ZEITGEIST

Zinswende - Richtungswechsel nach 5000 Jahren

Zinswende - Richtungswechsel nach 5000 Jahren
08.07.2017 20:00:00

Die Leitzinsen stehen tief wie seit langem nicht mehr. Findige Analysten der Bank of England haben mal zurückgerechnet, bis ins Jahr 3000 vor Christus. Das Ergebnis. Nie in den letzten 5.000 Jahren mussten weniger Zinsen für geliehenes Geld gezahlt werden wie heute. Zeit, dass sich was dreht - und Investoren sich darauf einstellen.



Das Mantra der Zentralbanker? Um die Realwirtschaft mit Krediten zu versorgen, müssen die Leitzinsen niedrig sein. So hört man es seit Jahren aus den USA, aus Europa oder aus Japan. Doch ganz behutsam werden Zwischentöne in dieses Mantra eingewoben. Anleihe-Investoren müssen daher genau hinhören. Doch von Anfang an.




Leitzinsen sind bekanntlich so etwas wie die Zügel der Finanzmärkte. Angezogen werden sie, um Entwicklungen einzubremsen. Gelockert, wenn die Wirtschaft über Schrittgeschwindigkeit nicht hinauskommt. Dauert so eine Niedrigzinsphase allerdings zu lange, können die Zinsen zu Lasten der Anleger gehen. Denn an den Leitzinsen orientieren sich auch die Zinsen für Anleihen. Trotzdem greifen noch immer Investoren zum Beispiel nach zehnjährigen Bundesanleihen, obwohl sie den Anleger inzwischen sogar Geld kosten, weil er für das Papier mehr zahlt, als er an Zins und Tilgung am Laufzeitende zurück bekommt. Der Käufer akzeptiert also einen sicheren Verlust, lässt sich somit die Sicherheit des soliden Schuldners einiges kosten.



Noch mehr Duldsamkeit von den Investoren verlangt es von den Investoren, wenn die Leitzinsen angehoben werden. Denn dann werden die Kurse ihrer Anleihen sinken, weil die allermeisten Investoren ihre niedrig verzinsten Anleihen auf den Markt werfen und stattdessen höher rentierliche Papiere kaufen.

Ist eine Leitzinserhöhung in der Eurozone ein bloßes Zukunftsszenario? Nein. Denn genau damit kokettiert die Europäische Zentralbank (EZB) seit kurzem. Zuletzt war es einer der Direktoren der EZB, der ein Ende der Niedrigzinspolitik in Aussicht stellte. Immerhin hat sich die Weltwirtschaft stabilisiert und die Inflation zieht an, in den USA wie in Europa. Und das ist für Zentralbanker gemeinhin ein Aufruf zum Handeln. Sie wird also kommen, die Erhöhung. Unklar ist nur, wann.



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