Üppige Auslandsdividenden sind eine feine Sache, hohe Abzüge bei der Quellensteuer und Ärger beim Erstattungsverfahren nicht. Was Aktionäre bei Ausschüttungen belgischer Unternehmen beachten sollten. Von Michael Schreiber und Stefan Rullkötter

Keine Anrechnung, nur geringer Freibetrag

In Belgien fällt der Quellensteuerabzug mit 30 Prozent happig aus. Deutsche Depotbanken rechnen davon nichts mehr auf die deutsche Abgeltungsteuer an, kassieren zusätzlich volle 25 Prozent plus Soli-Zuschlag und eventuell Kirchensteuer (zusammen bis zu 27,99 Prozent). Der Grund: Im westlichen Nachbarland gilt seit Jahresanfang 2023 eine Steuerbefreiung für Dividendenerträge bis zur Höhe von  800 Euro jährlich.

Eine aktuelle Übersicht zu Quellensteuern in EU-Ländern in dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE

Schlechter Service für Anleger

Quellensteuer behalten die belgischen Behörden aber  dennoch ein. Deutsche Anleger müssen die gesamte Quellensteuer in Brüssel zurückfordern. Dort werden betroffene deutsche Anleger aber  komplett im Regen stehen gelassen. Über das Bonner Bundeszentralamt für Steuern kann man zwar das mehrsprachig abgefasste belgische Erstattungsformular gratis herunterladen. 

Wer dieses Formular ausfüllt, erhält von den belgischen Behörden jedoch nur die Hälfte der einbehaltenen belgischen Quellensteuer zurückerstattet. Der Vordruck ist schlicht zu alt und nicht an das seit 2023 geltende neue System angepasst. Anleger werden von niemandem auf dieses Dilemma hingewiesen. 

So gibt es die volle Erstattung

BÖRSE ONLINE hat bei den belgischen Behörden nachgefragt, wie deutsche Anleger ihre Quellensteuern in voller Höhe zurückerhalten können. Dazu muss der Anleger per Post oder E-Mail eine unterschriebene Beschwerde an folgende Adresse senden: p.brussel@minfin.fed.be. 


Dabei beruft man sich als Anleger mit deutschem Wohnsitz auf die volle Rückerstattung belgischer Quellensteuern auf Dividenden nach Artikel 376/1 CIR/92. Beifügen muss man der E-Mail noch den ­Dividendenbeleg oder die Gutschriftanzeige der Depotbank, ­einen Kontoauszug, aus dem erkennbar wird, auf welches Konto die Erträge gutgeschrieben wurden, und eine Bescheinigung des örtlichen Finanzamts über den steuerlichen Wohnsitz in Deutschland. 

Kurze Verjährungsfrist

Viel Zeit sollte man sich nicht lassen, die Belgier rücken die Quellensteuer für das Jahr 2025 nur heraus, wenn die Beschwerde bis 31. Dezember 2026 eingeht.

Dividendenstarke Belgien-Aktien

Die fünf führenden Dividenden-Blue-Chips in Belgien, gemessen an ihrer Dividendenrendite innerhalb des belgischen Leitindexes BEL 20, sind:

 Solvay SA (Chemicals) – ca. 9,1 % Dividendenrendite
 Proximus SA (Telekommunikation) – ca. 6,7 % bis 9,4 % Dividendenrendite
 Cofinimmo SA (Immobilien/REIT) – ca. 6,2 % bis 6,5 % Dividendenrendite
 Groupe Bruxelles Lambert SA / GBL (Holding/Finanzen) – ca. 4,6 % bis 6,1 % Dividendenrendite
 Ageas SA/NV (Versicherung) – ca. 3,5 % bis 5,4 % Dividendenrendite  


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