Die gesetzliche Rente reicht für viele nicht aus. Eine Lücke von mehr als 1000 Euro im Monat ist kein Einzelfall. Wie Sie gegensteuern können.
Viele Beschäftigte gehen davon aus, dass die gesetzliche Rente ihren gewohnten Lebensstandard sichert. Dafür fällt sie aber zu niedrig. Als grobe Orientierung gelten 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Wer dieses Ziel nicht durch andere Einkünfte oder Vermögen erreicht, hat eine Rentenlücke.
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Das Rechenbeispiel: So entsteht eine Rentenlücke
Nehmen wir an, jemand verdient heute netto 3.000 Euro im Monat und möchte im Ruhestand etwa 2.250 Euro zur Verfügung haben. Die gesetzliche Rente liegt voraussichtlich bei rund 1.150 Euro. Die Differenz von 1.100 Euro im Monat ist die Rentenlücke.
Im ersten Schritt stellt sich die Frage, wie viel Kapital man braucht, um diese Lücke dauerhaft aus Erträgen und Entnahmen zu decken. Bei einer Entnahmerate von 3,5 Prozent (das ist vorsichtiger als die 4-Prozent-Regel) pro Jahr ergibt sich: 1.100 Euro mal 12 Monate sind 13.200 Euro im Jahr. Geteilt durch 0,035 ergibt das rund 377.000 Euro. Diese Summe muss man bis zum Renteneintritt angespart haben.
Im zweiten Schritt berechnet man, wie viel man dafür monatlich zurücklegen muss. Angenommen, Sie haben 30 Jahre Zeit und erzielen durchschnittlich 5 Prozent Rendite pro Jahr. Wer 30 Jahre lang jeden Monat einen Euro zurücklegt, hat am Ende rund 815 Euro, davon sind nur 360 Euro eingezahlt, der Rest ist Zinseszins. Auf die benötigten 377.000 Euro hochgerechnet, bedeutet das eine monatliche Sparrate von rund 460 Euro.
Zwei Punkte sollte man dabei im Hinterkopf behalten. Erstens sind Steuern und die Inflation nicht berücksichtigt. Bei zwei Prozent Teuerung entsprechen 1.100 Euro in 30 Jahren heute nur etwa 600 Euro Kaufkraft. Der tatsächliche Bedarf liegt also deutlich höher. Zweitens ist die Rechnung eine starke Vereinfachung. Sie dient nur der groben Orientierung für Sparer, um sich klar zu werden, wie wichtig es ist, Geld fürs Alter zurückzulegen und in welchen Dimensionen sie denken müssen.
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Fürs Alter vorsorgen: So lässt sich die Lücke schließen
Es gibt mehrere Möglichkeiten, neben der gesetzlichen Rente für den Ruhestand vorsorgen:
Betriebliche Altersvorsorge: Bei der Entgeltumwandlung wird ein Teil des Bruttogehalts direkt in die Altersvorsorge gelenkt. Bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze sind sozialabgabenfrei, das sind 2026 in Westdeutschland rund 340 Euro im Monat. Viele Arbeitgeber geben zusätzlich einen Zuschuss, der oft bei 15 Prozent liegt. Damit ist die bAV für viele der günstigste Einstieg.
ETF-Sparplan im Wertpapierdepot: Ein monatlicher Sparplan in einen breit gestreuten Welt-ETF ist flexibel und kostengünstig. Sie können die Rate jederzeit anpassen oder aussetzen. Gewinne unterliegen der Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent. Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr senkt die Steuerlast spürbar. Auf niedrige Gesamtkosten sollten Sie achten.
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AV-Depot: Ab 2027 soll ein staatlich gefördertes Standardprodukt für die private Altersvorsorge starten. Vorgesehen sind einfache Produkte mit Kostenobergrenzen und staatliche Zulagen zu den Einzahlungen. Zahlreiche Banken und Neobroker haben bereits erste Angebote und Konditionen für Sparer angekündigt.
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Weitere Bausteine können auch Immobilien, private Rentenversicherungen oder die gesetzliche Rente selbst sein. Allerdings: Ein abbezahltes Eigenheim entlastet im Alter spürbar, weil die Miete wegfällt, bindet aber Kapital. Private Rentenversicherungen zahlen eine garantierte, lebenslange Rente, bieten meist aber eine geringere Rendite als Aktienfonds. Bei der gesetzlichen Rente lohnt sich ein Blick in die Rentenauskunft, denn Lücken in den Versicherungszeiten lassen sich oft mit freiwilligen Beiträgen schließen, und Kindererziehungszeiten sollten korrekt erfasst sein.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Rentenlücke bei mir?
Das ist die Differenz zwischen Ihrem gewünschten Ruhestandseinkommen und der voraussichtlichen gesetzlichen Rente. Ihre voraussichtliche Rente finden Sie in der Renteninformation bzw. im Rentenkonto der Deutschen Rentenversicherung.
Ab wann sollte man mit der privaten Altersvorsorge beginnen?
So früh wie möglich. Dank Zinseszinseffekt wächst ein früh angelegter Betrag über Jahrzehnte deutlich stärker, als wenn man später mit höheren Raten nachholen muss.
Ist ein ETF-Sparplan für die Altersvorsorge sicher?
Kurzfristig schwanken ETF-Kurse stark, langfristig haben breit gestreute Aktienindizes historisch Renditen gebracht. Eine Garantie gibt es jedoch nicht, daher empfiehlt sich ein langer Anlagehorizont und eine Risikoabwägung je nach persönlicher Situation.