WIEN (dpa-AFX) - Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran und die damit in Verbindung stehende Ölpreisentwicklung haben den Wiener Aktienmarkt auch am Freitag belastet. Der Leitindex ATX
Vom fast drei Wochen alten Rekordhoch bei knapp 5.867 Punkten ist der ATX nun um rund zehn Prozent zurückgefallen und kratzt damit an der charttechnischen Korrekturzone. Diese Schwelle hatte der Index im früheren Wochenverlauf bereits vorübergehend unterschritten. Die Gewinne seit Jahresanfang sind inzwischen gänzlich abgeschmolzen.
Auch an den anderen europäischen Handelsplätzen ging es am Freitag tiefer. Marktbeobachter verwiesen vor dem Wochenende auf eine erhöhte Risikoaversion angesichts möglicher weiterer Ereignisse im Nahen Osten. Zudem bleibt das Muster bestehen, dass sich Aktien- und Anleihenkurse sowie der Euro entgegengesetzt zu den marktbestimmenden Ölpreisen bewegen.
Der Brent-Ölpreis pendelte am Freitag um die Marke von 100 US-Dollar. Irans Revolutionsgarden bekräftigten, dass die Straße von Hormus geschlossen bleiben soll und drohten mit weiteren Angriffen auf die Öl- und Gas-Infrastruktur der Region. Die USA intensivierten eigenen Angaben zufolge wiederum die Luftangriffe auf den Iran. Die erhöhten Energiepreise schlagen sich durch wachsende Sorgen über die Auswirkungen auf Inflation und Konjunktur wiederum auf die Aktienkurse nieder.
Fraglich bleibt, wie die Europäische Zentralbank (EZB) auf einen möglichen Inflationsanstieg reagieren würde. Einer Bloomberg-Erhebung zufolge rechnet die große Mehrheit der vor wenigen Tagen befragten Ökonomen damit, dass die EZB ihre Leitzinsen in diesem Jahr noch nicht anheben wird. An den Terminmärkten werden hingegen bereits ein bis zwei kleine Zinsanhebungen um 25 Basispunkte bis Jahresende eingepreist. Knackpunkt dürfte dabei sein, ob die Notenbanker ölpreisbedingte Inflationsanstiege als vorübergehend ansehen können, was insbesondere auf die Entwicklung der Inflationserwartungen im Euroraum ankommen dürfte.
Im ATX gaben Uniqa
Unter den wenigen Gewinnern im ATX befanden sich die Ölwerte. Angesichts der starken Ölpreisanstiege reagierten mehrere Analysten mit Kurszielanhebungen für europäische Branchenvertreter. OMV
Außerhalb des Leitindex fielen Mayr-Melnhof
Polytec
Quelle: dpa-Afx