Am Donnerstag scheint der DAX leicht zu schwächeln - das bewegt den deutschen Leitindex. Außerdem im Fokus stehen unter anderem die folgenden Themen: Iran, Bill Ackman, SpaceX, Siemens Energy, Commerzbank, Hochtief, Broadcom und Crowdstrike.
Nach schwächeren Vorgaben aus den USA und Asien sind Kursgewinne im Dax am Donnerstag im Feiertagshandel wohl erst einmal nicht zu erwarten. Knapp eine Stunde vor Handelsbeginn signalisierte der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den Dax einen kaum veränderten Start mit 24.786 Punkten. Es geht für den deutschen Leitindex zunächst darum, die 21-Tage-Linie zu halten. Ansonsten könnte aus technischer Sicht schnell wieder die Marke von 24.500 Punkten ins Spiel kommen.
Die Lage im Iran-Krieg bleibt undurchsichtig. Inmitten von Spekulationen über ein Ende der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran betont der iranische Außenminister, dass weiter Kontakte bestehen. Die Gespräche mit den USA seien nicht abgebrochen, sagte Abbas Araghtschi dem libanesischen Sender Al-Majadin, der der Hisbollah-Miliz nahesteht.
Die KI-Rally verliert derweil etwas an Schwung. In den USA hatte am Vorabend der marktbreite S&P 500 nach seiner Rekordserie keinen neuen Höchststand mehr erreicht. Der technologielastige Nasdaq 100 war nach einem weiteren Rekord letztlich abgedreht. Auch im japanischen Nikkei 225 und beim koreanischen Kospi kam es nach der Rekordjagd zu Gewinnmitnahmen.
Nachrichten aus Deutschland
Commerzbank
Die Commerzbank wendet sich mit Blick auf das laufende Übernahmeangebot von Unicredit gegen Aussagen der Italiener vom Vortag. Die zuletzt kommunizierten Daten seien "ohne ergänzende Erläuterungen irreführend und begründen den Verdacht eines Handelns mit dem Ziel, ihre Position in der Wahrnehmung des Marktes künstlich aufzublähen", hieß es in einer am Mittwochabend veröffentlichten Mitteilung.
Infolge der Meldungen von Unicredit würden in der öffentlichen Diskussion zunehmend direkt gehaltene Aktien, angediente Aktien, Derivatepositionen und andere Formen wirtschaftlichen Exposures zusammengefasst, beklagten die Frankfurter weiter. In Teilen der Berichterstattung würden Positionen von über 50 Prozent genannt. "Diese Kategorien unterscheiden sich jedoch grundlegend voneinander und sollten nicht gleichgesetzt werden."
Die zuletzt gemeldeten angedienten Aktien im Gesamtvolumen von 7,58 Prozent würfen erhebliche Fragen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Herkunft und Interpretation auf, hieß es weiter. "Nach den der Commerzbank aktuell vorliegenden Informationen konnte bislang keine einzige Angebotsannahme eines institutionellen Investors identifiziert werden, und die Summe sämtlicher Annahmen durch Privatanleger entspricht einem Aktienanteil von lediglich rund 0,05 Prozent." Das insgesamt angediente Volumen stamme überwiegend von Banken und mit ihnen verbundenen Parteien, von denen einige bekannte Derivate-Gegenparteien von Unicredit seien.
Festzuhalten sei, dass es ein signifikantes Andienen von Aktien gegeben habe, obwohl der Börsenkurs der Commerzbank-Aktie durchgehend über dem implizierten Wert der Angebotsgegenleistung liege. Zudem sei es höchst ungewöhnlich, dass Aktien in der Mitte der Angebotsperiode angedient werden.
Angesichts der erheblichen kapitalmarktbezogenen und regulatorischen Implikationen dieser Sachverhalte sowie gewichtiger Bedenken ihrer Aktionäre stelle die Commerzbank der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die relevanten öffentlich verfügbaren Informationen sowie ihre eigene Analyse und Erkenntnisse zur Verfügung. "Die Commerzbank spricht sich für eine umfassende Prüfung des Sachverhalts aus, um dem Markt ein vollständiges Bild zu geben."
Unicredit reagierte mit einer kurzen Mitteilung und betonte: "Wir äußern uns nicht zu Unterstellungen, denen eine sachliche Grundlage fehlt." Die Fakten seien so wie am Vortag berichtet. Die aggregierte Position mit Blick auf die Stimmrechte betrage etwa 43,2 Prozent und enthalte eine direkte Beteiligung von 26,8 Prozent. Bis jetzt seien 7,6 Prozent des Aktienkapitals von Commerzbank angedient worden.
Am Dienstag hatten die Italiener mitgeteilt, dass sie mit ihrer Übernahmeofferte für die Commerzbank die wichtige Marke von 30 Prozent der Anteile klar überschritten hätten. Commerzbank-Aktionäre hätten ihr Anteile im Umfang von 7,58 Prozent des Grundkapitals angedient. Nachdem das Geldhaus aus Mailand bisher schon 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien gehalten hatte, steige ihre Beteiligung damit rechnerisch auf 34,35 Prozent.
Mit ihrem freiwilligen Übernahmeangebot vom Mai vermeidet die Unicredit ein Pflichtangebot, das sonst beim Überschreiten der 30-Prozent-Marke vorgeschrieben ist und das angesichts des zuletzt gestiegenen Commerzbank-Aktienkurses wesentlich teurer geworden wäre. Statt Geld bietet die Großbank für jedes Commerzbank-Papier 0,485 Unicredit-Anteile.
Das ist auf Basis der jüngsten Schlusskurse weniger, als man für eine Commerzbank-Aktie derzeit an der Börse bekommt. Zusätzlich verfügt die Unicredit über Finanzinstrumente, mit denen sie auf eine Menge weiterer Commerzbank-Aktien zugreifen kann. 3,22 Prozent der Anteile kann Unicredit in jedem Fall kaufen, indem die Bank Kaufoptionen zieht. Die Großbank aus Mailand behält sich vor, die bis 16. Juni geltende Offerte bis 3. Juli zu verlängern. Die Unicredit hatte in einer Stellungnahme betont, sie werte die starke Resonanz auf die Offerte "als Beleg für den inneren Wert, den die Investoren in dem Übernahmeangebot der Unicredit erkennen".
Unicredit hatte im September 2024 einen Aktienverkauf des Bundes genutzt, um in großem Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Schnell etablierten sich die Italiener als mit Abstand größter Einzelaktionär der zweitgrößten deutschen Privatbank vor dem deutschen Staat. Unicredit, die bereits mit der Hypovereinsbank (HVB) in Deutschland aktiv ist, sieht bei einem Zusammenschluss Potenzial für milliardenschwere Einsparungen.
Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt für die Vorzüge größerer Banken und erhöhte am 5. Mai mit einem freiwilligen Kaufangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien den Druck. Management, Betriebsrat und Belegschaft der Commerzbank lehnen das aus ihrer Sicht "feindliche" Vorgehen von Orcel ab.
Aufsichtsrat und Vorstand der Commerzbank haben den Aktionären des Dax-Konzerns abgeraten, ihre Anteile an die Unicredit zu verkaufen - nicht zuletzt, weil das Angebot statt einer Übernahmeprämie einen Abschlag auf den aktuellen Kurs vorsieht. Wer seine Aktien Unicredit andiene, handle sich erhebliche Risiken ein, argumentiert die Commerzbank: Unicredit ist unter anderem eine der größten noch aktiven Auslandsbanken in Russland, auch wenn sie jüngst den Verkauf russischer Geschäftsteile eingeleitet hat.
Zudem ist nach Einschätzung der Commerzbank im Fall einer Übernahme mit einem deutlich größeren Stellenabbau zu rechnen als im Szenario einer Eigenständigkeit. Statt dem jüngst beschlossenen Abbau von weiteren 3.000 Vollzeitstellen bis 2030 sei im Unicredit-Szenario mit dem Verlust von bis zu 11.000 Jobs zu rechnen, sagte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Insgesamt sei der von der Unicredit vorgelegte Plan unrealistisch.
Die Commerzbank, die 2025 das beste operative Ergebnis ihrer Geschichte erzielt hat, will ihre Aktionäre mit der Aussicht auf steigende Gewinne und höheren Dividenden bei der Stange halten. Der Bund, der noch gut 12 Prozent der Anteile des Instituts, lehnt eine feindliche Übernahme der Commerzbank ebenfalls ab.
Hochtief
Die Aktie von Hochtief steigt wie von Experten erwartet in den Dax auf. Für das Papier des Baukonzerns muss die VW-Beteiligungsgesellschaft Porsche SE weichen und wird in den MDax aufgenommen, wie die Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx am späten Mittwochabend mitteilte.
Im Index der mittelgroßen Werte werden zudem die Aktien des Chipkonzerns Elmos Semiconductor, des Chipzulieferers Siltronic und des Halbleiterzulieferers Suss Microtec aufgenommen. Entfernt werden dafür neben dem Aufsteiger Hochtief die Titel der Onlineapotheke Redcare Pharmacy, des Werbevermarkters Ströer und des Gabelstapler-Herstellers Jungheinrich. Diese werden stattdessen im SDax notiert.
In den Index der kleinen Werte kommen zudem LPKF, Vincorion, Basler und Asta Energy Solutions. Entfernt werden neben den MDax-Aufsteigern Adesso, Borussia Dortmund, Verve und ProSiebenSat.1.
Die Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx überprüft die Indizes der Dax-Familie (Dax, MDax, SDax und TecDax) vierteljährlich. In Kraft treten etwaige Änderungen am Montag, dem 22. Juni.
Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes real nachbilden. Dort muss dann entsprechend umgeschichtet und umgewichtet werden, was Einfluss auf die Aktienkurse haben kann.
Siemens Energy
Der Energietechnikkonzern Siemens Energy hat mit dem im Mai angekündigten beschleunigten Aktienrückkauf im laufenden Geschäftsjahr 2025/26 begonnen. Bis zum 30. September sollen für bis zu eine Milliarde Euro eigene Papiere erworben werden, teilte das Unternehmen mit. Verwendet werden sollen die Aktien für Vergütungs- bzw. Belegschaftsprogramme. Der Rest soll eingezogen werden. Der Dax-Konzern hatte diesen Schritt bei der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal angekündigt.
In den zwölf Monaten bis Ende September sollen insgesamt eigene Anteile für bis zu drei Milliarden Euro zurückgekauft werden. Dies ist wiederum Teil eines sechs Milliarden Euro schweren Aktienrückkaufprogramms, das bis Ende des Geschäftsjahres 2027/28 läuft.
Die Geschäfte laufen derzeit bei dem Konzern rund, der bereits Ende April dank einer robusten Nachfrage deutliche Zuwächse bei Umsatz und Gewinn veröffentlicht und die Jahresprognose erhöht hatte. Der Krieg im Nahen Osten hat sich dabei den Angaben zufolge bislang nur sehr begrenzt auf Auftragseingang, Umsatz und Rentabilität ausgewirkt.
Der Kurs der Aktie befindet sich seit Ende 2023 auf einem Höhenflug. Mit einem Börsenwert von derzeit knapp 140 Milliarden Euro zählt Siemens Energy zu den wertvollsten Unternehmen Deutschlands.
Nachrichten International
Broadcom
Broadcom hat im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2025/26 einen Umsatz von 22,2 Milliarden Dollar erzielt – ein Plus von knapp 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und einen Überschuss von 9,3 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von 88 Prozent entspricht. Für das dritte Quartal stellt der Konzern einen Umsatz von rund 29,4 Milliarden Dollar in Aussicht, was 84 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum wäre und über dem Analystenkonsens liegt. Dennoch gab die Aktie nachbörslich bis zu 8 Prozent nach, da der KI-spezifische Teil des Ausblicks Anleger enttäuschte – obwohl die Papiere im regulären Handel zuvor noch ein neues Allzeithoch bei 495 Dollar erreicht hatten.
CrowdStrike übertrifft Erwartungen und kündigt 4:1-Aktiensplit an
Der Cybersicherheitskonzern CrowdStrike hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 Umsatz und Gewinn über den Analystenschätzungen gemeldet und die Jahresprognose für neue wiederkehrende Umsätze um über 50 Millionen Dollar angehoben. Besonders stark wächst das KI-gestützte Erkennungsprodukt AIDR, dessen ARR sich innerhalb eines Quartals mehr als verdreifacht hat. Zusätzlich kündigte CEO George Kurtz den ersten Aktiensplit in der Unternehmensgeschichte im Verhältnis 4:1 an – die Aktie verlor dennoch nachbörslich über 11 Prozent, was Marktbeobachter auf die zuletzt sehr hohe Bewertung zurückführen.
Bitcoin unter Druck: Strategy-Schulden und KI-Boom als Doppelbelastung
Analysten sehen Bitcoins Rückgang auf rund 65.000 Dollar durch zwei strukturelle Faktoren begünstigt: Strategys angespannte Bilanz nach dem Rückkauf eigener Schulden lässt Marktteilnehmer einen möglichen Zwangsverkauf von Bitcoin-Reserven befürchten, während Kapital aus Krypto-ETFs in KI-Aktien wie Micron und SK Hynix rotiert. Laut Wintermute fehlt Bitcoin derzeit eine überzeugende kurzfristige Kurserzählung, während KI-Unternehmen mit starken Quartalszahlen punkten können. Ein Rücktest der 60.000-Dollar-Marke gilt als möglich, solange keine positiven Makro-Impulse oder geopolitische Entspannung einsetzen.
Pershing Square gibt Übernahme von Universal Music auf – Kurs fällt
Bill Ackmans Investmentvehikel Pershing Square hat seine Pläne zur Übernahme von Universal Music Group für 56 Milliarden Euro nach deren Ablehnung aufgegeben und will nun rund 80,6 Millionen UMG-Aktien über Nacht am Markt platzieren – zu einem Preis deutlich unter dem zuletzt gehandelten Kurs. UMG hatte das Angebot von 30,40 Euro je Aktie als zu niedrig zurückgewiesen; insbesondere Großaktionär Vincent Bollore mit 18,5 Prozent Anteil hatte signalisiert, den Preis für unzureichend zu halten. UMG wird aktuell mit rund 35 Milliarden Euro bewertet – weit weniger als der angebotene Kaufpreis.
SpaceX peilt beim Rekord-Börsengang 75 Milliarden Dollar an
Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX hat seinen Ausgabepreis auf 135 Dollar je Aktie festgesetzt und strebt damit eine Gesamtbewertung von knapp 1,8 Billionen Dollar an – was den bisherigen Rekord-Börsengang von Saudi Aramco mit 29 Milliarden Dollar weit in den Schatten stellen würde. Musk würde durch den Börsengang theoretisch erstmals ein Billionenvermögen erreichen, behält aber durch Aktien mit erhöhtem Stimmrecht über 80 Prozent der Stimmrechte. Die Geschäftszahlen stehen in starkem Kontrast zur Bewertung: SpaceX verbuchte 2025 bei 18,7 Milliarden Dollar Umsatz einen Verlust von rund 4,9 Milliarden Dollar – Investoren setzen vor allem auf das Wachstumspotenzial von Starlink, Starship und dem integrierten KI-Geschäft durch xAI.
Enthält Material von dpa-AFX
Höufig gestellte Fragen
Warum gibt Broadcom nach traumhaften Quartalszahlen nachbörslich nach?
Broadcom meldete einen Quartalsumsatz von 22,2 Milliarden Dollar – ein Plus von knapp 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und stellte für das dritte Quartal einen Umsatz von rund 29,4 Milliarden Dollar in Aussicht. Dennoch fiel die Aktie nachbörslich bis zu 8 Prozent, weil der KI-spezifische Teil des Ausblicks die hohen Erwartungen der Anleger nicht vollständig erfüllte. Das zeigt, wie hoch die Messlatte für KI-Profiteure derzeit liegt: Starke Zahlen allein reichen nicht mehr – der Markt erwartet bei jedem Ergebnis eine neue Überraschung nach oben.
Was bedeutet der DAX-Aufstieg von Hochtief für Anleger?
Hochtief rückt in den DAX auf und ersetzt die Porsche SE, die in den MDax wechselt. Für Anleger ist das relevant, weil Index-Änderungen Fonds, die den DAX real nachbilden, zu Umschichtungen zwingen – was den Kurs des Aufsteigers kurzfristig stützen kann. Die Änderungen treten am 22. Juni in Kraft. Gleichzeitig werden im MDax Elmos Semiconductor, Siltronic und Suss Microtec neu aufgenommen, was den Halbleitersektor im Index weiter stärkt.
Wie realistisch ist die Bewertung von SpaceX beim geplanten Börsengang?
SpaceX hat den Ausgabepreis auf 135 Dollar je Aktie festgesetzt und strebt eine Gesamtbewertung von knapp 1,8 Billionen Dollar an – das würde den bisherigen Rekord-Börsengang von Saudi Aramco weit übertreffen. Dem stehen jedoch 2025 bei 18,7 Milliarden Dollar Umsatz rund 4,9 Milliarden Dollar Verlust gegenüber. Investoren setzen dabei fast ausschließlich auf das langfristige Wachstumspotenzial von Starlink, Starship und dem KI-Geschäft durch xAI – ein klassisches Wetten auf die Zukunft, das erhebliche Risiken birgt.