WIEN (dpa-AFX) - Die Wiener Börse hat am Donnerstag nach einer deutlichen Stimmungseintrübung leicht im Minus geschlossen. Der ATX verlor zum Handelsschluss 0,11 Prozent auf 6.511,40 Punkte, nachdem der Index im Verlauf noch um fast zwei Prozent zugelegt hatte. Für den Vorzeichenwechsel wurde am Nachmittag eine tiefrote Tendenz an der Wall Street verantwortlich gemacht. Rasant bergab ging es vor allem an der Technologiebörse Nasdaq.

Massiv unter Verkaufsdruck standen hier Halbleiteraktien mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz (KI), da Anleger hier eine stärkere Regulierung befürchten. Dies wird als Folge des US-Wahlresultats vom Mittwoch gesehen.

In Wien konnte sich die AT&S -Aktie nicht dem internationalen Abwärtssog in dem Bereich entziehen und brach um 15,6 Prozent ein, obwohl der Leiterplattenhersteller gute Geschäftsergebnisse präsentiert hatte.

AT&S hat im zweiten Quartal 2026/27 mit einem währungsbereinigten Umsatzplus von 52 Prozent auf 681,9 Millionen Euro den höchsten Quartalsumsatz der Firmengeschichte erzielt. Das Konzernergebnis drehte nach einem Vorjahresverlust von 7,6 Millionen Euro auf plus 125,4 Millionen Euro. Dabei hat AT&S stark vom KI-Boom profitiert - und der ist noch lange nicht zu Ende, zeigte sich Firmenchef Michael Mertin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA überzeugt. Die Analysten von Erste Group bewerteten die Quartalszahlen als deutlich besser als erwartet, vor allem bei den Gewinnmargen.

Am österreichischen Aktienmarkt hatte die Berichtssaison neben den AT&S-Zahlen mit veröffentlichten Ergebnissen von Mayr-Melnhof , Lenzing und Verbund merklich an Fahrt aufgenommen. Lenzing-Titel stiegen um 7,1 Prozent. Der Faserhersteller hatte in den ersten neun Monaten 2026 einen Umsatzrückgang von 1,972 auf 1,926 Milliarden Euro verzeichnet. Das Ebitda gab von 340,4 auf 316,4 Millionen Euro nach. Das Ergebnis nach Steuern lag bei minus 130,3 Millionen Euro, nach minus 105 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Hier schrieb Erste Group von wie erwartet ausgefallenen Ergebnissen.

Verbund-Anteilscheine legten um 8,6 Prozent zu. Die anhaltende Trockenheit und gesunkene Strompreise hatten dem Energiekonzern in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres zugesetzt. Die Umsatzerlöse sanken um 5,4 Prozent auf 5,56 Milliarden Euro, das Konzernergebnis brach um 43,5 Prozent auf 684,8 Millionen Euro ein. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde angepasst, der Gewinn soll 2026 nun bei 1,01 Milliarden Euro liegen. Die vorgelegten Zahlen für das abgelaufene Jahresviertel fielen nach Einschätzung von Erste Group wie erwartet schwach aus. Die Analysten der Baader Bank bestätigten ihre Verkaufsempfehlung "Reduce".

Mayr-Melnhof fielen um 2,4 Prozent auf 66,10 Euro. Der Verpackungskonzern hatte in den ersten drei Quartalen Einbußen beim Umsatz und vor allem beim Gewinn hinnehmen müssen. Die Erlöse sanken im Jahresvergleich um 6,9 Prozent auf 2,77 Milliarden Euro. Das bereinigte betriebliche Ergebnis brach um 38,8 Prozent auf 93,0 Millionen Euro ein. Intensiver Wettbewerb mit hohem Preisdruck und deutlich gestiegene Preise belasten die Geschäftseinheit Board & Paper. Erste Group stufte die Geschäftsergebnisse als negativ und beim bereinigten Ebit als deutlich unter den Prognosen ein.

Die Analysten von MWB Research kürzten das Kursziel für die Aktien von Mayr-Melnhof von 96,00 auf 90,00 Euro gekürzt. Die Kaufempfehlung "Buy" wurde nach der Zahlenvorlage des Kartonherstellers unverändert beibehalten.

Zudem hoben die Analysten der Baader Bank ihre Anlageempfehlung für die Aktien von Erste Group von "Reduce" auf "Add" an. Das 6-Monats-Kursziel setzte der zuständige Experte auf 128 Euro fest. Die Aktie von Erste Group legte um 1,4 Prozent auf 112,40 Euro zu./ste/sto/APA/he

Quelle: dpa-Afx