Einer der wichtigsten Gold-Nachfrager bleibt weiter aktiv – und könnte künftig noch aggressiver zukaufen. Welche Folgen das für den Goldmarkt haben könnte, zeigt ein genauerer Blick auf die Zahlen.

Die Zentralbanken scheinen die Schwäche beim Goldpreis im Juli als Kaufgelegenheit genutzt zu haben und stockten ihre Bestände netto um 23 Tonnen auf. China war erneut der größte Käufer mit 20 Tonnen und trat damit bereits im 21. Monat in Folge als Nettokäufer auf. Zweitgrößter Käufer war Polen mit acht Tonnen. Größter Verkäufer war Russland mit sechs Tonnen.

Seit Jahresbeginn belaufen sich die Goldkäufe der Notenbanken damit netto auf rund 130 Tonnen. Sie bleiben damit eine wichtige Nachfragequelle und stützen den Goldpreis. Aktuell spricht einiges dafür, dass sich dieser Trend fortsetzen oder sogar weiter beschleunigen könnte. Doch wie würde sich das auf den Goldpreis auswirken?

Aus diesen Gründen kaufen Zentralbanken Gold

In den vergangenen Jahren nahm Gold eine zunehmend wichtigere Rolle bei den Währungsreserven der Notenbanken ein. Eine Umfrage des World Gold Council unter 69 Zentralbanken gibt Aufschluss über die Beweggründe hinter dieser Entwicklung.

90 Prozent der Notenbanken gaben an, Gold zu halten, da es in Krisenzeiten eine vergleichsweise gute Performance liefert. Damit dient es auch als Absicherung gegen geopolitische Krisen, insbesondere für Schwellen- und Entwicklungsländer. Für 84 Prozent ist zudem der Aspekt der langfristigen Wertspeicherung wichtig - insbesondere in Zeiten erhöhter Inflation. 83 Prozent der Notenbanken halten Gold darüber hinaus zu Diversifikationszwecken. Hier spielen auch steigende US-Schulden und ein sinkendes Vertrauen in US-Staatsanleihen eine wichtige Rolle, da Gold kein Gegenparteirisiko besitzt.

Der springende Punkt ist, dass all diese Gründe in absehbarer Zeit voraussichtlich nicht an Bedeutung verlieren werden. Im Gegenteil. Daher spricht vieles dafür, dass die Notenbanken auch mittel- und langfristig ihre Goldbestände nicht abbauen, sondern möglicherweise sogar weiter erhöhen werden.

Wie wichtig sind die Zentralbanken für den Goldpreis?

Das World Gold Council schätzt, dass weltweit bislang rund 222.600 Tonnen Gold gefördert wurden. Davon halten Zentralbanken und andere offizielle Institutionen rund 39.000 Tonnen, also etwa 18 Prozent.

Auch für die jährliche Nachfrage spielen die Notenbanken eine wichtige Rolle: Im ersten Halbjahr 2026 entfielen auf sie rund 13,7 Prozent der weltweiten Goldnachfrage. 2025 waren es sogar 17,3 Prozent. Damit sind die Zentralbanken ein wichtiger, aber keineswegs allein entscheidender Einflussfaktor für den Goldpreis.

Besonders spannend: Während viele westliche Industrieländer wie Deutschland, Frankreich und die USA zwischen 80 und 84 Prozent ihrer Reserven in Gold halten, sind es bei Schwellen- und Entwicklungsländern noch deutlich weniger. So liegt der Anteil in China nur bei acht Prozent, in Indien sind es rund 18 Prozent. Auch Japan (9 Prozent), Saudi-Arabien (10 Prozent) und Südkorea (3 Prozent) haben noch viel Luft nach oben.

Sollten diese Länder ihre Reserven verstärkt in Gold umschichten, könnte das zu einem enormen zusätzlichen Nachfrageschub führen. Dennoch sollte man im Basisszenario nicht davon ausgehen, dass diese Länder ähnlich hohe Anteile wie die westlichen Industrieländer erreichen. Doch schon einige Prozentpunkte mehr könnten für den Goldpreis eine wichtige Unterstützung darstellen.

Fazit: Zentralbanken verringern Abwärtsrisiko

Notenbanken kaufen Gold in erster Linie nicht aus Renditegier, sondern zur Absicherung gegen Krisen und Inflation sowie zur Diversifikation in Zeiten ausufernder Staatsschulden. Da diese Treiber auch in den nächsten Jahren bestehen bleiben dürften, könnten die Notenbanken weiterhin eine wichtige Unterstützung für den Goldpreis darstellen. Für einen nachhaltigen weiteren Goldpreisanstieg braucht es neben den Notenbanken jedoch auch eine starke private und institutionelle Nachfrage.

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Häufig gestellte Fragen:

Warum kaufen Zentralbanken Gold?

Vor allem zur Diversifikation ihrer Währungsreserven sowie zur Absicherung gegen Inflation, geopolitische Risiken und Finanzkrisen.

Wie viel Gold halten Zentralbanken weltweit?

Zentralbanken und andere offizielle Institutionen halten rund 39.000 Tonnen Gold. Das entspricht etwa 18 Prozent des bislang weltweit geförderten Goldes.

Können Zentralbankkäufe den Goldpreis weiter antreiben?

Zentralbanken sind ein wichtiger Nachfragetreiber. Für dauerhaft steigende Goldpreise kommt es jedoch auch auf die Nachfrage privater und institutioneller Anleger an.