Was passiert, wenn Betrüger das Geld vom Konto stehlen? Bleibt man auf den Verlusten sitzen oder zahlt die Bank? Ein neues Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union ändert alles.
Im Netz gibt es immer mehr Betrugsversuche, ob über Phishing-Angriffe, Identitätsdiebstahl usw. Doch was passiert, wenn Kriminelle tatsächlich an die eigenen Kontodaten kommen und Geld entwenden? Dazu hat der EuGH nun ein klares Urteil gefällt.
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Geld vom Konto gestohlen: Neues Urteil
So müssen Banken Opfern von Kontobetrug das Geld zunächst sofort erstatten, selbst wenn sie ihnen grobe Fahrlässigkeit vorwerfen. Das stellte der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) in einem Urteil klar. Der Zahlungsdienstleister könne danach die Verluste von Kundinnen und Kunden zurückfordern, die auf deren grobe Fahrlässigkeit zurückzuführen seien, hieß es in einer Mitteilung des Gerichtshofs in Luxemburg.
Hintergrund war ein Fall aus Polen, bei dem eine Bankkundin Opfer eines Betrugs durch Phishing wurde. Die Frau hatte einen Artikel auf einer Online-Verkaufsplattform angeboten. Ein Betrüger gab sich als Kaufinteressent aus und schickte ihr einen Link, der angeblich von der Plattform stammte und den Verkauf bestätigen sollte. Die Frau folgte dem Link und landete auf einer Website, die wie die ihrer Bank aussah. Dort gab sie ihre Zugangsdaten für das Online-Banking ein. Tatsächlich gelangte der Täter so an ihre Daten und überwies rund 700 Euro auf ein eigenes Konto.
Die Kundin meldete den Vorgang am nächsten Tag ihrer Bank. Das Institut lehnte eine Erstattung aber ab: Die Frau habe den Betrug durch grobe Fahrlässigkeit ermöglicht. Die Kundin zog vor ein polnisches Gericht, das dem EuGH den Fall zur Klärung vorlegte.
Verbraucher sollten vorsichtig sein
Das Urteil ist also ein positives Signal für Opfer und all diejenigen, die in Zukunft von dieser Entwicklung betroffen sein könnten. Dennoch ist dies keineswegs eine Aufforderung, unvorsichtig zu sein. Bei vielen Betrugsversuchen wie Investment-Scams und Co. erstattet die Bank kein Geld.
Angesichts dessen und der wachsenden Anzahl an Betrugsversuchen im Netz sollten Sie also extrem vorsichtig sein. Zur Vorsicht gehört auch, regelmäßig in Warnmeldungen der BaFin zu dem Thema zu schauen. Hier finden Sie eine aktuelle.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufig gestellte Fragen
Muss die Bank gestohlenes Geld sofort erstatten, wenn sie Kundinnen oder Kunden grobe Fahrlässigkeit vorwirft?
Banken müssen Opfer von Kontobetrug zunächst sofort entschädigen. Zahlungsdienstleister können anschließend Verluste zurückfordern, die auf grobe Fahrlässigkeit zurückzuführen sind.
Wie verlor eine Bankkundin in Polen rund 700 Euro durch Phishing?
Ein vermeintlicher Kaufinteressent schickte der Frau einen Link, über den sie angeblich den Verkauf eines Artikels bestätigen sollte. Auf einer gefälschten Bankseite gab sie ihre Online-Banking-Zugangsdaten ein; der Betrüger nutzte diese, um rund 700 Euro auf sein eigenes Konto zu überweisen.
Erstattet die Bank das Geld bei jedem Betrugsfall?
Nein. Das Urteil betrifft Kontobetrug; bei vielen Betrugsversuchen, etwa Investment-Scams, erstattet die Bank kein Geld. Verbraucher sollten vorsichtig sein und regelmäßig die Warnmeldungen der BaFin zu Betrugsversuchen prüfen.