Mit dem Boom an den Börsen werden Nießbrauchdepots immer beliebter. Doch sie sind nicht für alle lohnenswert.
Was viele aus dem Immobilienbereich kennen, gibt es auch bei Depots: Familien können Nießbrauchdepots einrichten, um legal bei der Übertragung von Vermögen Steuern sparen zu können. Allerdings lohnt sich das nicht in jedem Fall.
Was ist ein Nießbrauchdepot?
Ein Nießbrauchdepot ermöglicht es Anlegern, Wertpapiere (wie Aktien, ETFs oder Fonds) an Ihre Erben zu übertragen, sich aber lebenslang die Erträge vorzubehalten Kurz: Das Eigentum geht auf den Beschenkten über, die schenkende Person kassiert aber weiter die Dividenden und Zinsen.
Mit dem Tod des Schenkers erlischt dann der Nießbrauch. Die beschenkte Person erhält die volle Kontrolle über das Depot sowie seine Erträge, profitiert von dessen Wachstum und muss, wenn bestimmte Fristen eingehalten wurden, auch keine Erbschaftsteuer zahlen.
Übrigens: BÖRSE ONLINE hat einen Überblick über die besten Online-Steuerprogramme.
Welche steuerlichen Vorteile hat ein Nießbrauchdepot?
Der Clou dabei: Auf diesem Wege lässt sich die Schenkungsteuer reduzieren oder gar ganz umgehen - und das ganz legal. Da der Schenker ja die Erträge nutzt, wird der finanzielle Wert dieses Nutzungsrechts vom Gesamtwert des Depots abgezogen.
Dadurch sinkt der steuerliche Wert der Schenkung, was bei der Übertragung großer Vermögenswerte hilft, Freibeträge nicht zu überschreiten oder die Schenkungssteuer zumindest zu reduzieren.
Besonders viel Steuern können gespart werden, wenn das Depot an Personen übertragen werden soll, für die geringere Freibeträge gelten wie etwa entferntere Verwandte (Nichten und Neffen). Außerdem ist der Vorteil größer, je jünger die schenkende Person und je höher die Erträge des Depots sind.
Rechenbeispiel zum Nießbrauchdepot
Ein Rechenbeispiel veranschaulicht die Funktionsweise: Ein Vater (60 Jahre) überträgt seiner Tochter ein Depot im Wert von 700.000 €. Das Depot erwirtschaftet 5 % p.a. (= 35.000 €/Jahr). Betrachtungszeitraum: 20 Jahre.
Der Kapitalwert des Nießbrauchs (Jahresertrag 35.000 € mal Bewertungsfaktor Vervielfältiger 12,799 = 447.965 €) wird direkt vom Schenkungswert abgezogen. Dadurch rutscht der steuerpflichtige Betrag unter den Freibetrag und ist komplett steuerfrei. Sofortige Ersparnis: 33.000 €
Hinweis: Dies ist eine vereinfachte Modellrechnung. Die individuelle steuerliche Situation, der genaue BMF-Vervielfältiger (abhängig vom Alter des Nießbrauchsberechtigten) und weitere Faktoren sollten mit einem Steuerberater abgestimmt werden.
Nachteile beim Nießbrauchdepot
“Ob man nun 20, 50 oder 100.000 Euro Schenkungsteuer spart: Der Steuervorteil sollte nicht der einzige Beweggrund für ein Nießbrauchdepot sein“, betont Stefan Bethlehem, Partner im Bereich Tax bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, gegenüber dem Manager Magazin.
Denn es gibt auch Nachteile bei einem Nießbrauchdepot. So braucht es sehr klare und gut durchdachte Regeln zwischen Schenker und Beschenkten. Denn theoretisch kann der Beschenkte dass Nießbrauchdepot sofort einfach umbauen - was sich direkt auf die Erträge des Schenker auswirken würde Zudem erhält der Beschenkte als Inhaber die Steuerbescheinigungen zu den Erträgen, die der Schenker ja noch kassiert.Der Familienstreit ist damit vorprogrammiert.
Zudem muss sichergestellt werden, dass das Finanzamt nicht hellhörig wird- und eine Scheinübertragung wittert. Der Fiskus prüft dann, ob Eigentum und Ertragsberechtigung auch wirklich klar getrennt werden. Das macht oft eine professionelle Unterstützung bei der Übertragung nötig - und kann dann die administrativen Kosten in die Höhe schrauben.
Ab welchem Betrag ist ein Nießbrauchdepot sinnvoll?
Ein Nießbrauch sei deshalb eher sinnvoll bei einem mittleren bis hohen sechsstelligen Depot, sagt Leandro Barulli, Wealth Manager bei Top Vermögen in Starnberg, gegenüber der Welt am Sonntag. Wer Beträge unter 100.000 Euro an seine Kinder übertragen will, ist mit einer einfachen Schenkung meist besser beraten.
Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Sie ihr Geld am besten anlegen können, dann kann sich ein Probeabo von BÖRSE ONLINE für Sie lohnen.