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GELDPOLITIK

EZB schafft die Zinsen ab

Mit drastischen Schritten will Zentralbankchef Mario Draghi die Wirtschaft anfeuern. Die Volatilität an den Märkten steigt. Aktionäre könnten profitieren, Sparer verlieren. Von Wolfgang Ehrensberger

Nach historischen Senkung der Leitzinsen durch die Euro-päische Zentralbank (EZB) vom Donnerstag rechnen Kapitalmarktexperten mit zunehmenden Schwankungen an den Märkten. "Die Investoren werden jetzt versuchen, auch noch die letzten Renditefelder abzuweiden. Die Volatilität nimmt deutlich zu", sagte Robert Halver von der Baader Bank.

Für Bankhaus-Lampe-Chefvolkswirt Alexander Krüger ist der Einfluss der EZB auf die Märkte gesunken: " Jetzt entscheidet die globale Konjunktur über den DAX. Sollte es weitere negative Überraschungen geben, drohen Verluste. Die Unsicherheit ist hoch. Noch ist es daher zu früh, um bei Aktien zum Angriff zu blasen."

Die EZB hatte am Donnerstag ihre Geldpolitik weiter massiv gelockert und damit für drastische Kursschwankungen an den Märkten und heftige Kritik insbesondere aus Deutschland gesorgt. Die Währungshüter senkten den Schlüsselsatz für die Geldversorgung des Bankensystems dabei erstmals auf null. Zudem müssen die Geldhäuser für kurzfristige Einlagen höhere Negativzinsen zahlen - minus 0,4 Prozent statt wie bisher minus 0,3 Prozent. Außerdem wird das vor allem in Deutschland umstrittene Anleihekaufprogramm noch einmal deutlich ausgeweitet - von monatlich 60 auf 80 Milliarden Euro. Der Gesamtumfang der bis März 2017 geplanten Käufe steigt damit von 1,5 auf 1,74 Billionen Euro.

Heftige Marktschwankungen



Mit dem Maßnahmenbündel soll die Konjunktur im Euroraum und die Kreditvergabe durch die Geschäftsbanken in Schwung gebracht und eine gefährliche Abwärtsspirale bei den Preisen vermieden werden. Draghis Ankündigungen haben für starke Kursschwankungen an den Märkten gesorgt. Der DAX legte am Donnerstag zunächst um 2,7 Prozent zu und kratzte an der 10 000-Punkte-Marke, bevor er einbrach und bei 2,3 Prozent im Minus schloss. Am Freitag ging es dann wieder deutlich nach oben.

Die angekündigte Lockerung hatte die Erwartungen der Märkte zwar bei Weitem übertroffen. Dass EZB-Chef Draghi aber keine weiteren Zinssenkungen in Aussicht stellte, sorgte bei Investoren allerdings auch für Enttäuschung.

Heftige Kritik an der Ausweitung der Geldpolitik kommt insbesondere aus der deutschen Banken- und Versicherungsbranche, aber auch von Wirtschaftsverbänden. "Das ist eine gute Nachricht für die Börsianer und für die Schuldenländer im Süden. Die deutschen Sparer werden dagegen enteignet", sagte der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner. Bankenverbands-Geschäftsführer Michael Kemmer bezeichnete die EZB-Schritte als "unnötig", die Notenbank überzeichne die Deflationsrisiken. Gleichzeitig warnte er davor, dass Wirtschaftsreformen und die Sanierung der Bankbilanzen verschleppt würden. Ähnlich äußerte sich der Wirtschaftsweise Lars Feld. "Wir sehen, dass Länder wie Italien trotz des Zinstiefs keine Reformen durchführen und Ausgaben eher noch erhöhen."

Die Notenbanker hatten am Donnerstag ihre Prognosen für die Inflationsrate in der Eurozone deutlich gesenkt. Demnach werden die Verbraucherpreise 2016 nur um 0,1 Prozent steigen. Im Dezember lag die Prognose noch bei 1,0 Prozent Für 2017 wurde die Prognose von 1,6 auf 1,3 Prozent gesenkt.

Mit der Geldflut sollen privater Konsum und Investitionen der Unternehmen angekurbelt werden. Damit hofft die EZB, dem Inflations-Zielwert von knapp zwei Prozent näherzukommen. "Wegen der Ölpreis-entwicklung sind sehr niedrige oder negative Inflationsraten in den kommenden Monaten unvermeidlich", glaubt Draghi.

Was die Konjunktur angeht, so rechnen die Währungshüter mit moderater Erholung im Euroraum, senkten aber ebenfalls die Prognosen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 1,4 statt wie bisher erwartet um 1,7 Prozent wachsen.

Die Nullzinspolitik der EZB bedeutet unter anderem für Lebensversicherer und Pensionskassen große Herausforderungen. Können sie ihre Gelder nicht mehr rentabel anlegen, bekommen sie massive Probleme.


Bildquelle: iStockphoto

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