Viele Aktien stehen nahe ihres Allzeithochs und die Gewinne der Unternehmen sprudeln. Doch unter der ruhigen Oberfläche lauert laut Deutscher Bank eine bislang unterschätzte Gefahr für Anleger.
Die Börse zeigt sich weiterhin erstaunlich robust und viele Aktien notieren nahe ihren Allzeithochs. Doch nach Einschätzung der Deutschen Bank könnte sich unter der Oberfläche ein Risiko zusammenbrauen, das der Markt bislang unterschätzt: Der globale Zinserhöhungszyklus könnte deutlich stärker ausfallen als bislang erwartet. Die Hauptgründe sind steigende Rohstoffpreise, lockere Finanzierungsbedingungen und eine geringere Toleranz der Zentralbanken gegenüber der Inflation.
Notenbanken reagieren früher
Die Fed, EZB und Bank of Japan haben zuletzt allesamt die Leitzinsen angehoben. Anders als 2022 reagieren die Zentralbanken damit bereits bei deutlich niedrigeren Inflationsraten. Nach den Erfahrungen der Jahre 2021 bis 2023 wollen die Währungshüter offenbar vermeiden, erneut zu spät auf steigenden Preisdruck zu reagieren.
Hinzu kommt, dass die jüngsten Preissteigerungen bei Öl und Gas laut Deutscher Bank in vielen Inflationsdaten noch gar nicht vollständig angekommen seien. Brent-Öl notierte am Montag bei rund 100 Dollar je Barrel und damit weiterhin deutlich über dem Niveau von Juli und August.
Märkte bleiben erstaunlich robust
Trotz steigender Zinsen sind die Finanzierungsbedingungen vergleichsweise locker. Der S&P 500 liegt nur knapp unter seinem Rekordhoch und die Risikoaufschläge bei US-Hochzinsanleihen sind deutlich niedriger als zu Beginn des Zinserhöhungszyklus 2022.
Genau diese Widerstandsfähigkeit könnte den Zentralbanken zusätzlichen Spielraum für weitere Zinserhöhungen geben. Die Deutsche Bank erinnert zudem daran, dass Anleger den Umfang der Zinserhöhungen bereits 2022 deutlich unterschätzt hatten.
KI könnte Aktien stützen
Für Aktien müssen höhere Zinsen allerdings nicht zwangsläufig zum Problem werden. Wenn die Unternehmensgewinne robust bleiben und Künstliche Intelligenz für höhere Produktivität und Wachstum sorgt, könnten die Märkte steigende Zinsen besser verkraften als in früheren Zyklen.
Häufig gestellte Fragen:
Warum könnten die Zinsen stärker steigen als erwartet?
Steigende Rohstoffpreise und anhaltender Inflationsdruck könnten die Notenbanken zu weiteren Zinsschritten bewegen.
Warum sind starke Aktienmärkte dabei ein Risiko?
Robuste Börsen und lockere Finanzierungsbedingungen geben den Notenbanken mehr Spielraum, die Geldpolitik weiter zu straffen.
Sind höhere Zinsen automatisch schlecht für Aktien?
Nein. Bleiben Gewinne und Wirtschaftswachstum stark, könnten Aktien höhere Zinsen besser verkraften als in früheren Zyklen.