Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag den Leitzins angehoben, um die Inflation einzudämmen. BÖRSE ONLINE erklärt, was der Zinsentscheid für Sparer, Anleger und Kreditnehmer bedeutet. 

Sie haben es tatsächlich getan: Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) haben am Donnerstag erstmals seit drei Jahren den Leitzins um einen Viertelpunkt angehoben: von bisher 2,0 auf nun 2,25 Prozent. „Der EZB-Rat ist fest entschlossen, seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert. Im Einklang damit hat er heute beschlossen, die drei Leitzinssätze der EZB um jeweils 25 Basispunkte anzuheben“, schrieb die EZB dazu in ihrem Pressestatement. Experten hatten den Schritt schon erwartet, denn der Inflationsdruck wird einfach zu groß.

Durch den Krieg im Nahen Osten entstehe Druck auf die Inflation, teilte die EZB mit. Der Beschluss zur Zinsanhebung sei „robust gegenüber einer Bandbreite von Szenarien“. Im Basisszenario gehen die Fachleute des Eurosystems in ihren neuen Projektionen nun davon aus, dass die durchschnittliche Gesamtinflation 2026 bei 3,0 Prozent liegen wird und erst 2027 wieder auf 2,3 Prozent sinken kann. 2028 soll sie dann den Zielwert von zwei Prozen erreichen.

Die Folgen der Zinserhöhung für Verbraucher und Unternehmen

 Die gute Nachricht: Sparer können nun mit höheren Zinsen auf ihre Guthaben auf Sparbüchern, Tagesgeld- und Festgeldkonten rechnen. 

Die schlechte Nachricht: Weil die Inflation zuletzt ebenfalls gestiegen ist, gibt es weiterhin nur sehr wenige Sparkonten, die einen positiven Realzins aufweisen (die Differenz zwischen Nominalzins und Inflation) und somit die Kaufkraft des Vermögens erhalten. Die Inflation schlagen können Anleger weiterhin nur mit einem Investment an der Börse.

Die zweite schlechte Nachricht: Auch Kredite und Leasingangebote werden jetzt teurer. Es ist zu erwarten, dass das auch für die Bauzinsen gilt, obwohl deren Niveau nicht direkt vom Leitzins abhängt, der hauptsächlich auf die kurzfristigen Zinsen wirkt.

Die Banken geben Zinsänderungen normalerweise mit Verzug an Kunden weiter. Höhere Zinsen bedeuten, dass sich Kredite verteuern; aber auch die Sparzinsen auf Tagesgeld- und Festgeld-Konten steigen. 

So wirkt sich die Leitzins-Erhöhung der EZB auf Ihre Kredite aus

In den nächsten Wochen dürften die Zinsen für Ratenkredite mit eher kurzer Laufzeit steigen. Auch Leasingangebote, die ebenfalls am Zinsniveau hängen, könnten betroffen sein. Keine gute Nachricht für alle, die zum Beispiel die Anschaffung eines Autos planen. planen. 

Die langfristigen Zinsen, etwa für Baufinanzierungen, orientieren sich dagegen weniger an den Leitzinsen, sondern an den langfristigen Renditen am Anleihenmarkt. Da die Renditen für deutsche Bundesanleihen zuletzt ebenfalls gestiegen sind, ist aber auch bei den Bauzinsen ein weiterer Anstieg zu erwarten.

Bei auslaufenden Immobilienkrediten stellt sich jetzt die Frage, wie es nach dem Ende der Zinsbindung weitergeht. Da der ersten Zinserhöhung im Jahresverlauf womöglich weitere folgen werden, sollten Hausbesitzer, deren Darlehen auslaufen, sich jetzt über die Konditionen für Forward-Darlehen informieren. Ob ein Forward-Darlehen – also die vorzeitige Zusage für eine Anschlussfinanzierung zu einem festgeschriebenen Zinssatz – sinnvoll ist, kann nur im Einzelfall entschieden werden. Vorrangiges Ziel sollte immer sein, die Finanzierung abzusichern, um den Erhalt der Immobilie nicht zu gefährden, raten Verbraucherschützer.

Dass die Zinsen für geliehenes Geld steigen, ist von der Notenbank gewünscht, um die Nachfrage zu bremsen und so die Inflation abzukühlen.

Das bedeutet die Leitzins-Erhöhung für Sparerinnen und Sparer

Viele Geldhäuser hatten bereits in den vergangenen Wochen damit begonnen, ihre Zinsen schrittweise anzuheben. Auslöser dafür war vor allem der Eintritt der US-Bank Chase in den deutschen Markt. Die Direktbank der US-Großbank J.P. Morgan bietet Neukunden vier Prozent Zinsen per annum, garantiert für vier Monate und setzte dadurch die einheimische Konkurrenz unter Zugzwang. Mittlerweile haben zahlreiche Institute reagiert und den Abstand zu Chase wieder verringert. Zum Teil wurden dabei sogar die Bestandskundenzinsen angehoben – ein seltener Schachzug.

Selbst die Sparkassen bewgen sich jetzt bei den Tagesgeldzinsen, wie eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox von über 800 Banken.ergab: Bei einigen Sparkassen gebe es jetzt Tagesgeldangebote mit befristeten Aktionszinsen von mehr als drei  Prozent. 

Bei anderen Anbietern wie dem Neobroker Trade Republic hängt die Verzinsung auf dem Verrechnungskonto direkt am Leitzins. Sie geben die Zinserhöhung daher meist schon am Folgetag an ihre Kunden weiter.

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Nach der heutigen Leitzinserhöhung ist zu erwarten, dass noch sehr viel mehr Institute in den kommenden Tagen ihre Tagesgeldzinsen anheben. Auch bei Festgeldkonten sind jetzt wieder höhere Zinsen möglich – zumindest bei den kürzeren Laufzeiten über 12 oder 24 Monate.

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Vorsicht bei den Dispo-Zinsen

Erstaunlich viele – auch gut verdienende – Verbraucher überziehen regelmäßig ihr Girokonto oder bestreiten ihren Lebensunterhalt sogar kontinuierlich aus dem Minus. Das ist kostspielig – und es wird jetzt noch teurer. Denn die Nutzung des sogenannten Dispositionsrahmens oder Dispokredits lassen sich Banken und Sparkassen gut bezahlen. Nicht selten sind die Zinsen auf den Saldo sogar zweistellig.

Steigt der Leitzins, erhöhen sich auch diese Dispozinsen weiter. Wer absehen kann, dass er oder sie seinen Dispokredit nicht innerhalb weniger Monate abbezahlen kann, sollte mit der Bank sprechen und eine sogenannte Rückführungsvereinbarung treffen. Oft macht es Sinn, den teuren Dispokredit durch einen günstigeren Ratenkredit abzulösen – allerdings nur, wenn danach das Girokonto nicht sofort erneut ins Minus wandert.

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Das bedeutet die Zinsentscheidung für die Börsen

Steigende Zinsen bremsen meist auch die Börsenkurse ab. Das hat mehrere Gründe:

Zum einen bieten höhere Zinsen eine sichere Alternative zu vermeintlich unsicheren Renditen aus Aktieninvestments. Daher schichten manche Anleger nach einer Leitzinserhöhung einen Teil ihres Portfolios auf Zinsprodukte um.

Außerdem spielt der Zins bei der Berechnung der fairen Kurse von Aktien eine Rolle. Die Kurse stellen nämlich in der Finanzierungstheorie den Barwert aller künftigen ausgeschütteten Gewinne dar. Steigt der Zins, werden Erträge, die in der Zukunft liegen, aus heutiger Sicht weniger wert – deshalb muss auch der Börsenkurs der zugehörigen Aktie sinken. Ähnlich verhält es sich übrigens mit den Kursen von Anleihen, die bereits auf dem Markt sind. Auch ihre Kurse sinken, weil künftige Coupons aus heutiger Sicht jetzt weniger wert sind.

Zuletzt kann eine Abschwächung der allgemeinen Nachfrage, die die EZB in Kauf nimmt, auf die Absatzzahlen und damit die Umsätze der Unternehmen drücken. Wachsen ihre Umsätze und Gewinne nicht mehr so schnell wie bisher prognostiziert, sinken ebenfalls die Börsenkurse. Es sei denn, die Entlastung auf der Kostenseite fällt ähnlich hoch aus.

Trotzdem müssen Anleger nicht aus den Märkten austeigen, nur weil die Notenbank die Zinsen erhöht – im Gegenteil. Vor allem für langfristige Anleger und ETF-Sparer bieten sich nun womöglich wieder günstigere Einstiegskurse. Die besten Anlageideen erhalten Sie Woche für Woche in der Heftausgabe von BÖRSE ONLINE

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Häufige Fragen zum Thema

Was ist der Leitzins uns was beeinflusst er?

Der Leitzins ist der von einer Zentralbank (in Europa die EZB) festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei der Notenbank leihen oder dort anlegen können. Er ist das wichtigste Instrument der Geldpolitik zur Steuerung der Wirtschaft, denn er beeinflusst gleichzeitig die Kosten für Kredite und Bauzinsen, die Zinsen auf Sparguthaben, die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen und damit indirekt die Inflation. Da das Hauptziel der Zinspolitik einer Notenbank die Preisstabilität ist, wird bei hoher Inflation der Leitzins angehoben, um die Wirtschaft abzukühlen und den Preisanstieg zu stoppen. Schwächelt die Wirtschaft, wird der Leitzins oft gesenkt um die Nachfrage nach Krediten zu erleichtern und so neue Investitionen auszulösen.

Auch wenn oft nur von dem „Leitzins der EZB“ die  ist, gibt es tatsächlich drei verschiedene Leitzinssätze: den Hauptrefinanzierungssatz (derzeit 2,3 Prozent), den Spitzenrefinanzierungssatz (derzeit 2,5 Prozent) und den Einlagesatz (2,25 Prozent

Wie oft entscheidet die EZB über den Leitzins?

Die Europäische Zentralbank (EZB) überprüft ihre Leitzinsen in der Regel alle sechs Wochen und entscheidet im EZB-Rat darüber, ob eine Anpassung notwendig ist. Eine Änderung erfolgt jedoch nur dann, wenn es die wirtschaftliche und finanzielle Lage erfordert.

Wann wurde der Leitzins der EZB zuletzt gesenkt?

Der EZB-Rat hat den Hauptrefinanzierungssatz in den Jahren 2024 und 2025 auf zuletzt 2,15 Prozent gesenkt. Der Einlagezinssatz liegt seitdem bei 2,0 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,4 Prozent. Seit Juni 2025 hat es keine weiteren Veränderungen mehr gegeben. Die letzte Zinserhöhung erfolgte im Jahr 2023.