Ein Tweet von Elon Musk auf „X“ bewegt mal wieder die Kurse – in beide Richtungen. Es geht darum, die KI-Rechenzentren schneller mit Strom zu versorgen. Und das, was Musk plant, betrifft auch Tesla – und Siemens Energy.
Elon Musk hat wieder einmal mit einem einzigen Post eine ganze Branche aufgescheucht. Besser gesagt: gleich mehrere. Diesmal geht es nicht um Autos oder Raketen, sondern um Strom, Gas, Solarenergie und Rechenzentren. In einem Post auf „X“ kündigte Musk am Wochenende an, SpaceX und Tesla würden jeweils 100 Gigawatt pro Jahr an Solarkapazität aufbauen. Denn Tesla betreibt, oft vergessen, seit der Übernahme von Solarcity im Jahr 2016 auch eine eigene Produktion von Solaranlagen und -speichern.
Musk denkt groß
Bis solche Solarkapazitäten verfügbar seien, benötige man aber eine Brückentechnologie, schrieb Musk weiter: Erdgas. Dort gebe es jedoch Engpässe; nicht nur bei den Gasreserven, sondern auch bei den Gasturbinen, insbesondere den tausenden kleinen Schaufeln, aus denen jede Turbine besteht.
Musk wäre nicht Musk, wenn er das Thema nicht groß denken würde: SpaceX, so seine Ankündigung, werde damit beginnen, selbst Gasturbinen-„Blades“ zu produzieren. Außerdem hat das Unternehmen auf seiner Website den Job eines Gashändlers ausgeschrieben, um Gas direkt am Weltmarkt einzukaufen statt beim örtlichen Versorger. Um an den begehrten Rohstoff zu kommen, würde Musk dem Vernehmen nach sogar noch weiter gehen – und selbst nach Gas bohren.
Heftige Kursbewegungen
Der Post löste gleich mehrere Kursreaktionen aus: Während die Tesla-Aktie in freudiger Erwartung von Gigawatt-Aufträgen für die Solarsparte von den Investoren um mehr als fünf Prozent in die Höhe geschossen wurde, stürzten die Kurse der Kraftwerksausrüster von GE Vernova und Siemens Energy am Montag ab und fielen am Dienstag weiter.
Dahinter steht die Befürchtung, dass SpaceX selbst Turbinen herstellen und den klassischen Produzenten damit Aufträge wegbrechen könnten.
Aber ist das realistisch? Phil Buller von JPMorgan sieht das ganz anders. Elon Musk habe bereits im Februar die Notwendigkeit angedeutet, Komponenten wie Laufschaufeln für Gasturbinen selbst zu fertigen, weil diese einen Engpass bei der Herstellung von Gasturbinen darstellten. Das sei also nicht wirklich neu. Auch Musk jüngster Post deute nicht darauf hin, dass SpaceX in den Markt für Gasturbinen als solchen einsteigen wolle. Es gehe lediglich um einzelne, knappe Bauteile.
Erstaunliches Kursziel
Mit Blick auf die Aktien von Siemens Energy schließt Buller aus den Aussagen eher auf eine steigende Nachfrage nach Gasturbinen. Gleichzeitig betreffe dieser Bereich ohnehin lediglich zehn Prozent der Konzernumsätze. Die Anlagestory von Siemens Energy werde woanders geschrieben, so Buller. Der Analyst beließ sein Votum deshalb auf „Overweight“ und bestätigte sein Kursziel von 245 Euro. Bezogen auf den aktuellen Kurs der Siemens-Energy-Aktie, der am Dienstagnachmittag knapp unter 141 Euro notierte, entspricht das einem Potenzial von 74 Prozent.
Dass sich Musk so äußert, zeigt, wie gigantisch der Energiehunger des KI-Booms inzwischen geworden ist. Wenn SpaceX darüber nachdenkt, wie man die Errichtung von Gaskraftwerken beschleunigen könnte und gar den Einstieg in den Gashandel erwägt, geht das weit über bisher bekannte KI-Geschäftsmodelle hinaus.
Nach Angaben des Nachrichtenportals Business Insider macht SpaceX bereits ernst: Die Firma habe Stellen für eine Fabrik in Bastrop, Texas, ausgeschrieben, die „Schaufeln“ und „Flügel“ für Gasturbinen herstellen soll.
Was Anleger daraus ableiten können
Die Ankündigung zeigt, dass der KI-Boom weiter Branchen in seinen Bann zieht. Ging es anfangs vor allem um die Chips, entsteht nun ein wachsender Nachfrage-Sog auf Gas-Turbinen-Hersteller sowie Anbieter von Solaranlagen und Solarstromspeichern. Davon profitieren natürlich Musk-nahe Aktien wie Tesla und SpaceX. Insbesondere Teslas Energie-Segment mit Solarmodulen und Batteriespeichern könnte tatsächlich zu einem wichtigen Profiteur des KI-Rechenzentrum-Booms werden.
Doch es könnte noch viel mehr Gewinner geben – auch unter denen, deren Aktien jetzt fallen. Denn der Mangel an Stromkapazität ist real, und er wird anhalten. Wenn ein Konzern wie SpaceX ernsthaft beginnt, eigene Fertigung für kritische Energieteile aufzubauen, dann ist das ein Frühindikator dafür, dass der Markt noch sehr viel größer werden könnte als die bisherige Euphorie vermuten lässt.
Das sind die Ausrüster der 2. KI-Welle
Mit dem Next Generation Silicon Index bildet BÖRSE ONLINE einen Zukunftssektor ab, dessen Wachstum maßgeblich durch den Ausbau von KI-Rechenzentren, die steigende Cloud-Nutzung und die weltweite Nachfrage nach Hochgeschwindigkeitsnetzen getrieben wird. Anleger, die von diesem langfristigen Datenboom profitieren wollen, finden hier einen gebündelten Zugang zu den Anbietern der Technologien, die das überhaupt erst möglich machen.
Hier mehr erfahren
Häufige Fragen zum Thema
Warum will Elon Musk mit SpaceX selbst Gasturbinen bauen?
Zu SpaceX gehört auch der KI-Hyperscaler xAI. Dieser benötigt für seine Rechenzentren sehr viel Energie. Diese werden klassischen Versorger aber bei einem unveränderten Ausbautempo der KI-Branche schon bald nicht mehr bereitstellen können. der Aufbau neuer Kraftwerke für die Stromversorgung stockt, weil zum Beispiel die Lieferzeiten für Gasturbinen mitllerweile bei meheren Jahren liegen. Musk hatte deshalb bereits ein Gaskraftwerk an einem nicht näher genannten Ort in in Europa gekauft, das er in den USA wieder aufbauen lassen will. Jetzt will er selbst Komponenten für Gasturbinen herstellen, um den Lieferengpass aufzulösen.
Wie groß ist das Solargeschäft von Tesla?
Das reine Solargeschäft von Tesla ist im Vergleich zur Automobilsparte und dem boomenden Batteriespeicher-Sektor verhältnismäßig klein und stagniert seit Jahren. Der übergeordnete Geschäftsbereich „Energy Generation and Storage“ erzielte zwar im Jahr 2025 einen Gesamtumsatz von 12,8 Milliarden US-Dollar, wird aber bislang fast ausschließlich von den Verkäufen von Großbatterien (Megapack) und Heimspeichern (Powerwall) getrieben.
Wieviel Umsatz macht Siemens Energy mit Gasturbinen?
Die Gatsurbinen sind ein Teil des Siemens-Geschäftsfelds "Gas Services". Dieses gilt als der wichtigste Umsatzträger des Konzerns und umfasst auch Dampfturbinen für große Kraftwerke sowie die dazugehörigen Serviceleistungen. Im Geschäftsjahr 2025 machte die Sparte rund 12,07 Milliarden Euro Umsatz von insgesamt 39,1 Milliarden Euro Konzernumsatz.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SpaceX, Tesla.