnten, wenngleich auch unter erheblichen Schwankungen, durchschnittlich um etwa 10 Prozent pro Jahr gestiegen.

Grundsätzlich lautet meine Empfehlung, Gold in physischer Form zu kaufen. Der Kauf und Verkauf von physischem Gold verursacht keine unnötigen Gebühren, und er ist mittlerweile so einfach wie der Kauf einer Tafel Schokolade. Außerdem hat das physische Gold den Vorteil, unmittelbar verfügbar zu sein, und der Anleger ist keinem Kontrahentenrisiko ausgesetzt. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle, dass derjenige, der in Goldminenaktien investiert, eine unternehmerische Beteiligung erwirbt. Ob sie sich auszahlt, hängt vom Erfolg des Unternehmens ab, und der ist nicht immer und notwendigerweise eins zu eins an den Goldpreis gekoppelt.


4. Wie hoch sollte der Anteil von Gold im Depot sein?

Das hängt ganz individuell von den Zielen und Erwartungen des Anlegers ab. Ein genauer Prozentsatz, der für jeden und alle passend ist, lässt sich vermutlich nicht nennen. Für den einen sind 10 Prozent, für den anderen 20 Prozent oder mehr passend. Jeder sollte jedoch zumindest einen Teil seines Vermögens in Gold halten. Denken Sie stets daran: Ungedeckte Papierwährungen kommen und gehen. Gold bleibt.


5. Wo steht der Goldpreis Ende 2014 und wo Mitte 2015?

Der Goldpreis, vorsichtig geschätzt, ist aktuell nicht überteuert im Vergleich zu anderen Vermögensanlagen. Zudem ist die Finanz- und Wirtschaftskrise keineswegs überwunden. Die Gefahr, dass die internationale Papiergeld- und Schuldenpyramide in sich zusammensackt und die elektronischen Notenpressen angeworfen werden, ist größer, als viele Investoren denken. Am Jahresende 2014 könnte der Goldpreis höher sein als heute, und Ende 2015 merklich höher als Ende 2014.


Interview mit Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank

1. Syrien-Israel-Ukraine: Im Nahen Osten und Osteuropa toben derzeit mehrere Konflikte, doch der Goldpreis kommt kaum vom Fleck. Warum hat sich das Edelmetall nicht verteuert?

Viele Anleger sind enttäuscht, dass Gold seit seinem Höhenflug 2011/2012 keine Anstalten mehr machte, frühere hohe Kursstände erneut zu erreichen. Seit Mitte 2012 ist zudem die Schuldenkrise durch die Euro-Rettungsgarantie von Mario Draghi, zur Not unbegrenzt Staatsanleihen der Euro-Südzone aufzukaufen, zumindest "geld-technisch" gelöst. Die in der Konsequenz "risikobefreiten" Aktien sowie Staatspapiere aus z.B. Spanien oder Italien boten Anlegern zwei attraktive Anlagealternativen zu Gold. Die Zinserhöhungsdiskussion in den USA hat Gold ebenso geschadet. Auch gibt es einen starken Konkurrenten zu Gold: Palladium. Neben dem Edelmetallcharakter wird dieses Metall auch industriell gebraucht und scheint momentan auch als sicherer Hafen angesichts geopolitischer Krisen zu dienen. Dennoch muss man die verhaltene Wertentwicklung von Gold relativieren. Im Vergleich zu den großen Anlageklassen liefen seit Anfang 2014 in Euro gerechnet nur Aktien aus den USA und den Schwellenländern besser. Angesichts der vielen Schreckensszenarien, die aktuell im Markt kursieren, hält sich Gold eigentlich ganz gut.


2. Gibt es unabhängig von den aktuellen Konflikten weitere Faktoren, die bei der Goldpreisentwicklung eine wichtige Rolle spielen?

Zurzeit läuft die größte Rettungsaktion des Finanzweltsystems mit viel und billigem Geld. Da kann man keine Konkurrenzwährung in Form von Gold gebrauchen, die die Zugkraft der geldpolitischen Rettungsmission von Fed, EZB oder Bank of Japan schwächen oder gar konterkarieren könnte. Im Revier der Geldpolitik ist Gold unerwünscht. Man ist kein Schelm und kein Verschwörungsanhänger, wenn man Notenbanken unterstellt, den Goldpreis zumindest indirekt zu drücken. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Dennoch ist Gold eine grundsätzliche Absicherung gegen eine zunehmend bonitätsschwache Finanzwelt. Angst vor steigenden Alternativrenditen am Rentenmarkt, die das grundsätzlich zinslose Gold schwächen könnten, sind unbegründet. Angesichts der der bei Anleihen zu beobachtenden Mutter aller Anlageblasen, gibt es zwar einen theoretisch gewaltigen Korrekturbedarf. Aber so absurd es auch klingt: Die Rentenblase muss geldpolitisch weiter aufgeblasen werden, weil sie ansonsten platzt und mit ihr das Finanzsystem. Zudem werden uns geopolitische Krisen immer wieder beschäftigen.


Ich präferiere Gold grundsätzlich in physischer Form."
Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank

3. Sollten Anleger in Gold investieren? Falls ja: Welche Anlageklasse eignet sich am besten: Aktien, Fonds, Derivate oder physisches Gold?

Ich präferiere Gold grundsätzlich in physischer Form. Daneben kommen auch Minenaktien in Frage. Ihre dramatische Überbewertung und ihre eindeutige Underperformance gegenüber physischem Gold haben sich zuletzt umgekehrt. Zur Kursabsicherung sind Derivate gut geeignet.


4. Wie hoch sollte der Anteil von Gold im Depot sein?

Mir persönlich ist die sachkapitalistische Sicherheit von Gold als Anteil an meinem Geldvermögen - nicht Gesamtvermögen - mindestens 10 Prozent wert.


5. Wo steht der Goldpreis Ende 2014 und wo Mitte 2015?


Das hängt stark von der Entwicklung der geopolitischen Krise in der Ukraine ab, die nur schwer einzuschätzen ist. Ende 2014 steht er bei 1350, Mitte 2015 bei 1450 US-Dollar. Das mag nicht viel sein. Aber es geht weniger um kurzfristige Kursmaximierung, sondern um die langfristige Werterhaltungsfunktion des Goldes. Denn für die ungehemmte Rettung der Finanz- und Konjunkturwelt über Schuldenfrönerei mit geldpolitischem Segen werden wir irgendwann die Rechnung erhalten. Volkswirtschaften, in dem einem ohne Reformaktivitäten wie im Schlaraffenland die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, haben noch nie lange funktioniert. Dann wird man über Gold als eine starke Variante im sachkapitalistischen Anlagevermögen noch dankbar sein.


Max Otte, Fondsmanager und Börsenbuchautor

1. Syrien-Israel-Ukraine: Im Nahen Osten und Osteuropa toben derzeit mehrere Konflikte, doch der Goldpreis kommt kaum vom Fleck. Warum hat sich das Edelmetall nicht verteuert?

Ich denke, dass die Notenbanken, insbesondere die Fed, ein großes Interesse daran haben, einen niedrigen Golpreis zu sehen. Goldman Sachs, die ja eine gewaltige Meinungsmacht haben, hat gerade das Kursziel gesenkt. Und die Wege zur Regierung und zum Fed sind nicht weit. Die Nachfrage nach physischem Gold in Asien, Arabien und Russland ist ungebrochen.


2. Gibt es unabhängig von den aktuellen Konflikten weitere Faktoren, die bei der Goldpreisentwicklung eine wichtige Rolle spielen?

Natürlich: die wachsende Weltbevölkerung. Es muss zwangsläufig Nachfrage nach Gold da sein.


Goldaktien wären der Renditeturbo."
Max Otte, Fondsmanager und Börsenbuchautor

3. Sollten Anleger in Gold investieren? Falls ja: Welche Anlageklasse eignet sich am besten: Aktien, Fonds, Derivate oder physisches Gold?

Das Basisinvestment ist das Metall. Es dient als Versicherung. Man kann jederzeit darauf zurückgreifen. Goldaktien haben einen Hebel auf den Goldpreis. Sie wären also der Renditeturbo. Anders als Derivate haben sie auch kein Verfallsdatum, weshalb ich die Aktien bevorzugen.


4. Wie hoch sollte der Anteil von Gold im Depot sein?

Mindestens 5, höchsten 50 Prozent, je nach Sicherheitsbedürfnis. Für die meisten wohl zwischen 10 und 20 Prozent.


5. Wo steht der Goldpreis Ende 2014 und wo Mitte 2015?

Prognosen mit genauen Zeitpunkten mache ich nicht. Aber die Unze sollte locker 2000 - 2500 Dollar wert sein.


Interview mit Dr. Dora Borbély, Rohstoffexpertin der DekaBank

1. Syrien-Israel-Ukraine: Im Nahen Osten und Osteuropa toben derzeit mehrere Konflikte, doch der Goldpreis kommt kaum vom Fleck. Warum hat sich das Edelmetall nicht verteuert?

Es ist vor allem die schwache physische Nachfrage, also beispielsweise der Kauf von Münzen oder Goldschmuck, die die Goldpreisentwicklung belastet und dafür sorgt, dass Gold trotz der geopolitischen Konflikte nicht von seiner Eigenschaft als sicherer Hafen profitieren kann. In den letzten Monaten hat zudem der feste Außenwert des US-Dollar die Goldpreisentwicklung belastet.


2. Gibt es unabhängig von den aktuellen Konflikten weitere Faktoren, die bei der Goldpreisentwicklung eine wichtige Rolle spielen?

Kurz- bis mittelfristig kann der Goldpreis durch die Stimmungsschwankungen der Finanzmarktteilnehmer bestimmt werden. Längerfristig spielen jedoch auch am Goldmarkt die physischen Faktoren die wichtigere Rolle. So kann der Goldpreis trotz der geopolitischen Risiken nicht stark ansteigen, wenn sich dies nicht in einer Zunahme der physischen Nachfrage widerspiegelt. So ist die globale physische Goldnachfrage schon seit Anfang 2013 tendenziell rückläufig. Entsprechend hat sich seitdem Gold in der Tendenz verbilligt. Neben der Schwäche bei der Schmuck- und der industriellen Nachfrage verzeichnen auch Gold-ETFs Abflüsse.


Im nächsten Jahr hingegen dürfte der Goldpreis nachgeben."
Dora Borbély, Rohstoffexpertin der DekaBank

3. Sollten Anleger in Gold investieren? Falls ja: Welche Anlageklasse eignet sich am besten: Aktien, Fonds, Derivate oder physisches Gold?

Der Goldpreis hat unter Schwankungen über eine lange Zeitspanne gerechnet die Inflation ausgeglichen - mehr aber auch nicht. Denn laufende Erträge gibt es nicht (keine Zinsen, keine Dividenden). Für den sicherheitsorientieren Anleger ist nichts gegen die Beimischung von Gold in einem ausgewogenen Portfolio einzuwenden. Es ist aber kaum ratsam, größere Vermögensbestandteile in Gold anzulegen.

Deckt man Gold über Aktien von Goldminenunternehmen ab, muss man bedenken, dass diese zum Teil stärker durch unternehmensspezifische als durch rohstoffmarktspezifische Faktoren beeinflusst werden. Physisches Gold zu halten bietet zwar den Vorteil des "Anfassen Könnens", kann allerdings mit Lagerkosten verbunden sein. Exchange Traded Commodities (ETCs), die physisch in Gold investieren, haben den Vorteil, dass das Emittentenrisiko minimiert wird.


4. Wie hoch sollte der Anteil von Gold im Depot sein?

Das hängt in besonderem Maße vom individuellen Sicherheitsbedürfnis ab. Unter rationalen Gesichtspunkten wie dem Diversifikationseffekt sollte Gold aber nur einen einstelligen Prozentsatz als Anteil im Portfolio ausmachen.


5. Wo steht der Goldpreis Ende 2014 und wo Mitte 2015?

Die schwache physische Nachfrage belastet derzeit die Preisentwicklung, auch wenn die nicht-kommerziellen Marktteilnehmer verstärkt auf steigende Goldnotierungen setzen. Kurzfristig überwiegen die Aufwärtsrisiken für den Goldpreis. Daher erwarten wir in den kommenden Monaten keinen nennenswerten Preisrückgang und sehen die Goldnotierung Ende 2014 bei 1.250 US-Dollar bzw. 940 Euro. Im nächsten Jahr hingegen dürfte der Goldpreis nachgeben, vor allem weil die ersten großen Notenbanken anfangen werden, die Zinsen anzuheben. Mitte 2015 rechnen wir mit 1150 US-Dollar bzw. 900 Euro für die Feinunze Gold.