FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax ist am Freitag dicht unter sein Rekordhoch von Anfang Juli geklettert. Doch vor dem Sprung darüber schreckten Anleger zurück. Hinzu kam, dass Signale aus den USA zwar weiter auf einen freundlichen, aber nicht mehr allzu starken Handelsstart an Wall Street und Nasdaq hindeuten. Obendrein legten die Ölpreise wieder zu, denn die Lage im Nahen Osten ist unverändert angespannt.

Die Stimmung der Anleger insgesamt blieb trotz allem positiv, was insbesondere einer beeindruckenden Erholung von Technologieaktien in den USA und Asien zu verdanken war.

Am Nachmittag legte das deutsche Börsenbarometer um 0,3 Prozent auf 25.680 Punkte zu, nachdem zeitweise weniger als zehn Punkte bis zur Bestmarke von 25.900 Zählern gefehlt hatten. Auf Wochen- und auf Monatssicht zeichnet sich ein deutliches Plus ab.

Der Leitindex profitiert laut Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank von der allgemeinen Zunahme der Risikobereitschaft. Nun drehe sich "alles um die Auflösung einer ungefähr ein Jahr alten Seitwärtsphase", für die er positive Signale sieht. Schnelle Kursrückgänge seien zuletzt ausgeblieben. "Wenn der Kaufdruck, der sich gerade aufbaut, anhält und zunimmt, steht einem Anstieg in Richtung 26.000 Punkte im Dax technisch nichts mehr im Wege", resümierte er.

Der MDax zeigte sich am Freitagnachmittag nach frühen Aufschlägen prozentual fast unverändert bei 32.205 Punkten. Auch allgemein bröckelten die Kursgewinne an Europas Börsen ab.

Wie in den USA und Asien legten auch hierzulande vor allem Technologieaktien wieder spürbar zu, wobei vor allem auf starke Vorgaben von US-Techgiganten verwiesen wurde. Dort hatten jüngst erst Microsoft und am Vorabend nach Börsenschluss dann auch Amazon mit ihren Quartalsberichten überzeugt.

Im Dax sprangen Infineon an die Spitze mit plus 5,2 Prozent. Im MDax gewannen Aixtron knapp 10 Prozent und profitierten nicht zuletzt von einer Hochstufung der Bank Oddo BHF auf "Outperform". Die Experten sehen einen neuen Einstiegspunkt gekommen. Dafür verwiesen sie auf verbesserte Fundamentaldaten, eine geringere Bewertung und ein attraktiveres Chance-Risiko-Profil für den Zeitraum 2027 bis 2028. Suss Microtec stiegen um 5,8 Prozent. Siltronic legten um 5,2 Prozent zu. Gleich drei Banken stuften die Aktie des Waferherstellers nach starken Quartalszahlen am Vortag hoch: Die Deutsche Bank Research, Kepler Cheuvreux und die Bank of America.

Siemens Healthineers pendelten nach durchwachsenen Quartalszahlen und geänderten Jahreszielen zwischen kräftigen Gewinnen und Verlusten und zeigten sich mit 0,4 Prozent schwächer.

Negativ ragten im MDax Schaeffler heraus mit knapp 13 Prozent Verlust. Wegen der schlechten Lage in der Autoindustrie strich der Auto- und Industriezulieferer seine mittelfristigen Geschäftsziele zusammen.

Hensoldt gaben trotz starker Auftragslage 5,7 Prozent ab. Der Rüstungselektronikkonzern profitierte von der Aufrüstung der Nato-Staaten. In den ersten sechs Monaten verdoppelte sich der Auftragseingang. Hensoldt ist aber laut JPMorgan-Analyst David Perry das "am höchsten bewertete Rüstungsunternehmen", das er beobachte, auch wenn das Produktportfolio nach wie vor hervorragend sei./ck/jha/

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---

Quelle: dpa-Afx