Eine neue Verbraucherkreditrichtlinie muss ab Herbst in allen EU-Mitgliedstaaten angewendet werden. Die gesetzliche Änderung soll die Ära der unregulierten Kleinkredite beenden. Mit gravierenden Folgen für Finanzdienstleister wie Klarna.

Wichtiger Geschäftsbereich gefährdet

„Buy Now, Pay Later“ (BNPL) ist der griffige Slogan für schnelle und unkomplizierte Kredite. Bislang fielen zinsfreie Ratenkäufe und Zahlungsziele unter 200 Euro hierzulande durch ein regulatorisches Raster und mussten kaum kontrolliert werden. Klarna ist der Haupttreiber für den massiven Anstieg von Kleinkrediten in Deutschland. 

Doch dieses Geschäftsmodell ist akut regulatorisch bedroht: Die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie "Consumer Credit Directive", kurz CCD2  (Richtlinie 2023/2225) zwingt Finanzdienstleister ab dem 20. November 2026 zu gravierenden Änderungen.


Die Neuregelungen im Detail

•    Pflicht zur Bonitätsprüfung ab dem ersten Cent: Klarna und Wettbewerber wie PayPal müssen künftig auch bei Beträgen unter 200 Euro eine vollständige Kreditwürdigkeitsprüfung, etwa über die Schufa, durchführen. Der schnelle Kauf per Klick wird dadurch mit bürokratischen Hürden versehen.
•    Strenges 14-tägiges Widerrufsrecht: Verbraucher erhalten nun auch für BNPL-Kurzzeitkredite ein gesetzliches Widerrufsrecht. Für Händler und Klarna erhöht dies den administrativen Aufwand und das finanzielle Risiko bei Retouren massiv.
•    Verbot von irreführender Werbung: Ratenkäufe dürfen  nicht mehr als „kostenloser“ oder „unbeschwerter“ Lifestyle beworben werden. Es muss künftig deutlich davor gewarnt werden, dass es sich um einen Kredit handelt, der bei Zahlungsverzug in eine Schuldenfalle führen kann. 
•    Kostendeckel bei Verzugszinsen: Die Richtlinie setzt engere Grenzen für Mahngebühren und Verzugszinsen – genau jene Posten, mit denen BNPL-Anbieter signifikante Teile ihrer Einnahmen generieren.


Die wirtschaftlichen Folgen für Finanzdienstleister

Für Unternehmen wie Klarna bedeutet die nationale Umsetzung der neuen EU-Verbraucherkreditlinie: höhere Kosten und weniger Umsatz drohen. Durch die Pflicht zur Bonitätsprüfung steigen die Kosten pro Transaktion. Denn Abfragen bei Auskunfteien kosten Geld. Gleichzeitig könnte die zusätzliche Reibung im Bezahlprozess dazu führen, dass Impulskäufe zurückgehen. Da Finanzdienstleister Gebühren von Online-Händlern erhalten, drückt jeder verhinderte Kauf direkt auf die Umsatzmarge.

Daten der Schufa und von Finanzanalysten zeigen zudem, dass das Geschäftsmodell von Anbietern wie Klarna den Markt für Konsumentenkredite revolutioniert hat: Mittlerweile machen Kleinkredite unter 1.000 Euro rund 40 Prozent aller neu abgeschlossenen Ratenkredite in Deutschland aus.


Lobbyarbeit der Finanzbranche

Hinter den Kulissen und bei der Lobby-Arbeit im Deutschen Bundestag drängen Finanzdienstleister auf eine „proportionale Umsetzung“ der neuen EU-Verbraucherkreditlinie. Ziel: Der schnelle zinsfreien Rechnungskauf soll so unbürokratisch wie möglich erhalten bleiben. Klarna gibt sich diesbezüglich optimistisch und betont, strengere Standards für den Verbraucherschutz grundsätzlich zu begrüßen. 


Hinweis auf Interessenkonflikte

Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Klarna

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