Laut Medienberichten erzielte die Reisebank im ersten Quartal 2026 mit Edelmetallen einen Rekordumsatz von rund 1,15 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Plus von mehr als 70 Prozent.
Die starke Entwicklung dürfte vor allem mit den hohen Goldpreisen und der weiterhin robusten Nachfrage zusammenhängen. Viele Anleger suchen in wirtschaftlich und geopolitisch unsicheren Zeiten weiterhin nach Sachwerten. Gleichzeitig sorgen die kräftigen Kursbewegungen am Goldmarkt aber auch dafür, dass viel Goldbesitzer Gewinne realisieren.
Kundenverkäufe übertreffen Käufe
Besonders interessant ist deshalb die Struktur der Umsätze. Trotz hoher Nachfrage nach Gold und Silber verzeichnete die Reisebank im ersten Quartal einen sogenannten Ankaufsüberhang. Vereinfacht gesagt verkauften Kunden wertmäßig mehr Edelmetalle an die Bank, als sie neu kauften.
Auch andere Institute berichteten zuletzt von einem außergewöhnlich starken Edelmetallgeschäft. Die BayernLB sprach vor kurzem davon, dass das erste Quartal 2026 deutlich besser verlaufen sei als der Vergleichszeitraum des Vorjahres. Als wichtige Treiber wurden unter anderem die Krise im Nahen Osten und die damit verbundenen Unsicherheiten genannt.
Neben Gold entwickelte sich bei der Reisebank auch die Nachfrage nach Silber dynamisch. Aufgrund des deutlich niedrigeren Preisniveaus gilt Silber für viele Anleger als günstigerer Einstieg in den Edelmetallsektor. Gleichzeitig gewinnt die industrielle Bedeutung des Metalls zunehmend an Aufmerksamkeit. Silber wird unter anderem in der Solarindustrie, Elektrotechnik und Elektronik eingesetzt.
Die Reisebank spielt im deutschen Edelmetallhandel eine zentrale Rolle. Ein großer Teil des Goldes, das Kunden bei Volks- und Raiffeisenbanken bestellen, wird institutionell über die Reisebank abgewickelt.
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Warum Rückkäufe für Händler besonders interessant sind
Bemerkenswert ist allerdings, dass Goldhändler nicht nur vom Verkauf neuer Ware profitieren. Gerade der Ankauf von Goldmünzen und Goldbarren von Privatkunden kann betriebswirtschaftlich besonders attraktiv sein. Der Grund: Beim Rückkauf entstehen häufig höhere Margen als beim klassischen Verkauf neu produzierter Ware direkt von Raffinerien oder Prägestätten. Händler kaufen gebrauchte Barren und Münzen typischerweise mit Abschlägen auf den aktuellen Goldpreis an und verkaufen diese später mit erneutem Aufgeld weiter.
Hinzu kommt, dass viele angekaufte Produkte gar nicht eingeschmolzen werden müssen. Standardisierte Anlageprodukte wie Krügerrand, Maple Leaf oder klassische Heraeus-Barren lassen sich oftmals direkt wieder an neue Kunden verkaufen. Dadurch sparen Händler teilweise Transport-, Präge- und Produktionskosten, die bei Neuware anfallen würden. Besonders in Phasen hoher Nachfrage oder eingeschränkter Verfügbarkeit kann sogenannte Sekundärmarktware sogar besonders wertvoll sein, weil sie sofort verfügbar ist.
Gerade in turbulenten Marktphasen kommt hinzu, dass Lieferzeiten bei neu produzierter Ware zeitweise deutlich steigen können. Bereits angekaufte Münzen und Barren lassen sich dagegen meist schneller weiterverkaufen. Wie profitabel dieses Geschäft ist, hängt allerdings stark von der jeweiligen Marktphase ab. In starken Haussephasen können auch Neuware-Verkäufe äußerst lukrativ sein, weil die Aufgelder deutlich steigen. In ruhigeren Marktphasen gilt dagegen häufig der Handel mit angekaufter Ware als margenstärker.
Fazit: Der Goldmarkt bleibt äußerst lebendig. Zwar werben einige Branchenvertreter extrem offensiv für Goldinvestments, betriebswirtschaftlich profitieren sie jedoch häufig eher davon, wenn Anleger ihre Bestände wieder verkaufen. Problematisch wäre für die Branche indes ein Austrocknen des Handels. Danach sieht es angesichts der aktuell hohen Umsätze allerdings nicht aus.
Häufige Fragen zu Gold
Was sind die größten Vorteile von Gold?
In physischer Form besitzt Gold kein Kontrahentenrisiko und gilt seit Generationen als wirksamer Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz. Im Gegensatz zu den beiden wichtigsten Anlageklassen Aktien und Anleihen kann man mit Goldmünzen und -barren sowie bestimmten Gold-ETCs nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfreie Kursgewinne realisieren.
Und was spricht möglicherweise gegen Gold?
Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden und kann lediglich durch eine wachsende Wertschätzung Renditen erzielen. Außerdem fallen bei sicherer Verwahrung von physischem Gold Lagerkosten an.
Sind bei allen in Deutschland handelbaren Gold-ETCs realisierte Kursgewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei?
Nur, wenn deren Konstruktion ein physisches Hinterlegen des Goldes vorsieht und ein Lieferanspruch besteht. Vor dem Kauf unbedingt beim Emittenten des Papiers informieren.
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