WIEN (dpa-AFX) - Der Wiener Aktienmarkt hat den Handel am Dienstag trotz eines Endspurts mit Abschlägen beendet. Der Leitindex ATX ging um 0,15 Prozent tiefer bei 6.758,19 Einheiten aus der Sitzung. Der ATX Prime schloss 0,20 Prozent tiefer bei 3.321,50 Punkten. Die europäischen Börsen schwächelten ebenfalls.

Der Tag war geprägt durch steigende Ölpreise, nachdem im Iran-Krieg wieder Tanker beschossen werden, und zunehmenden Inflationssorgen. Anziehende Energiepreise und der unter Druck stehende Anleihenmarkt haben laut Marktbeobachtern zu Gewinnmitnahmen an den europäischen Aktienmärkten geführt. Zudem lieferten die Inflationsdaten für den Euroraum ein durchwachsenes Bild. Die Verbraucherpreise stiegen im August um kräftige 3,3 Prozent, nach 2,9 Prozent im Juli, wie das EU-Statistikamt mitteilte.

Angesichts des anhaltend hohen Preisdrucks mehren sich die Signale aus der EZB, die auf eine baldige Zinserhöhung hindeuten. Im gesamten Euroraum seien die Aufwärtsrisiken für die Inflation zuletzt wieder gestiegen, sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Martin Kocher: "Sollte sich dieses Bild in der nächsten EZB-Prognose bestätigen, halte ich eine weitere Zinserhöhung in naher Zukunft für notwendig."

Belastend wirkt auch die neuerliche Eskalation im Iran-Krieg, der die Ölpreise in die Höhe treibt. Es gab verschiedene Meldungen, dass am Persischen Golf Tanker beschossen wurden.

Analysten der Erste Group Research zeigen sich zufrieden mit den Plänen des Baukonzerns Strabag , die am Kapitalmarkttag vorgestellt wurden. Das Management habe das Leistungsziel für 2030 leicht angehoben, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von rund sieben Prozent entspreche. Die Erste Group Research bekräftigte die Kaufempfehlung. Der Kursanstieg von 15,8 Prozent am Freitag - ausgelöst durch gute Halbjahreszahlen - wird aber als ein einmaliges Ereignis gesehen. Die gesteigerten Ambitionen würden aber die Ansicht untermauern, dass die mittelfristigen Schätzungen weiterhin Aufwärtspotenzial bieten. Strabag-Aktien verloren nun 1,1 Prozent.

Auch die weiteren Bautitel im ATX waren mit Abgaben konfrontiert. Porr als ATX-Schlusslicht büßte 3,8 Prozent ein, Wienerberger 1,8 Prozent und Palfinger 1,3 Prozent.

Analysten der Erste Group Research haben das Kursziel für den Ölfeldausrüster SBO von 39,8 auf 35,5 Euro gesenkt. Die Empfehlung "Accumulate" bleibt bestehen. Erklärt wird die Entscheidung damit, dass die Ergebnisse aus dem ersten Halbjahr den herausfordernden Markt bestätigen, wobei die Zahlen durch negative Auswirkungen des Nahost-Konflikts beeinträchtigt wurden. Der Markt werde durch Ölpreisvolatilität, operative Schwierigkeiten in der Ölindustrie der Golfregion und verhaltenes globales Wirtschaftswachstum gebremst. SBO lagen zum Handelsschluss mit plus 0,16 Prozent bei 31,30 Euro.

An der Spitze des ATX lagen dem internationalen Trend folgend Aktien von OMV mit plus 2,0 Prozent.

Keine gemeinsame Richtung war bei den schwergewichteten Bankenwerten auszumachen. Bawag büßten 1,5 Prozent ein. Raiffeisen Bank International (RBI) fielen um 0,6 Prozent. Papiere der Erste Group hingegen zogen 1,2 Prozent an./moe/spa/APA/jha

Quelle: dpa-Afx