Ein KI-Assistent, der überschüssiges Geld selbstständig zum besten Zinssatz verschiebt, klingt nach bequemem Cash-Management. Für Banken könnte daraus ein neues Einlagenrisiko werden.

Ein Girokonto, das fast keine Zinsen zahlt, während anderswo Tagesgeld- und Cash-Angebote mehrere Prozent bringen: Für viele Sparer ist das ein bekanntes Ärgernis. Künftig könnte ein KI-Agent diese Lücke automatisch schließen. Er würde einen Liquiditätspuffer auf dem Zahlungskonto lassen und den Rest dorthin verschieben, wo gerade mehr Rendite geboten wird.

Genau dieses Szenario stellt Torsten Slok, Chefvolkswirt des US-Vermögensverwalters Apollo Global Management, zur Diskussion mit einem Beitrag namens „Steht ein durch KI-Agenten ausgelöster Bank Run bevor?“ . Apollo verweist auf US-Angebote mit Zinsen von 3,3 bis 5,0 Prozent – gegenüber einem landesweiten Durchschnitt von 0,1 Prozent auf Girokonten. 

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Banken im neuen Zeitalter: Wie aus einem KI-Agenten ein Einlagenproblem werden könnte

Banken nutzen Einlagen als wichtige, meist vergleichsweise günstige Finanzierungsquelle. Wenn Kunden ihr Geld massenhaft von einem Institut abziehen, muss dieses die Lücke schließen – etwa mit höher verzinsten Einlagen, Anleihen oder anderer, oft teurerer Finanzierung. Das kann die Zinsmarge drücken und die Kreditvergabe verteuern oder bremsen. Banken verleihen allerdings nicht einfach jeden eingezahlten Euro eins zu eins weiter: Entscheidend sind auch Liquidität, Kapitalausstattung und die übrige Refinanzierung.

Ein KI-Agent könnte den Wechsel besonders einfach machen. Statt dass Kundinnen und Kunden regelmäßig Zinsen vergleichen, Konten eröffnen und Überweisungen auslösen, erledigt die Software das nach festgelegten Regeln – vorausgesetzt, sie erhält Zugriff und eine entsprechende Autorisierung. Damit würde aus gelegentlichem „Zins-Hopping“ ein automatisierter Prozess. Selbst wenn nur überschüssige Guthaben wandern, könnten Banken stärker um stabile Privatkundeneinlagen konkurrieren.

Allerdings ist „Bank Run“ dafür zunächst ein zugespitzter Begriff. Ein klassischer Bank Run ist eine plötzliche Flucht aus Sorge um die Zahlungsfähigkeit eines Instituts. Der von Apollo skizzierte Fall beginnt dagegen mit Renditeoptimierung. Wechselt Geld lediglich von Bank A zu Bank B, verschwinden die Einlagen nicht aus dem Bankensystem – sie werden zunächst nur umverteilt. Erst wenn Ersparnisse etwa in Geldmarktfonds oder kurzlaufende Staatsanleihen statt in Bankkonten fließen, verändert sich die Finanzierungsbasis der Banken grundsätzlich.

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Weiterführende Links

Bank-Run durch KI? Warum der Gedanke nicht aus der Luft gegriffen ist

Die jüngste US-Bankenkrise zeigt, dass digitale Kanäle Abflüsse beschleunigen können. Die Federal Reserve hielt nach den Bankpleiten von 2023 fest, dass Technologie und schnelle Kommunikation die Ausbreitung von Einlagenabflüssen begünstigten. Besonders gefährdet waren Institute mit vielen nicht versicherten und konzentrierten Einlagen.

Eine 2026 veröffentlichte FDIC-Auswertung der Abflüsse bei drei 2023 gescheiterten Banken kommt ebenfalls zu einem wichtigen Unterschied: Große Einleger mit erheblichen nicht versicherten Guthaben zogen ihr Geld besonders häufig ab; vollständig versicherte Privatkunden liefen den Banken vor der Schließung im Allgemeinen nicht in vergleichbarer Weise davon.

Das spricht dafür, dass Automatisierung die Geschwindigkeit eines Abzugs erhöhen kann – aber nicht automatisch dessen Auslöser oder Ausmaß bestimmt. Ein Agent, der planmäßig jeden Monat den besten Zinssatz sucht, ist etwas anderes als ein System, das bei Gerüchten innerhalb weniger Stunden Gelder aus einer Bank zieht. Im Stressfall könnten sich die Effekte allerdings überlagern: Wenn viele Systeme auf dieselben Nachrichten, Zinssignale oder Sicherheitsindikatoren reagieren, könnten sie Abflüsse synchronisieren.

Wie wahrscheinlich ist das Szenario?

Slok formuliert eine Risikofrage, keine konkrete Prognose – und veröffentlicht dazu keine Eintrittswahrscheinlichkeit. Allerdings bezieht sich Slok bei seiner Theorie laut US-Medien auf den Start von Metas KI-Agenten Muse. Plaid, das Datenunternehmen, das die Verbindung zu mehr als 12.000 US-Finanzinstituten und -Apps herstellt, erklärt, dass Nutzer über den Agenten Guthaben, Transaktionen, Investitionen und Hypotheken-Details einsehen können. In der Ankündigung von Plaid wird aber nicht erwähnt, dass Muse Geld zwischen Konten transferieren kann.  

Eine flächendeckende, KI-getriebene Bankflucht in naher Zukunft erscheint deshalb bisher eher unwahrscheinlich. Plausibler ist ein schrittweiser Effekt: mehr automatisierte Zinsvergleiche, stärkere Abwanderung besonders renditesensibler Guthaben und zusätzlicher Druck auf Banken, ihre Einlagen besser zu verzinsen.

Für Banken könnte das zudem höhere Refinanzierungskosten und volatilere Kundengelder bedeuten. Zum systemischen Risiko würde die Idee erst, wenn automatisierte Wechsel in großem Maßstab, sehr schnell und in einer Vertrauenskrise zusammenkämen. Der Agent ist dann nicht unbedingt der Auslöser des Bank Runs – aber möglicherweise sein Beschleuniger.

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Häufige Fragen

Was ist mit einem „agentischen Bank Run“ gemeint?

Gemeint ist die Vorstellung, dass KI-Agenten überschüssiges Haushaltsgeld automatisch von niedrig verzinsten Girokonten zu besser verzinsten Angeboten verschieben. Anders als bei einem klassischen Bank Run muss dahinter keine Panik stehen – viele gleichzeitige automatische Abflüsse könnten Banken dennoch unter Druck setzen.

Bedeutet ein höherer Zinssatz automatisch mehr Sicherheit oder bessere Konditionen?

Nein. Zinsen können variabel und an Bedingungen geknüpft sein. Außerdem ist zu prüfen, ob es sich um eine versicherte Bankeinlage oder etwa um einen Fonds handelt: In den USA sind Investmentfonds nicht durch die FDIC versichert. Rendite, Einlagenschutz, Liquidität und Gebühren sollten gemeinsam verglichen werden.

Was wäre die wahrscheinlichste Folge für Banken?

Eher steigende Refinanzierungskosten und stärkerer Wettbewerb um Kundeneinlagen als ein plötzlicher systemweiter Kollaps. Ein systemisches Risiko würde wahrscheinlicher, wenn viele Kunden in einer Vertrauenskrise gleichzeitig und sehr schnell Geld abziehen – besonders bei Banken, die stark von leicht abziehbaren Einlagen abhängen.

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