Das neue Altersvorsorgedepot soll die unbeliebte Riester-Rente ab 2027 ersetzen. Auch Riester-Sparer können dann zum neuen Angebot wechseln – doch das lohnt sich nicht immer.
Wer riestert, steht ab dem kommenden Jahr vor einer schwerwiegenden Entscheidung: Wenn das neue Altersvorsorgedepot startet, können Riester-Sparer ihren Vertrag behalten oder zum neuen Angebot wechseln und ihre Förderung mitnehmen. Ein Überblick.
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Was unterscheidet Riester und Altersvorsorgedepot?
Der klassische Riester-Vertrag setzt auf Sicherheit: Zum Beginn der Auszahlungsphase sind die eingezahlten Beiträge und Zulagen grundsätzlich garantiert. Dafür wird das Geld oft vorsichtiger angelegt; hohe Gebühren schmälern die Rendite meist zusätzlich. Verbraucherschützer kritisieren die Riester-Rente seit Jahren als zu teuer, renditeschwach und ineffizient. Bei der Auszahlung müssen außerdem grundsätzlich mindestens 70 Prozent des Guthabens in eine lebenslange Rente fließen.
Beim Altersvorsorgedepot ist es möglich, stärker in Aktien und ETFs investieren. Das eröffnet höhere Renditechancen, bedeutet allerdings auch: Der Depotwert kann zwischenzeitlich sinken. Es soll aber ebenso Garantie-Produkte geben. Für Standarddepots ist eine Kostenobergrenze von einem Prozent des Kapitals pro Jahr vorgesehen; die tatsächlichen Gesamtkosten sollten Sparer trotzdem prüfen. Bei der Auszahlung soll mehr Wahlfreiheit gelten – etwa zwischen einem Auszahlungsplan mindestens bis zum 85. Lebensjahr und einer lebenslangen Rente. Auch bei den staatlichen Zulagen gibt es Unterschiede - statt dem Einkommen sind dann die Einzahlungen entscheidend.
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Was passiert mit dem bestehenden Riester-Vertrag?
Erst einmal nichts, wenn Sie nichts unternehmen. Der Vertrag wird durch die Reform nicht von selbst beendet oder umgestellt. Sparer können ihn grundsätzlich nach den bisherigen Regeln weiterführen, beitragsfrei stellen oder – sobald die konkreten Angebote und Übertragungsregeln feststehen – das Guthaben in einen neuen geförderten Vertrag übertragen.
Bei einer Übertragung sollen bisherige Zulagen und Steuervorteile erhalten bleiben; Wechsel- oder Abschlusskosten können trotzdem anfallen. Eine komplette Kündigung sollte man sich dagegen gut überlegen – denn diese kann teuer werden, weil der Staat Förderungen zurückfordern kann.
Im neuen Altersvorsorgedepot gilt dann: Für neue Beiträge ist eine Grundzulage von bis zu 540 Euro im Jahr vorgesehen – 50 Cent je eingezahltem Euro auf die ersten 360 Euro, danach 25 Cent bis zu einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro. Für Kinder gibt es zusätzlich bis zu 300 Euro jährlich. Wie attraktiv das ist, hängt also auch davon ab, wie viel man einzahlt und wie viele Kinder berücksichtigt werden.
Wann kann sich der Wechsel lohnen?
Ein Wechsel kann besonders interessant sein, wenn der alte Riester-Vertrag hohe laufende Kosten hat, Garantien die Renditechancen begrenzen und noch viele Jahre bis zum Ruhestand bleiben. Das neue Angebot sollte allerdings tatsächlich günstig sein – und man muss bereit sein, Börsenschwankungen auszuhalten.
Das Verbraucherportal "Finanztip" nennt als Anhaltspunkt: Wer mehr als 300 Euro im Jahr selbst einzahlen muss, um die volle Riester-Zulage zu erhalten, sollte einen Wechsel in das Altersvorsorgedepot prüfen. Eine pauschale Wechselregel ist das aber nicht, da weitere individuelle Faktoren eine Rolle spielen - beispielsweise sind mit dem neuen Altersvorsorgedepot höhere Renditen möglich und man muss in der Regel (Angebote prüfen!) mit weniger Gebühren rechnen. Das lohnt sich vor allem für Jüngere.
Wann kann Riester die bessere Wahl sein?
Wer wenig verdient und mehrere Kinder hat, kann im alten System besonders stark gefördert werden. Das Informationsportal „Ihre Vorsorge“ rechnet vor: Eine Teilzeitbeschäftigte mit niedrigem Verdienst und zwei Kindern kann bei 60 Euro Eigenbeitrag im Jahr 775 Euro Riester-Zulagen erhalten. Bei einem Eigenbeitrag von 120 Euro käme sie im neuen System dem Beispiel zufolge nur auf 300 Euro Förderung.
Auch ein günstiger Altvertrag mit hohen Garantien oder ein naher Rentenbeginn kann dafür sprechen, nicht vorschnell zu wechseln. Bei Wohn-Riester sollte man die Übertragungsmöglichkeiten erst mit dem Anbieter klären.
Worauf es für Riester-Sparer ankommt:
Sie sollten nicht vorschnell wechseln oder gar kündigen, bevor die Folgen klar sind. Vergleichen Sie in Ruhe Förderquote und Steuervorteil, alle Vertrags- und Depotkosten, Garantien, mögliche Wechselkosten und die Auszahlungsregeln. Wer wechseln möchte, kann die Übertragung in der Regel einfach beim neuen Anbieter beantragen. Dieser stößt dann – sofern er Riester-Guthaben übernimmt – den Wechsel mit dem bisherigen Anbieter an.
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Häufige Fragen
Muss ich meinen Riester-Vertrag kündigen, wenn das Altersvorsorgedepot startet?
Nein. Bestehende Riester-Verträge werden nicht automatisch beendet oder umgestellt. Sie können grundsätzlich weitergeführt, beitragsfrei gestellt oder – wenn die Voraussetzungen erfüllt sind – in einen neuen geförderten Vertrag übertragen werden.
Bleiben meine Riester-Zulagen bei einem Wechsel erhalten?
Bei einer förderunschädlichen Übertragung sollen die bisher erhaltenen Zulagen und Steuervorteile erhalten bleiben. Es können jedoch Wechsel- oder Abschlusskosten anfallen. Eine Kündigung kann dagegen eine Rückforderung der Förderung auslösen.
Für wen lohnt sich der Wechsel ins Altersvorsorgedepot?
Eher prüfen sollten den Wechsel Sparer mit einem teuren Riester-Vertrag, langer Zeit bis zum Ruhestand und einer hohen Bereitschaft, Wertschwankungen auszuhalten. Wer durch ein geringes Einkommen und mehrere Kinder hohe Riester-Zulagen erhält oder einen günstigen Vertrag mit wertvollen Garantien hat, für den könnte sich das alte Modell mehr lohnen. Entscheidend ist der individuelle Vergleich von Förderung, Kosten und Auszahlungsregeln.