Es war eine starke Szene: Anfang der Woche, All-In Summit in Los Angeles. Nvidia-Chef Jensen Huang sitzt auf der Bühne, mitten im Panel-Gespräch über Künstliche Intelligenz. Dann klingelt sein iPhone. Er schaut aufs Display, sagt "Oh No" – und hebt ab. Am anderen Ende: Donald Trump, der Präsident der Vereinigten Staaten. von Klaus Madzia
Was folgt, hätte sich kein PR-Berater besser ausdenken können. Trump lässt sich von Huang das Mikrofon vor den Lautsprecher halten und feuert fünf Minuten lang gegen die "KI-Doomer": Sorgen um Sicherheit seien eine "Verschwörung", die Kritik an Rechenzentren ein "Hoax", Regulierung brauche es nicht. Robotern, die die Weltherrschaft übernehmen, erteilt er live eine Absage. Huang nickt mit, ergänzt sinngemäß: die USA werden das KI-Rennen gewinnen. Und zwar in jeder Branche, mit jeder Firma und in jedem Bundesstaat.
Attacke auf die KI-Kritiker
Der Anlass für den Anruf: Über das Wochenende hatten mehrere prominente Stimmen aus der Branche – darunter ein früherer Anthropic-Forscher – vor den Risiken unkontrollierter KI-Entwicklung gewarnt und mehr Aufsicht gefordert. Jetzt greift der mächtigste Mann der Welt zum Hörer, um sich mit dem CEO des wertvollsten KI-Zulieferers gegen diese Warner zu stellen.
Für mich zeigt sich eindrucksvoll die Macht von Nvidia und Huang. Normalerweise setzt die Politik den Rahmen, und die Industrie richtet sich danach. Hier ist es umgekehrt: Ein Hardware-Konzern ist inzwischen so systemrelevant für die amerikanische Wirtschaft und für die geopolitische Konkurrenz mit China, dass der Präsident höchstpersönlich als Lautsprecher für dessen Anliegen einspringt. Live, vor Publikum. Der Schwanz wackelt mit dem Hund.
Ob der Anruf spontan war oder inszeniert, spielt fast keine Rolle. Beides wäre bezeichnend. Für mich zählt die Botschaft dahinter: Nvidia sitzt am Schnittpunkt von Industriepolitik, nationaler Sicherheit und KI-Boom – und genau das macht das Unternehmen so schwer angreifbar, selbst wenn einzelne Quartalszahlen mal enttäuschen oder Bewertungssorgen aufkommen.
Die Mega-Chance für Anleger
Wichtig: Ein Telefonat ändert keine Fundamentaldaten. Die Aktie war am Montag im regulären Handel zunächst deutlich schwächer, bevor sie jetzt wieder anzog. Politische Rückendeckung ersetzt keine Nachfragezahlen aus den Rechenzentren. Die US-Regierung im Zweifel eher auf der Seite der KI-Infrastrukturanbieter steht als auf der ihrer Kritiker. Für unsere kiq-Positionen entlang der KI-Lieferkette ist das ein Rückenwind, ich empfehle weiterhin die Gewinner der KI-Revolution und glaube an die enormen Chancen für die Anleger.