Der jahrelange Höhenflug der Momentum-Aktien könnte bald ein jähes Ende finden, warnen die Strategen der HSBC. Sie zeigen auch, wo Anleger jetzt ihr Geld in Sicherheit bringen können.
Der Momentum-Trade, der die Börsenentwicklung zuletzt dominiert hat, wird immer anfälliger für eine harte Trendumkehr. Davor warnen jedenfalls die Analysten der HSBC. Sie wappnen sich für eine große Rotation an den globalen Aktienmärkten.
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HSBC: Momentum-Faktor mit alarmierendem Signal
„Die Rally bei Momentum-Aktien seit Jahresbeginn war eine der stärksten, die wir je verzeichnet haben", betont Alastair Pinder, Leiter der Strategie für Schwellenmärkte und globale Aktien bei HSBC, amerikanischen Medienberichten zufolge. Der globale Long-versus-Short-Momentum-Faktor der Bank ist in den vergangenen drei Wochen bereits um 15 Prozent gefallen - und könnte dies noch weiter tun.
Pinder verweist dabei auf historische Präzedenzfälle: Demnach halten Trendumkehrungen typischerweise rund sechs Monate an, nachdem der Momentum-Faktor zuvor um 20 Prozent gestiegen ist. Laut HSBC legte der Faktor zuvor um 20 Prozent zu, bevor er nochmals um 25 Prozent kletterte – und ist damit „zunehmend anfällig für eine schärfere und nachhaltigere Trendwende".
Trotzdem zeigt sich der breitere Markt robust: Gleichgewichtete Indizes in den USA, den Schwellenmärkten und Europa legten im bisherigen Jahresverlauf um 12, 5 bzw. 10 Prozent zu. Diese Marktbreite stützt die HSBC-These, dass eine nachhaltige Verbreiterung der Kursgewinne durch die „fünf Cs" getragen wird: Corporate Earnings, Central Banks, Capex, Consumer und Capital Flows.
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Konsumgüter, Banken und Co.: Auf welche Werte die Analysten jetzt setzen
Bei den Unternehmensgewinnen unterschätze der Markt laut HSBC die Breite des Wachstums – trotz eines erwarteten S&P-500-Gewinnwachstums von 23 Prozent. Die US-Revisionsquote stieg auf 73 Prozent, den höchsten Stand seit 2021. Die Notenbanken wiederum schaffen mit einer jeweils 35-prozentigen Wahrscheinlichkeit für Zinsschritte von 25 und 50 Basispunkten Rückenwind für zyklische Sektoren. Konsum und Kapitalflüsse runden das Bild ab: Rückkäufe von 850 Milliarden Dollar und ETF-Zuflüsse von 550 Milliarden Dollar stützen den Markt zusätzlich.
Bei der Positionierung favorisiert HSBC deshalb zyklische US-Konsumgüteraktien – ohne Amazon und Tesla liegt das Forward-KGV des Sektors bei lediglich 16,6 – sowie US-Bankenwerte und europäische Zykliker wie Airlines, Hotels, Luxusgüter und Rüstung. In den Schwellenmärkten setzt die Bank auf Erholungswetten in Südafrika, Chile und Zentralosteuropa sowie Tiefwertchancen in Brasilien und der Türkei.
Momentum-Crash voraus? Wie Anleger reagieren sollten
Für Privatanleger bedeutet eine mögliche Momentum-Trendwende vor allem eines: Wer stark auf die großen Technologie- und Wachstumswerte konzentriert ist, sollte sein Portfolio kritisch überprüfen. Eine breitere Streuung über Sektoren und Regionen hinweg kann in einer Rotationsphase entscheidend sein. Konkret rücken, wie von HSBC schon skizziert, zyklische Werte – etwa aus den Bereichen Banken, Konsum und Industrie – sowie günstig bewertete Märkte in Schwellenländern in den Fokus.
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Häufige Fragen
Was ist der Momentum-Faktor und warum ist er gerade so wichtig?
Der Momentum-Faktor beschreibt die Tendenz von Aktien, kurzfristig in ihrer bisherigen Richtung weiterzulaufen – also: Gewinner bleiben Gewinner, Verlierer bleiben Verlierer. Investmentbanken und Hedgefonds nutzen diesen Faktor aktiv für ihre Anlagestrategien. Gerät er ins Wanken, kann das zu massiven Umschichtungen und erhöhter Volatilität an den Märkten führen.
Was bedeutet eine „Rotation" am Aktienmarkt für Privatanleger?
Eine Marktrotation bezeichnet die Verschiebung von Kapital aus einer Anlageklasse oder einem Sektor in einen anderen. Für Privatanleger kann das bedeuten, dass gut gelaufene Aktien – etwa Technologietitel – plötzlich unter Druck geraten, während bislang vernachlässigte Sektoren wie Banken oder zyklische Konsumgüter aufholen. Wer breit gestreut investiert ist, profitiert in solchen Phasen oft mehr als jemand, der stark auf einen einzigen Trend gesetzt hat.
Welche Rolle spielen Aktienrückkäufe für die Stabilität der Märkte?
Aktienrückkäufe sind ein wichtiges Instrument, mit dem Unternehmen überschüssige Liquidität einsetzen, um eigene Aktien vom Markt zu kaufen. Das reduziert die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien und steigert in der Regel den Gewinn je Aktie. Mit angekündigten Rückkäufen von 850 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr wirken sie als bedeutende Nachfragestütze – selbst in einem Marktumfeld mit Rekordneuemissionen.
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