Dieser Traditionskonzern erfindet sich gerade neu: Mit der Serienproduktion von Militärrobotern steigt der Spezialist für Verbrennungsmotoren tiefer in den wachstumsträchtigen Defense-Sektor ein. Die Aktie dürfte von der Transformationsstory profitieren.

Deutz setzt auf Wachstum jenseits des klassischen Verbrennungsmotors und erschließt sich zukunftsträchtige Märkte wie den Energie- und Verteidigungssektor. Das Kölner Unternehmen plant, den Rüstungskonzerns FFG Flensburger Fahrzeugbau GmbH aus Schleswig-Holstein  zu übernehmen und baut damit die eigene Position im Verteidigungsbereich aus. Mit einem Kaufpreis von rund 1,6 Milliarden Euro handelt es sich um die größte Akquisition der Firmengeschichte. Die Transaktion, der noch die Hauptversammlung und die Kartellbehörden zustimmen müssen, soll Ende des laufenden oder Anfang des kommenden Jahres abgeschlossen werden. 

Bereits Anfang der Woche hat Deutz mit der Ankündigung, gemeinsam mit Arx Robotics die erste Serienproduktion des unbemannten Bodensystems „Gereon“ zu starten, ein weiteres sichtbares Zeichen für den eigenen Umbau gesetzt. Geplant ist, die ersten Exemplare der am Standort Ulm gefertigten Systeme, bereits im Spätsommer an die Ukraine auszuliefern. Deutz war bereits im Oktober vergangenen Jahres eine strategische Partnerschaft mit dem DefenseTech-Unternehmen Arx Robotics eingegangen. Der Start der Serienproduktion zeigt, wie sich Deutz vom klassischen Verbrennerbauer hin zu einem breiter aufgestellten Anbieter von Antriebs-, Energie- und Systemlösungen entwickelt.

Als älteste Motorenfabrik der Welt war der Name Deutz bislang untrennbar mit dem Geschäft von Verbrennungsmotoren verbunden. Die Motoren stecken vor allem in Bau- und Landmaschinen, Gabelstaplern, Nutzfahrzeugen und stationären Anwendungen. Damit ist Deutz tief im Off-Highway-Geschäft verwurzelt, also in einem Marktumfeld außerhalb des normalen Straßenverkehrs. In diesem Umfeld hat die Marke über Jahrzehnte Vertrauen aufgebaut – ist aber auch stark abhängig von zyklischen Branchen wie Bau, Landwirtschaft und Industrie. 

Breitere Aufstellung der „nächsten Deutz“

Genau diese Abhängigkeit will das Unternehmen seit einigen Jahren verringern. Mit der Strategie „Next Deutz“ hat der Konzern seine Organisation in fünf Business Units gegliedert: Engines, Service, Energy, NewTech und Defense. Die Einheiten treten jeweils mit eigenen Sub-Marken auf und sollen ihr Profil unter der Dachmarke Deutz schärfen. Das Ziel: Während das klassische Motorengeschäft das Fundament bleibt, liefern neue Felder zusätzliche Wachstumstreiber. Aus einem reinen Motorenbauer soll Schritt für Schritt ein Anbieter von Antriebs-, Energie- und Systemlösungen werden. „Deutz ist heute breiter aufgestellt als noch vor wenigen Jahren. Wir haben unser Portfolio erweitert, neue Märkte erschlossen und unsere technologische sowie industrielle Kompetenz auf Bereiche ausgedehnt, die über das klassische Motorengeschäft hinausgehen“, sagt Konzernchef Sebastian Schulte.

Besonders deutlich wird diese Neuausrichtung in der Business Unit Defense. Die Partnerschaft mit Arx Robotics ist dabei nur ein Baustein – allerdings ein wichtiger: Sie verbindet die Antriebstechnik von Deutz mit der softwarebasierten Plattform Mithra OS des Münchner Defense-Tech-Unternehmens. Ziel ist der Einsatz in unbemannten Landsystemen wie „Gereon“. Dass daraus nun die erste Serienproduktion wird, unterstreicht, dass Deutz seine Rolle nicht mehr nur als Zulieferer klassischer Motorentechnik versteht, sondern als industrieller Partner für komplexe Systeme.

Wachsmarkt Energie

Auch abseits des Verteidigungsgeschäfts baut das Kölner Unternehmen sein neues Profil mit Zukäufen und Kooperationen aus. Im Energiesektor erfolgten in kurzer Folge mehrere Akquisitionen. Der Einstieg in die dezentrale Energieversorgung begann 2024 mit der Übernahme des US-Anbieters Blue Star Power Systems. Mit Frerk Aggregatebau sicherte sich DEUTZ zudem Zugang zu leistungsfähigen Notstromsystemen, die vor allem in kritischen Infrastrukturen wie Rechenzentren gefragt sind. Der geplante Erwerb von Maxi Trust Power in Brasilien soll den Konzern zusätzlich in Lateinamerika stärken und das Energiegeschäft geografisch ausweiten. Deutz erwartet daraus zusätzlich profitablen Umsatz in einer Größenordnung von rund 40 Millionen Euro.

Auch in der Business Unit NewTech treibt der Konzern den Wandel voran. Dort bündelt Deutz alternative Antriebslösungen wie Batteriespeichersysteme, E-Antriebe und Hybrid-Ladelösungen. Verstärkt wurde der Bereich im vergangenen Jahr durch die Übernahme von UMS, einem Spezialisten für batterieelektrische Off-Highway-Antriebe. Ergänzt wird das durch die Übernahme von Sobek, mit der sich Deutz Know-how bei hochintegrierten elektrischen Antrieben für unbemannte Systeme gesichert hat.

Die operative Entwicklung liefert der Transformation Rückenwind. Im jüngsten Quartal stieg der Umsatz um 8,4 Prozent auf 530 Millionen Euro, das bereinigte EBIT legte um 45,7 Prozent auf 37,3 Millionen Euro zu. Die bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich auf 7,0 Prozent nach 5,2 Prozent im Vorjahreszeitraum. Dass Deutz damit sogar in einem saisonal eher schwachen Quartal eine Rendite erreichte, die über dem Niveau des traditionell starken Schlussquartals lag, unterstreicht die Fortschritte im operativen Geschäft.

Motorengeschäft bleibt stark

Auch beim Auftragseingang setzte sich die positive Entwicklung fort. Er stieg um 41,2 Prozent auf 771 Millionen Euro. Treiber waren vor allem die Business Units Service und Energy. Aber auch im traditionellen Motorengeschäft, das heute in der Business Unit Engines organisiert ist, zeigten sich Erholungstendenzen – insbesondere in der Bau- und Landtechnik. Das zeigt: Das Kerngeschäft trägt weiter, während neue Geschäftsfelder zunehmend messbar zum Wachstum beitragen.

Die Prognose für das Gesamtjahr hat Deutz vor dem Hintergrund der guten Zahlen bestätigt. Der Konzern rechnet 2026 mit einem Umsatz zwischen 2,3 und 2,5 Milliarden Euro und einer bereinigten EBIT-Marge von 6,5 bis 8,0 Prozent. Noch ambitionierter sind die mittelfristigen Ziele: Bis 2030 soll der Umsatz auf rund vier Milliarden Euro steigen, die bereinigte EBIT-Marge auf zehn Prozent.

Eine genauere Analyse der Chancen und Risiken, die die Deutz-Aktie bietet, und der Frage, ob sich ein Kauf lohnt, finden Sie in Ausgabe 26/2026 von BÖRSE ONLINE.

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Häufig gestellte Fragen

Was will Deutz mit seiner Transformation erreichen?

Deutz will das klassische Motorengeschäft als Basis behalten, aber mit Energie-, Defense- und NewTech-Geschäft neue Wachstumstreiber aufbauen.

Warum ist der Start der „Gereon“-Produktion für Deutz so bedeutend?

Die Serienproduktion der „Gereon“-Bodensysteme ist ein sichtbares Beispiel, dass Deutz seine Antriebstechnik zunehmend in neue Geschäftsfelder überführt und sich breiter als Systemanbieter aufstellt.

Welche neuen Geschäftsfelder erschließt sich Deutz neben dem Verteidigungssegment? 

Wichtig sind vor allem das Energiegeschäft und alternative Antriebe im Bereich NewTech. Um seine Position in diesen Märkten auszubauen, hat Deutz in den vergangenen Jahren mehrere Akquisitionen getätigt.