Die US-Notenbank fällt in dieser Woche eine Zinsentscheidung. Nach der Europäischen Zentralbank folgen am Mittwoch die Währungswächter der USA. Die Friedensverhandlungen mit dem Iran könnten für eine Überraschung sorgen.
Am Mittwoch (17. Juni 2026) entscheidet die US-Notenbank zum ersten Mal unter der Leitung des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh über den Leitzins. Angesichts der jüngsten Entwicklungen im Iran-Krieg, aktueller US-Arbeitsmarktzahlen und einer hohen Inflation ist die Lage unübersichtlich: Donald Trump fordert seit Monaten eine Zinssenkung, manche Ökonomen raten dagegen eher zu einer Anhebung. Kommt es am Mittwoch zu einer großen Überraschung?
US-Notenbank trifft am Mittwoch Zinsentscheidung
Die letzte Anpassung des Leitzinses liegt mehr als ein halbes Jahr zurück. Im Dezember 2025 senkte die US-Notenbank den Zins zuletzt um 0,25 Punkte. Seither hat die Fed an der Spanne zwischen 3,50 und 3,75 Prozent festgehalten. Die Sitzung am Mittwoch soll nun Hinweise darauf liefern, welche Neuerungen der neue Fed-Chef Kevin Warsh plant. Allerdings gehen Experten nicht davon aus, dass es zu tiefgreifenden Änderungen kommt.
US-Präsident Donald Trump spricht sich offen für eine weitere eine Zinssenkung aus. Gleichzeitig sicherte er aber zu, keinen Druck auf den neuen Fed-Chef ausüben zu wollen. Eine gänzlich andere Herangehensweise hatte das Staatsoberhaupt bei Warshs Vorgänger, Jerome Powell, gezeigt. Trump hatte Powell mehrfach öffentlich kritisiert und immer wieder vehement ZInssenkungen gefordert. So ein Schritt dürfte allerdings auch am Mittwoch nicht zur Debatte stehen, sagt Bernd Weidensteiner, Analyst der Commerzbank.
In Rohstoffe investieren
Die Zinsentscheidung der Fed kann Einfluss auf den Goldpreis und vor allem die Rohstoffpreise haben - auch den Preis für Flüssigggas (LNG). Mit dem "Flüssiggas"-Index setzen Anleger auf 18 Werte, die in dieser Branche unterwegs sind.
Friedensverhandlungen im Iran-Krieg senken Inflationserwartungen
Die Inflationsrate in den USA ist hoch; sie lag zuletzt bei 4,2 Prozent. Zum Vergleich: Im Mai erreichte die Inflation in Deutschland 2,6 Prozent. Auch in dem von der US-Notenbank bevorzugten Maß, dem PCE-Deflator, lag die Inflation im April bei knapp vier Prozent - und damit weiterhin deutlich über dem Ziel der Fed von zwei Prozent. Warsh müsste also eigentlich die Zinsen anheben, um die Inflation in Schach zu halten. Eine ZInssenkung scheint dagegen nahezu ausgeschlossen.
Doch nun zeichnet sich womöglich Entlastung an der Inflationsfront ab: Die aktuelle Entwicklung im Iran-Krieg und die nahenden Friedensverhandlungen könnten die Preise wieder sinken lassen, sobald mit dem Ende des Konfliktes auch die Straße von Hormus wieder öffnet. Die Meerenge dient als wichtige Handelsroute für den weltweiten Öl- und Gashandel. Sollte sie wirklich ab Freitag wieder passierbar sein, würden die Rohölpreise erneut stark sinken - und mit ihnen die Inflationsraten.
Aktuell notiert Brent Crude Oil bei 83,17 US-Dollar je Barrel, ein Minus von 4,79 Prozent (Stand: 15. Juni 2026, 13:55 Uhr). Das dämpft die Inflationserwartungen und könnte eine wichtige Rolle bei zukünftigen Zinsentscheidungen der Fed spielen - allerdings wohl noch nicht in dieser Woche.
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Häufig gestellte Fragen
Warum beeinflusst die Fed-Zinsentscheidung auch deutsche Anleger?
Die Fed gibt häufig den Takt für die internationalen Finanzmärkte vor. Steigen oder fallen die US-Zinsen, wirkt sich das auf Dollar, Anleiherenditen, Aktienmärkte und oft auch auf Rohstoffe aus - und damit indirekt auf Portfolios in Europa.
Welche Rolle spielt die Straße von Hormus für den Ölpreis?
Durch die Straße von Hormus wird ein großer Teil des weltweiten Öl- und Gasexports transportiert. Kommt es dort zu Spannungen oder einer Blockade, reagieren die Märkte oft sofort mit steigenden Preisen, weil Lieferengpässe befürchtet werden.
Warum reagieren Gold und Silber manchmal anders als Öl auf Inflation?
Gold und Silber gelten zwar als Inflationsschutz, aber ihre Preise hängen auch stark von Zinsen, Dollar-Stärke und Marktstimmung ab. Öl reagiert dagegen direkter auf Angebot, Nachfrage und geopolitische Risiken - deshalb verlaufen die Preisbewegungen oft nicht parallel.
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