Depotcheck, Entnahmestrategie und Rentenbeginn entscheiden darüber, wie lange das Vermögen reicht. Die Morningstar-Expertin Christine Benz nennt die wichtigsten Hebel.

Wer in Rente geht, muss plötzlich von dem leben, was er angespart hat. Dass dabei Angst aufkommt, ist laut Christine Benz, Direktorin für persönliche Finanzen und Altersvorsorge bei Morningstar, nicht übertrieben. Die Unsicherheit betrifft Märkte, Inflation und die eigene Lebenserwartung. 

Hinzu kommen Pflegekosten am Lebensende, die ein Vermögen in wenigen Jahren aufzehren können. Benz sagt in einem Videointerview von Morningstar: „Die Leute machen sich Sorgen, weil sie nicht wissen, was die Zukunft für ihr Portfolio und die Marktrenditen bereithält.“ Sie gibt auch Tipps, wie das Geld im Ruhestand reichen kann.

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1. Depot und Kosten checken

Der erste Schritt ist ein Blick auf die Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen. Wer zu viel Aktien im Depot hat, läuft Gefahr, bei einer Korrektur zur falschen Zeit zu viel Geld zu verlieren. Wer zu vorsichtig investiert, hat im Ruhestand ein anderes Problem: Dem Depot fehlt das Wachstum, um über 25 oder 30 Jahre die Kaufkraft zu halten. Die gesunde Mischung macht’s.

Ebenso wichtig sind die Kosten. Fonds, ETFs und Depotgebühren laufen jedes Jahr mit. Benz warnt: „Wenn man zu viel für seine Geldanlagen zahlt, kann das eine erhebliche Bremse für die Rendite des Portfolios sein.“ Beim Übergang in den Ruhestand lohnt sich daher eine komplette Kostenprüfung.

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2. Sicherheitspolster sind wichtig

Wie viel Aktienrisiko ein Ruheständler tragen kann, hängt vom Entnahmebedarf ab. Benz rät US-Anlegern dazu, etwa fünf bis zehn Jahresentnahmen in Cash und festverzinsliche Papiere zu legen. Bei Deutschen dürfte es auch weniger sein, da hier die gesetzliche Rente noch ein festeres Fundament gibt. 

Der Vorteil beim Sicherheitspolster: Fallen die Kurse, muss man nicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen. Benz nennt den Ansatz „einen intuitiven Weg, um herauszufinden, wie viel Aktienrisiko man tragen kann“.

3. Flexibel entnehmen statt star

Viele Entnahmeregeln sind für den schlechtesten historischen Fall gebaut. Die meisten Ruhestandsjahre verlaufen aber besser. Benz plädiert deshalb für ein flexibles Modell: weniger entnehmen, wenn das Depot fällt, und mehr, wenn es gut läuft.

Ihr Fazit: „Eine bewährte Praxis ist es, flexibel zu bleiben und im Blick zu behalten, wie sich das Portfolio entwickelt.“

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4. Länger arbeiten, aber mit Puffer

Jedes Jahr Arbeit verkürzt die Phase, in der das Vermögen tragen muss. Geld kann länger wachsen, und die Rente lässt sich aufschieben. Finanziell sei das laut Benz „ein Volltreffer“.

Die Praxis sieht oft anders aus. Gesundheitliche Probleme oder eine Kündigung zwingen viele früher aus dem Job als geplant. Deshalb rät Benz: „Plane etwas Flexibilität ein, über das Ziel des längeren Arbeitens hinaus.“

Für den Rentenbeginn gilt in Deutschland dasselbe Prinzip. Ein früherer Start bedeutet dauerhafte Abschläge, ein späterer erhöht den Anspruch.

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5. Ausgaben und Wohnsituation prüfen

Der Haushaltsplan ist die schnellste Stellschraube. Benz nennt ungenutzte Abos als naheliegendes Sparpotenzial: „Abos sind in vielen Haushalten ein leicht erreichbares Sparpotenzial.“

Größere Hebel liegen bei der Wohnung. Ein zu großes oder schlecht altersgerechtes Haus lässt sich im Ruhestand verkleinern. In teuren Regionen kann ein Umzug viel Geld freisetzen. Nicht jeder will das, aber es lohnt sich, die Option durchzurechnen.

Weiterführende Links

Wann sich ein Berater lohnt

Benz empfiehlt, den Plan einmal von einem Profi prüfen zu lassen, nicht zwingend dauerhaft. Eine einmalige Beratung auf Stunden- oder Auftragsbasis reicht oft. „Der Berater erkennt vielleicht blinde Flecken oder macht Empfehlungen, auf die man selbst nicht gekommen wäre“, sagt Benz. „Ich denke, das kann gut angelegtes Geld sein.“


Was davon für Deutschland zählt

Benz argumentiert aus US-Sicht. Die Denkweise lässt sich übertragen, die konkreten Zahlen nicht. Die Sicherheitsreserve, flexible Entnahmen, Kostenkontrolle und ein realistischer Renteneintritt gelten auch hier.

Wer in Deutschland plant, sollte zusätzlich die gesetzliche Rente im Blick haben. Die Renteninformation zeigt die bisher erworbenen Rentenpunkte. Daraus ergibt sich, wie groß die Lücke zum gewünschten Einkommen ist. Die konkreten Zahlen sollten vorab bei der Deutschen Rentenversicherung und bei einem unabhängigen Berater geprüft werden.

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Häufige Fragen

Muss ich mein Depot im Ruhestand konservativer aufstellen?

Nicht unbedingt. Benz warnt, dass ein zu vorsichtig aufgestelltes Depot ein eigenes Risiko birgt, weil ihm über 25 oder 30 Jahre das Wachstum fehlt. Sinnvoll ist deshalb, die Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen zu prüfen, statt sie pauschal zu reduzieren.

Lohnt es sich, die Rente aufzuschieben? 

Finanziell kann sich das lohnen, vor allem bei guter Gesundheit und langer Lebenserwartung. Wer früher beginnt, muss mit dauerhaften Abschlägen rechnen, wer später beginnt, erhöht seinen Anspruch. Benz warnt allerdings, dass viele Menschen früher aufhören als geplant. Die konkreten Beträge sollte man bei der Deutschen Rentenversicherung prüfen lassen.

Wann brauche ich einen Finanzberater? 

Benz hält einen einmaligen Check des Plans für sinnvoll, etwa auf Stunden- oder Auftragsbasis. Ein dauerhaftes Mandat sei dafür nicht nötig.