FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat seine frühen Gewinne am Dienstag im Handelsverlauf abgegeben. Rückläufigen Ölpreisen und Anleiherenditen zum Trotz wurden Anleger vorsichtiger, denn der Druck auf die weltweite Technologiebranche wird sich in den USA wohl einen weiteren Tag fortsetzen. Darauf deuten die Futures hin.
"Anleger suchen derzeit ihre Balance zwischen geopolitischen Risiken, der Sorge vor zu hohen Erwartungen an die KI-Branche und dem anstehenden Zahlenreigen an der Wall Street", sagte Marktanalyst Timo Emden vom Broker CapTrader. "Der deutsche Leitindex bleibt in einem Spannungsfeld aus Vorsicht und Optimismus gefangen."
Der nur mit wenigen Techaktien bestückte deutsche Leitindex zeigte sich am Nachmittag nur noch mit 0,1 Prozent auf 25.302 Punkten im Plus, nachdem er zeitweise in Richtung 25.500 Zähler geklettert war. Nun jedoch fiel er erneut unter die gleitende 21-Tage-Linie, die den kurzfristigen Trend signalisiert. An dieser war er bereits am Vortag zurückgeprallt. Der MDax drehte zuletzt ins Minus und gab am Nachmittag um 0,3 Prozent auf 30.028 Punkte nach.
Berichte über die Entwicklung leistungsfähiger KI-Chips durch das chinesische Unternehmen CXMT hätten massive Gewinnmitnahmen bei Halbleiteraktien in Südkorea und anderen asiatischen Märkten ausgelöst, sagte Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. "Die technologische Konkurrenz aus dem Reich der Mitte nährt die Sorge, wie lange sich die hohen Bewertungen und Gewinnmargen der etablierten Chipkonzerne noch rechtfertigen lassen." Außerdem habe Broadcom-Chef Hock Tan vor zu hohen Erwartungen an KI und vor Finanzierungsproblemen beim Ausbau gewarnt, hieß es seitens der Marktexperten der Dekabank zum Ausverkauf in der Halbleiterbranche.
Im Dax büßte die Aktie des Münchener Halbleiterherstellers Infineon als schwächster Wert 2,6 Prozent ein. Im MDax gaben Aktien wie Aixtron , Siltronic , Elmos und Suss Microtec um 2,5 bis 3,5 Prozent nach und schlossen sich der Talfahrt in den USA am Vorabend und in Asien am Morgen an.
Die Papiere des Auto- und Industriezulieferers Schaeffler büßten dort nach überraschend vorgelegten, schwachen Zahlen zum dritten Quartal 1,5 Prozent ein.
Symrise profitierten unterdessen mit zeitweise fast 5 Prozent von Umsatzzahlen des Konkurrenten Givaudan aus der Schweiz. Dessen Geschäft mit Aromen erholte sich im dritten Quartal, während das Geschäft mit Duftstoffen und Kosmetikwirkstoffen deutlich stärker wuchs. Zuletzt kamen die Symrise-Aktien etwas zurück, blieben mit plus 3,3 Prozent aber immer noch der Spitzenwert im Dax und zudem auf dem höchsten Stand seit Sommer 2025.
Die Aktie der Deutschen Bank gab nach einem Auf und Ab zuletzt um 0,2 Prozent nach. Die ersten vorgelegten Quartalsbilanzen großer US-Banken waren durchwachsen ausgefallen. So verdiente JPMorgan im dritten Quartal weniger als erwartet, während Goldman Sachs mit brummenden Geschäften im Aktienhandel überzeugte.
Vossloh litten im SDax unter einem skeptischen Analystenkommentar der Bank Oddo BHF. Sie gaben am Index-Ende um 5,6 Prozent nach und erreichten den tiefsten Stand seit Anfang 2025. Analystin Delphine Brault rechnet mit einem "sehr durchwachsen" dritten Quartal des Bahn- und Schienentechnikherstellers und senkte ihr Kursziel kräftig.
Außerhalb der Dax-Familie, die aus Dax, MDax, SDax und TecDax besteht, gewann dagegen das Papier von Formycon 12,3 Prozent. Die Aussicht auf die Zulassung eines Wirkstoffs gegen Krebserkrankungen in den USA gab der Aktie des Entwicklers sogenannter Biosimilare Auftrieb./ck/he
--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---
Quelle: dpa-Afx